Die Nel­ken­re­vo­lu­ti­on in Por­tu­gal und an der Algar­ve – ein Rück­blick in den Medi­en

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25. April 1974

 

Der 25. April 1974 war ein wich­ti­ger, ja, ein gro­ßer Tag für Por­tu­gal und die Algar­ve. An die­sem Tag, der als Tag der Nel­ken­re­vo­lu­ti­on in die Geschich­te ein­ge­gan­gen ist, haben Sol­da­ten und Bür­ger des Lan­des mit ihrem ent­schlos­se­nen Han­deln das von Anto­nio Sala­zar 1932 instal­lier­te, dik­ta­to­ri­sche Regime gestürzt.

Eine kur­ze Zusam­men­fas­sung zum 25. April 1974, die wir aus Wiki­pe­dia ent­lie­hen haben:

«Die Nel­ken­re­vo­lu­ti­on (por­tu­gie­sisch Revo­lução dos Cra­vos oder ein­fach 25 de Abril) bezeich­net den links­ge­rich­te­ten Auf­stand gro­ßer Tei­le der Armee in Por­tu­gal am 25. April 1974 gegen die auto­ri­tä­re Dik­ta­tur des soge­nann­ten Estado Novo. Sie ver­dankt ihren Namen den roten Nel­ken, die den auf­stän­di­schen Sol­da­ten – im Rah­men des all­ge­mei­nen Volks­fes­tes und der Freu­de ange­sichts der Ereig­nis­se – in die Gewehr­läu­fe gesteckt wur­den. Sie ver­lief bei­na­he unblu­tig – es gab vier Tote, als ver­blei­ben­de regime­treue Trup­pen vor dem Sitz der por­tu­gie­si­schen Geheim­po­li­zei auf unbe­waff­ne­te Demons­tran­ten feu­er­ten – und eröff­ne­te den Weg zur demo­kra­ti­schen Drit­ten Repu­blik. …»
(Copy­right Crea­ti­ve Com­mons)

 

Infor­ma­ti­on und Dis­kus­si­on

 

Sehr inter­es­san­te Fra­ge­stel­lun­gen zur Nel­ken­re­vo­lu­ti­on und den Ent­wick­lun­gen, die die Ereig­nis­se im April für die fol­gen­den 40 Jah­re aus­ge­löst haben, wer­den in den bei­den Hör­funk­bei­trä­gen bespro­chen, die Sie hier fin­den:

 

«Jour­nal-Pan­ora­ma: 40 Jah­re Nel­ken­re­vo­lu­ti­on in Por­tu­gal – Ein Grund zu fei­ern?»
In den 1970er-Jah­ren war Por­tu­gal eine der letz­ten Dik­ta­tu­ren West­eu­ro­pas. Repres­sio­nen, Zen­sur, Ver­haf­tun­gen und Fol­ter stan­den auf der Tages­ord­nung. Am 25. April 1974 führ­te die Nel­ken­re­vo­lu­ti­on zum Putsch.
22.4.2014, Ö1

 

«Das war der Geburts­tag des moder­nen Por­tu­gal»
Aus SRF 4 News Zeit­blen­de vom 05.04.2014

Audio­auf­nah­me..

 

algarve-1974

 

Die Nel­ken­re­vo­lu­ti­on an der Algar­ve

 

Die Men­schen an der Algar­ve waren von den Unru­hen und Wir­ren der Nel­ken­re­vo­lu­ti­on weni­ger berührt als die Bevöl­ke­rung im Nor­den Por­tu­gals, in Lis­sa­bon oder im Alen­te­jo.

Rui Fer­rei­ra, damals Ober­schü­ler an der Algar­ve, beschreibt sei­ne Erin­ne­run­gen an die Tage in der zwei­ten Hälf­te des April 1974, als vor allem posi­tiv. „Trotz der Unsi­cher­heit und trotz des Cha­os, das nach dem 25. April zunächst ent­stand, hat­ten wir ein gro­ßes Gefühl von Befrei­ung.” Und die­ser Ein­druck ist bis heu­te geblie­ben, obwohl manch­mal die Ein­drü­cke die­ser Tage und der fol­gen­den „Jah­re des Auf­bruchs”, wie er sie nennt, von den Ergeb­nis­sen der letz­ten Jah­re getrübt wer­den. „Die Men­schen waren arm. Aber am Ende sind wir heu­te ärmer als frü­her.”

Die Algar­ve hat­te 1974 schon eine Son­der­stel­lung in Por­tu­gal. Sie hat­te Tou­ris­mus – wenig im Ver­gleich zu heu­te, aber soviel, dass die Men­schen an der Algar­ve ihr Ein­kom­men aus der Fische­rei und der Land­wirt­schaft ein biss­chen auf­bes­sern konn­ten. Und im Ver­gleich zu den Men­schen im Nor­den ging es den Men­schen an der Algar­ve gut.

Viel­leicht ist die­se Son­der­stel­lung der Algar­ve auch aus­schlag­ge­bend dafür, dass sich im Ver­gleich zu ande­ren Regio­nen des Lan­des weni­ger am sozia­len Leben ver­än­dert hat. Rui Fer­rei­ra: „Einer der Unter­schie­de ist, dass man heu­te frei und offen spre­chen kann, wenn man im Café ist.”
Die Fami­lie spiel­te vor 40 Jah­ren eine gro­ße Rol­le. Beson­ders in länd­li­chen Regio­nen – und der größ­te Teil der Algar­ve war und ist länd­lich – war die Fami­lie der wich­tigs­te Rück­halt der Men­schen. In Zei­ten der Kri­se rücken die Men­schen näher zusam­men, frü­her wie heu­te. Und so haben die Fami­li­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le indi­vi­du­ell schwie­ri­ge Her­aus­for­de­run­gen abge­mil­dert.

 

Rück­blick und Blick in die Zukunft

 

Ein Blick zurück auf die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen 40 Jah­re lässt Rui Fer­rei­ra weh­mü­tig wer­den. „Vie­les von dem, was im Tou­ris­mus der Algar­ve gemacht wur­de, war nicht gut. Und in der Infra­struk­tur auch nicht: Unse­re Regie­rung hat mit Unter­stüt­zung der EU Auto­bah­nen gebaut. Die sind so teu­er gewor­den, dass die Ver­wal­tung heu­te für die Benut­zung Maut ver­langt – Gebüh­ren, die wir nicht bezah­len kön­nen – und des­halb nicht die Auto­bah­nen nut­zen. Aber die Algar­ve hat gro­ßes Poten­zi­al: Die Algar­ve hat Tou­ris­mus, Land­wirt­schaft, Fisch­fang und ein biss­chen Indus­trie. Unse­re Men­schen sind flei­ßig, wir sind viel bes­ser aus­ge­bil­det als vor 40 Jah­ren, und unse­re Regi­on ist sehr viel­sei­tig.”

Ein Blick in die Zukunft? Eine Pro­gno­se?
Rui Fer­rei­ra bleibt vor­sich­tig. „Euro­pa ist im Moment ein Cha­os. Es wird lan­ge dau­ern und es wird viel Mühe kos­ten, die Situa­ti­on in Euro­pa, in Por­tu­gal und an der Algar­ve dau­er­haft zu ver­bes­sern. Men­schen brau­chen lan­ge, um sich in der eige­nen Men­ta­li­tät zu ändern. Und mit Euro­pa ist es wie mit den Men­schen: Neue Klei­dung allein ver­än­dert nicht den Cha­rak­ter.”

 

 

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