Die Nelkenrevolution und ihre Lieder

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Gedenken-2014
Nel­ken­re­vo­lu­ti­on Geden­ken 2014 – Copy­right Crea­ti­ve Com­mons

 

Am 25. April 2014 jährte sich die Nelkenrevolution zum 40. Mal

 

Der von einer Grup­pe von Mili­tärs initi­ier­te und in den Tagen danach dem 24. April 1974 von Sol­da­ten und Bür­gern gemein­sam gegen das dik­ta­to­ri­sche Sala­zar-Regime getra­ge­ne Auf­stand ver­lief wei­test­ge­hend fried­lich. Die in Gewehr­läu­fe der Sol­da­ten gesteck­ten Nel­ken gaben der Revo­lu­ti­on ihren Namen.

In die­sem Bei­trag möch­ten wir die bei­den berühm­ten Lie­der und ihre Schöp­fer vor­stel­len, die untrenn­bar mit der Nel­ken­re­vo­lu­ti­on ver­bun­den sind.

Die bei­den por­tu­gie­si­schen Künst­ler sind zum einen der Kom­po­nist und Sän­ger Pau­lo de Car­val­ho (* 15. Mai 1947 in Lis­sa­bon) und zum ande­ren der anti­fa­schis­ti­sche Dich­ter und Lie­der­ma­cher José "Zeca" Afon­so (* 2. August 1929 in Avei­ro, † 23. Febru­ar 1987 in Set­úbal).

 

Die Lieder als geheime Botschaft für die Revolutionäre im Radio

 

Am Vor­abend des 25. April wur­de das durch den kurz zuvor statt­ge­fun­den Euro­vi­si­on Song Con­test bereits bekann­te Lie­bes­lied von Pau­lo de Car­val­ho "E depois do Ade­us" (dt. Und nach dem Abschied) in einem Lis­sa­bon­ner Rund­funk­sen­der gespielt. Das Lied war das von den Revo­lu­tio­nä­ren ver­ein­bar­te Signal, in Lis­sa­bon die Aktio­nen zum Umsturz gemäß der gehei­men Pla­nung zu begin­nen. In drei ört­li­chen Mili­tär­schu­len wur­den die Kom­man­deu­re ver­haf­tet und die Sol­da­ten über die Zie­le des Movi­men­to das For­ças Arma­das (MFA), dt.: (Bewe­gung der Streit­kräf­te) und die bevor­ste­hen­den Ope­ra­tio­nen auf­ge­klärt.

 

Hier das Lied in der 1974 von Paulo de Carvalho gesungenen Fassung:

 

 

 

Jahrzehnte später, eine sehr bewegende Live Version des selben Sängers.

 

 

Pau­lo de Car­val­ho ist heu­te noch immer als Sän­ger aktiv.

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José Zeca Afonso

 

Als das eigent­li­che "musi­ka­li­sche" Gesicht des Auf­stan­des gilt jedoch unbe­strit­ten der oppo­si­tio­nel­le Musi­ker und Dich­ter Zeca Afon­so mit sei­nem Lied "Gran­dô­la, Vila More­na", wel­ches, wie auch sei­ne übri­gen Wer­ke, wäh­rend der Zeit der Dik­ta­tur in Por­tu­gal ver­bo­ten war.
Am 25. April 1974 Um 0:20 wur­de im Rund­funk­sen­der Rádio Ren­as­cença erst der Text von "Gran­dô­la, Vila More­na" vor­ge­le­sen, danach das Lied in vol­ler Län­ge zwei­mal abge­spielt.
Das war das lan­des­wei­te Signal für alle Betei­lig­ten, ope­ra­tio­nell den Umsturz gemäß Plan aus­zu­füh­ren und die Pan­zer nach Lis­sa­bon in Marsch zu set­zen.

 

Grândola, Vila Morena, weltberühmte Hymne der Nelkenrevolution

 

"Grân­do­la, Vila More­na" ist, ganz der por­tu­gie­si­schen See­le ent­spre­chend, kein mar­tia­li­sches Revo­lu­ti­ons­lied. Der ergrei­fen­de Text ist von berüh­ren­der Soli­da­ri­tät und eine Bot­schaft an die Men­schen für Frei­heit, Gleich­heit und Brü­der­lich­keit. Der ein­fühl­sa­me Gesang lehnt sich an den Stil der alent­jea­ni­schen Män­ner­chö­re an, die bis heu­te noch im kul­tu­rel­len Leben des Alen­te­jo prä­sent sind.
Hier der auf deutsch über­setz­te Text, der por­tu­gie­si­sche Ori­gi­nal­text kann im unten­ste­hen­den Clip mit­ge­le­sen wer­den.

Grân­do­la, braun­ge­brann­te Stadt
Land der Brü­der­lich­keit
Es ist das Volk, das bestimmt
In dir, oh Stadt

In dir, oh Stadt
Ist es das Volk, das bestimmt
Land der Brü­der­lich­keit
Grân­do­la, braun­ge­brann­te Stadt

An jeder Ecke ein Freund
In jedem Gesicht Gleich­heit
Grân­do­la, braun­ge­brann­te Stadt
Land der Brü­der­lich­keit

Land der Brü­der­lich­keit
Grân­do­la, braun­ge­brann­te Stadt
In jedem Gesicht Gleich­heit
Es ist das Volk, das bestimmt

Im Schat­ten einer Stein­ei­che
Die ihr Alter nicht mehr kann­te
Schwor ich als dein Gefähr­te
Grân­do­la, zu dei­nem Wil­len

Grân­do­la, zu dei­nem Wil­len
Schwor ich als dein Gefähr­te
Im Schat­ten einer Stein­ei­che
Die ihr Alter nicht mehr kann­te

 

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José Zeca Afonso – ein großer portugiesischer Künstler mit außergewöhnlicher Vita und Haltung

 

José Zeca Afonso

largodoscorreios.wordpress.com

Den nach­fol­gen­den Text haben wir aus Wiki­pe­dia ent­lie­hen:

"José Afon­so wur­de am 2. August 1929 in der Hafen­stadt Avei­ro gebo­ren und ver­leb­te einen Teil der Jugend in Ango­la und Mosam­bik. Ab 1940 leb­te er als Schü­ler und Stu­dent an der alten Uni­ver­si­tät Coim­bra. Dort begann er früh, den tra­di­ti­ons­rei­chen Fado de Coim­bra zu sin­gen – Bal­la­den, die nur ent­fernt mit dem bekann­te­ren Fado in Lis­sa­bon ver­wandt sind und Lie­be und Stu­den­ten­le­ben besin­gen. 1956 erschien sei­ne ers­te Schall­plat­te. Nach Abschluss des Stu­di­ums wur­de er als Leh­rer tätig, an ver­schie­de­nen Orten Por­tu­gals, dann auch vier Jah­re in Mosam­bik, wo er den Wider­stand gegen das Kolo­ni­al­re­gime erleb­te. Nach sei­ner Rück­kehr nach Por­tu­gal wur­de er der bedeu­tends­te Sän­ger der Oppo­si­ti­on. Wäh­rend sei­nes Wir­kens im Zeit­al­ter der Sala­zar-Dik­ta­tur wur­de er von der Geheim­po­li­zei PIDE über­wacht und muss­te sei­ne Schall­plat­ten im Aus­land auf­neh­men.
In den nach­fol­gen­den Jah­ren war José Afon­so als Unter­stüt­zer der Revo­lu­ti­on tätig, er sang im In- und Aus­land und unter­stütz­te Selbst­ver­wal­tungs­pro­jek­te, ohne par­tei­po­li­tisch gebun­den zu sein.
José Afon­so hat nach Ende sei­ner Zeit in Coim­bra eine gro­ße Zahl von Lie­dern kom­po­niert und gedich­tet. Sei­ne Musik ist vom Fado, von Volks­lied und Kunst­lied sowie von der in Afri­ka erleb­ten Musik geprägt. Die The­men sei­ner Lie­der sind viel­fäl­tig, zen­tra­le The­men sind Treue und Soli­da­ri­tät der Men­schen.
Die letz­ten Jah­re sei­nes Lebens kämpf­te José Afon­so gegen fort­schrei­ten­de Amyo­tro­phe Late­ral­skle­ro­se. (dege­ne­ra­ti­ve Erkran­kung des moto­ri­schen Ner­ven­sys­tems).
Er starb am 23. Febru­ar 1987 im Alter von erst 58 Jah­ren in der Hafen­stadt Set­úbal. Sei­ne Kom­po­si­tio­nen blie­ben in den fol­gen­den Jah­ren leben­dig. Auch der gro­ße Anteil sei­ner unver­ton­ten Lyrik (mehr als die Hälf­te des Gesamt­werks) erhält zuneh­mend Beach­tung. Nach einer ers­ten 1985 in Wien ver­öf­fent­lich­ten phi­lo­lo­gi­schen Dis­ser­ta­ti­on erschien 2013 im Ham­burg die ers­te Dok­tor­ar­beit über das erhal­te­ne lyri­sche Gesamt­werk (Gedich­te und Lie­der) José Afon­sos."
(Copy­right Crea­ti­ve Com­mons)

 

Das musikalische Werk – eine wahre Fundgrube portugiesischen Liedgutes

 

José Zeca Afon­so hin­ter­ließ ein umfang­rei­ches und viel­fäl­ti­ges musi­ka­li­sches Werk.
Zwi­schen 1960 und 1985 ent­stan­den neben eini­gen Sin­gles zahl­rei­che Alben, wie die fol­gen­de Lis­te zeigt.

1960: Bala­da do Outo­no, Rap­só­dia
1962: Bala­das de Coim­bra, Rap­só­dia
1963: Dr. José Afon­so em Bala­das de Coim­bra, Rap­só­dia
1964: Ó Vila de Olhão, EMI/Valentim de Car­val­ho (sin­gle)
1964: Can­t­ares de José Afon­so, Columbia/Valentim de Car­val­ho
1964: Bala­das e Canções, Ofir
1967: José Afon­so, ?
1968: Can­t­ares do Anda­ril­ho, Orfeu
1969: Meni­na dos Olhos Tris­tes, Orfeu (sin­gle)
1969: Con­tos Vel­hos Rumos Novos, Orfeu
1970: Traz Outro Ami­go Tam­bém, Orfeu
1971: Can­ti­gas do Maio, Orfeu
1972: Eu Vou Ser Como a Tou­pei­ra, Orfeu
1973: Ven­ham Mais Cin­co, Orfeu
1974: Coro dos Tri­bu­nais, Orfeu
1974: Viva o Poder Popu­lar, LUAR (sin­gle)
1974: Grân­do­la, Vila More­na, Orfeu
1975: Repúb­li­ca, Lot­ta Continua/Il Manifesto/Vanguardia Ope­ra­ria
1976: Com as Min­has Taman­quin­has, Orfeu
1976: José Afon­so in Ham­burg, Por­tu­gal Soli­da­ri­tat
1978: Enquan­to Há For­ça, Orfeu
1979: Fura Fura, Orfeu
1981: Fados de Coim­bra e Outras Canções, Orfeu
1983: Como se Fora seu Fil­ho, Orfeu
1983: Ao Vivo no Coli­seu, Orfeu
1983: Zeca em Coim­bra, Foto Sono­ro
1985: Gal­in­has do Mato, Orfeu

Es wür­de den bestehen­den Rah­men spren­gen, aus jedem Album hier ein Bei­spiel vor­zu­stel­len. Wir beschrän­ken uns des­halb auf Lie­der aus den drei Alben, die die enge­re Zeit­span­ne vor und nach der Revo­lu­ti­on abbil­den und die uns ganz beson­ders gut gefal­len, was natür­lich eine sub­jek­ti­ve Mei­nung dar­stellt.

Traz Outro Ami­go Tam­bém (1970) aus dem gleich­na­mi­gen Album
Der Text han­delt von ech­ter Freund­schaft, grö­ßer als jeder Gedan­ke und über alle Gren­zen hin­weg.
Bewe­gend die bei­den letz­ten Stro­phen:

Wil­kom­men die­je­ni­gen, die in guter Absicht kom­men
Wenn einer nicht kom­men will
Bring ihn mit

Die­je­ni­gen, die irgend­wo in der Welt blie­ben
Haben mich im Traum besucht
Bring auch Du einen wei­te­ren Freund mit

 

Can­ti­gas do Maio (1971) aus dem gleich­na­mi­gen Album

 

Maio, Madu­ro Maio (1971) aus dem Album Can­ti­gas do Maio

 

Os Fan­to­ches de Kis­sin­ger (1976) aus dem Album Com as min­has taman­quin­has

 

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