Flughafen Lissabon bekommt mehr Kapazität

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Der aus den Nähten platzende Flughafen Lissabon wird seine Kapazität erweitern. Die Betreibergesellschaft ANA Aeroportos de Portugal | VINCI Airports und die portugiesische Regierung erzielten darüber eine finanzielle Übereinkunft. Das wurde am Freitag, 4. Januar, bekannt.

Schon in der kommenden Woche soll ein entsprechendes Finanzierungsabkommen unterzeichnet werden. Die Zeremonie findet am Dienstag, 8. Januar, auf der Luftwaffenbasis in Montijo statt. Teilnehmen werden Portugals Ministerpräsident António Costa und der Minister für Planung und Infrastruktur, Pedro Marques. Aus Frankreich kommt der VINCI-Vorstandsvorsitzende Xavier Huillard, begleitet vom Präsidenten der VINCI-Airports, Nicolas Notebaert.

 

Südöstlich von Lissabon, in Montijo, soll die Filiale des Hauptstadt-Flughafens auf einer ehemaligen Luftwaffen-Basis entstehen. Grafik: Google Maps

 

Flughafen Lissabon bekommt “Filiale” in Montijo

 

Es dürfte bei dem Abkommen um die finanzielle Abwicklung des Umbaus in Montijo gehen. Dort soll der bisherige Militärstützpunkt von diesem Jahr an für den Passagierflugbetrieb umgebaut werden. Er liegt rund 30 Kilometer von der portugiesischen Hauptstadt entfernt. Deren Aeroporto Humberto Delgado ist an seine Kapazitätsgrenzen gekommen.

Flughafen Lissabon platzt aus allen Nähten und die Passagiere leiden
Platzt immer mehr aus den Nähten: der Flughafen Humberto Delgado in Lissabon. Foto: Vinci

Der südlich des Flusses Tejo gelegene Flughafen Montijo soll, so das Vorhaben, künftig hauptsächlich Kurz- und Mittelstreckenflüge von Billigfluggesellschaften aufnehmen. Ferner soll am Aeroporto Humberto Delgado bzw. Portela, wie die Portugiesen ihn nennen, ein neues Terminal gebaut werden. Dessen Standort ist zwischen den beiden Pisten vorgesehen und soll per Bahn mit dem Hauptterminal verbunden werden. Hier will die Flughafengesellschaft künftig die Langstrecken-Flüge abfertigen.

Flughafen Lissabon: Erweiterungspläne schon seit 60er Jahren

Bereits in den 60er Jahren, als Lissabon noch keinen Tourismus-Boom verzeichnete, war der Bau eines komplett neuen Flughafens für die Hauptstadt erwogen worden. Der bisherige grenzt unmittelbar nordöstlich an die Innenstadt an und ist auch per Metro gut zu erreichen. Er platzt inzwischen aus allen Nähten und zieht wegen der Abfertigungsprobleme mittlerweile viel Kritik von Passagieren und Airline-Mitarbeitern auf sich.

War 2000 noch der Bau des neuen Flughafens in rund 45 Kilometer Entfernung nördlich von Lissabon erwogen worden, wurde nach dem Aufschub durch die Finanzkrise nur noch über ein Projekt am Tejo südöstlich von Lissabon diskutiert. Laut ursprünglicher Planung sollte es bereits 2017 ans Netz gehen, doch das Geld reichte nicht aus. Im gleichen Jahr kamen die Regierung und das Betreiber-Konsortium VINCI überein, Montijo als “Filiale” des Humberto Delgado-Airports zu errichten.

Flughafen Lissabon kann mit Montijo über 70 Flugbewegungen pro Stunde bewältigen

Flughafen Lissabon muss Umweltverträglichkeitsstudie für Montijo durchführen
Wie wirkt sich auf die Vogelwelt aus, wenn die Billigflieger nach Montijo umziehen? Foto: VINCI

Der Platz ist nur rund zehn Kilometer Luftlinie entfernt. Mit dem Auto muss man, um die kürzeste Strecke in die Innenstadt nach Lissabon zu wählen, über die 17 Kilometer lange Brücke Vasco da Gama fahren. Es gibt aber auch Fährverbindungen über den Tejo.

Während Lissabon derzeit nur rund 40 Flugbewegungen pro Stunde abwickeln kann, soll die  Lösung Humberto Delgado plus Montijo die Kapazität auf mehr als 70 Starts und Landungen erhöhen. Für die Investitionen in Montijo waren lange Zeit rund 300 Millionen Euro im Gespräch. Das wäre nur ein kleiner Teil der Summe, die für einen Neubau hätte aufgewendet werden müssen. Interessant wird sein, ob die Finanzierung durch Einnahmen aus Flughafengebühren geplant ist. Dies wäre sicher im Interesse von VINCI. Besonderes Augenmerk ist auch darauf zu richten, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu einem positiven Ergebnis kommt. Die trichterartige Mündung des Flusses Tejo beherbergt eine vielfältige Vogelwelt.

 

Wie steht die Umweltverträglichkeits-Studie zum erweiterten Flughafen Lissabon?

 

Flughafen Lissabon: Ausbau unterliegt Umweltverträglichkeits-Prüfung
Planungsminister Pedro Marques beruhigt im portugiesischen Fernsehen. Screenshot: RTP

Planungsminister Marques versicherte unterdessen, mit dem Bau des Flughafens Montijo werde nicht begonnen werden, ohne dass die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsstudie vorlägen. “Niemand wird einen Flughafen betreiben, ohne alle Maßgaben der Umweltverträglichkeitsstudie vollständig einzuhalten”,  fügte er am Freitag hinzu. Marques bezeichnete die finanzielle Übereinkunft als das Ergebnis schwieriger Verhandlungen, “weil wir mit einem Unternehmen verhandeln, das das Monopol der portugiesischen Flughäfen hat und daher mit dem Staat aus einer sehr starken Position verhandeln kann”. Aber nach langen und mit großer Intensität geführten Verhandlungen sei nun eine wichtige Vereinbarung auf dem Tisch, welche die Umsetzung der Investitionen ermögliche.

Kritiker wiesen darauf hin, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung noch nicht abgeschlossen sei. Die Umweltschutz-Vereinigung ZERO forderte bereits, die Regierung solle die Vereinbarung nicht unterzeichnen, bevor sie die Schlussfolgerungen der Studie kenne. Der offenbar ausgeübte Zeitdruck auf die Regierung sei “absolut inakzeptabel”. Die kritischste Phase für die Einschätzung der Auswirkungen auf die Vogelwelt sei ja die Zeit vom Herbst bis zum Frühling.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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