So hat ESC-Gewinner Sobral an der Algarve überrascht!

Mach mit: Tei­le die­sen Bei­trag mit Freun­den!

Sei­nen Auf­tritt in Lagoa hat­te Sal­va­dor Sobral bereits vor dem 62. Euro­vi­si­on Song Con­test zuge­sagt. Doch dann gewann er den Wett­be­werb – mit der Jazz-Bal­la­de „Amar pelos dois“. Der so zu Welt­ruhm gekom­me­ne Sän­ger aus Lis­sa­bon hielt sein Ver­spre­chen trotz­dem. Des­halb konn­ten am Frei­tag, 23. Juni, rund 700 Besu­cher des Lagoa Jazz Fest in Estômbar erle­ben, wie der 27-jäh­ri­ge Künst­ler mit ade­li­gen deut­schen Vor­fah­ren sie mit fein­füh­li­ger Latin Music vor som­mer­li­chem Ster­nen­him­mel begeis­ter­te. Über­ra­schung: Der Por­tu­gie­se sang und mode­rier­te aus­schließ­lich auf Spa­nisch. Und trug den Sie­ger-Song aus Kiew nicht noch ein­mal vor.

Salvador Sobral mit Trio Alma Nuestre auf Jazz Fest Lagoa 2017 an der Algarve
Per­fek­tes Zusam­men­spiel: Sal­va­dor Sobral (2.v.l.) mit sei­nem Trio Alma Nuest­re auf dem Lagoa Jazz Fest 2017 an der Algar­ve. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Sobral, der sich auch in der Flücht­lings­hil­fe enga­giert, ging beim Fes­ti­val in Lagoa – anders als bei vor­he­ri­gen Auf­trit­ten – auch nicht mehr auf die por­tu­gie­si­sche Wald­brand-Kata­stro­phe ein. Weni­ge Tage zuvor, bei einem Auf­tritt in Ourém, hat­te der Song Con­test-Sie­ger noch eine klei­ne Hilfs­ak­ti­on durch­ge­führt. Die Ein­nah­men aus dem Ver­kauf von Ton­trä­gern vor und nach dem Kon­zert wur­den für den Wie­der­auf­bau und in Not gera­te­ne Men­schen in Pedrógão Gran­de und Góis gespen­det.

Jazz-Sänger Salvador Sobral beim Lagoa Jazz Fest 2017 an der Algarve
Das Algar­ve-Publi­kum war Feu­er und Flam­me für Sal­va­dor Sobral (27), Gewin­ner des Euro­vi­si­on Song Con­test. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Trotz schweiß­trei­ben­de Abend­tem­pe­ra­tu­ren von mehr als 25 Grad trat Sobral im grau­grün karier­ten Sac­co auf die Büh­ne des Amphi­thea­ters im Sítio das Fon­tes. Sein Trio begnüg­te sich hin­ge­gen mit T‑Shirt oder Hemd.  Der bär­ti­ge Bar­de trug unterm Sac­co ein wei­tes dun­kel­grau­es Hemd und dazu anthra­zit­far­be­ne Jeans. Zwi­schen­durch setz­te sich Sobral, die mit­tel­lan­gen Haa­re schlicht nach oben gesteckt, immer wie­der auf einen bereit­ge­stell­ten Stuhl neben dem Pia­no. Ein­mal, wäh­rend eines Songs, unter­strich er mit einer Hand­be­we­gung sei­nen gewölb­ten Bauch. Medi­en mut­ma­ßen, hier wür­den medi­zi­ni­sche Gerät­schaf­ten oder die Wund-Abde­ckung nach einer Bauch-Ope­ra­ti­on kaschiert. Doch der Sän­ger ging nicht wei­ter dar­auf ein.

Viel­mehr ver­zau­ber­te Sobral sein sach­kun­di­ges Publi­kum mit sof­tem Swing, lachen­den, neu­gie­rig blit­zen­den Augen und einem gewal­ti­gen Stimm-Spek­trum. Sei­ne wit­zi­gen Sprü­che kamen beim ein­hei­mi­schen Publi­kum pro­blem­los an. Denn Por­tu­gie­sen ver­ste­hen das Spa­ni­sche gut. Nur die zahl­reich ver­tre­te­nen Zuhö­rer aus dem deutsch­spra­chi­gen und angel­säch­si­schen Raum schau­ten sich manch­mal etwas rat­los an, wenn die ande­ren Gäs­te lach­ten oder den Refrain mit­san­gen.

Stän­dig war Sobrals Kör­per in Bewe­gung. Der Sän­ger zap­pel­te, wipp­te, sprang, diri­gier­te und ges­ti­ku­lier­te, oft ein wenig unbe­hol­fen wir­kend. Gele­gent­lich nes­tel­te der 27-Jäh­ri­ge an Nase, Bart und Hals oder simu­lier­te mit den Armen das Zup­fen des Kon­tra­bas­ses bzw. das Trom­meln des Schlag­zeugs. Und immer wie­der hielt er sich die Hän­de vors Gesicht, so, als wür­de er sie trotz der Som­mer-Hit­ze noch warm hau­chen wol­len. Doch das tat er nur, um diver­se Musik­in­stru­men­te täu­schend ähn­lich zu imi­tie­ren. Ähn­lich oder sogar noch bes­ser als bei dem im Febru­ar gestor­be­nen ame­ri­ka­ni­schen Jazz-Sän­ger Al Jar­reau glaub­te man zum Bei­spiel ent­we­der eine Trom­pe­te zu hören bzw. eine gan­ze Per­cus­sion-Grup­pe; groß­ar­tig!

 

Sanfte Sobral-Songs vor sommerlichem Sternenhimmel

 

Wie schon bei sei­nem Auf­tritt in Kiew kamen Sobral und sein süd­ame­ri­ka­ni­sches Trio Alma Nues­tra (über­setzt etwa „Unse­re See­le“) völ­lig ohne Back­ground-Chor oder Zuta­ten wie Tän­zer, Licht-Effek­te oder Feu­er­werk aus. Zusam­men mit sei­nem Freund und Pia­nist Vic­tor Zamo­ra sowie Bas­sist André Rosin­ha und Schlag­zeu­ger André Sou­sa Mach­a­do zau­ber­te er durch sanf­tes Tim­bre und jaz­zi­ge Phra­sie­rung Gän­se­haut auf die Kör­per der Gäs­te – und das an einem schwül­war­men Juni-Abend. Sobrals Trio glänz­te mit per­fek­tem Zusam­men­spiel, das mit­riss. Einei­halb Stun­den lang tru­gen die Musi­ker bekann­te und zeit­lo­se Songs aus Kuba, Argen­ti­ni­en und ande­ren süd­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern vor. Sie wirk­ten größ­ten­teils wie frisch erfun­den, locker impro­vi­siert und immer authen­tisch-per­sön­lich.

 

Lagoa Jazz Fest: Internationale Fan-Gemeinde huldigt nicht nur Sobral

 

Zuhörer des Lagoa Jazz Fest 2017 im Sitio das Fontes von Estombar
Inti­mes Fes­ti­val im Sitio das Fon­tas von Estom­bar: das Lagoa Jazz Fest. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Das ambi­tio­nier­te Lagoa Jazz Fest hat eine treue inter­na­tio­na­le Fan­ge­mein­de. Sei­nen beson­de­ren Reiz macht vor allem der ein­zig­ar­ti­ge, magisch wir­ken­de Ver­an­stal­tungs-Ort in der Frei­zeit­an­la­ge Sítio das Fon­tes mit ihrem Amphi­thea­ter aus. Hier herrscht herr­li­cher Weit­blick auf grü­ne Hügel und Tei­che sowie para­die­si­sche Ruhe. Nur das Wis­pern des Win­des und das Zwit­schern der Vögel unter­bricht gele­gent­lich die Stil­le. Rund 20 Quel­len spru­deln in die­ser sanft swin­gen­den Karst­land­schaft. Sie spei­sen den Fluss Ara­de, der im nahe gele­ge­nen Por­timão in den Atlan­tik mün­det.

Bandoneon-Virtuose Gianni Iorio aus Rumändien auf dem Lagoa Jazz Fest 2017 an der Algarve
Der rumä­ni­sche Ban­do­ne­on-Vir­tuo­se Gian­ni Iorio auf dem Lagoa Jazz Fest 2017. Foto: Mário Fer­rei­ra

2017, in dem der Geburt von Jazz-Legen­de Ella Fitz­ge­rald und der ers­ten Auf­nah­me einer Jazz-Schall­plat­te vor 100 Jah­ren gedacht wird, erlebt das inti­me Fes­ti­val für Lieb­ha­ber von Qua­li­tät und Viel­falt bereits sei­ne 13. Auf­la­ge. Orga­ni­sa­to­ren sind der Pia­nist Antó­nio Pal­ma und der Gitar­rist Joa­quim Andrés. Bei­den gehört die Kon­zert­agen­tur Ao Vivo.

Pal­ma als künst­le­ri­scher Direk­tor recher­chiert zusam­men mit Andrés stän­dig, wo sich ide­en­rei­che neue und spe­zi­ell arran­gier­te Kom­po­si­tio­nen fin­den las­sen und sich musi­ka­li­sche Ener­gie mit dezen­ter Eigen­wil­lig­keit paart.

So sor­gen sie von Jahr zu Jahr dafür, dass Puris­mus und Krea­ti­vi­tät gut gemischt sind. Weni­ger bekann­te Musi­ker las­sen sie mit inter­na­tio­nal renom­mier­ten Vir­tuo­sen zusam­men­tref­fen.

Am Frei­tag war das zu erle­ben. Da eröff­ne­ten der ita­lie­ni­sche Pia­nist Pas­qua­le Ste­fa­no und der rumä­ni­sche Ban­do­ne­on-Vir­tuo­se Gian­ni Iorio als Duo Noc­turno das Lagoa Jazz Fest um 22 Uhr. Die euro­päi­schen Musi­ker haben bereits Kon­zert­rei­sen durch die gan­ze Welt unter­nom­men und ver­bin­den Klas­sik und Tan­go.

Bei ihrem ers­ten Auf­tritt in Por­tu­gal bewie­sen sie Stär­ke in der Inter­pre­ta­ti­on, kom­bi­niert mit sub­ti­len solis­ti­schen Eska­pa­den. Danach, kurz vor Mit­ter­nacht, trat Euro­vi­si­ons-Gewin­ner Sobral vors erwar­tungs­vol­le Publi­kum.

Lagoa Jazz Fest: Das steht außer Sobral noch auf dem Programm

 

Live-Musik beim Lagoa Jazz Fest an der Algarve
Live-Musik bis 2 Uhr nachts beim Lagoa Jazz Fest an der Algar­ve. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Sams­tag­nacht will das „Mari­us Pre­da 4teto“, die Fes­ti­val­be­su­cher in sei­nen Bann zu zie­hen. Mari­us Pre­da, 1977 gebo­re­ner Spross einer rumä­ni­schen Musi­ker-Fami­lie, ist der ers­te Cym­bal-Solist in der Jazz-Geschich­te gewor­den. Sei­ne vir­tuo­se Art und Wei­se des Cim­ba­lom-Spie­lens hat­te er in der Vibra­phon-Klas­se einer nie­der­län­di­schen Musik­hoch­schu­le fort­ent­wi­ckelt. Bis­lang trat er schon mit vie­len inter­na­tio­na­len Jazz-Grö­ßen zusam­men auf, dar­un­ter auch Arturo San­do­val.

Am Sonn­tag stellt beim Lagoa Jazz Fest zunächst das ein­hei­mi­sche Trio KOLME mit Pia­no, Bass und Schlag­zeug sei­nen urei­ge­nen Stil vor. Die Kon­zert­be­su­cher dürf­ten sich bei den Stü­cken an Jazz-Ido­le wie Bill Evans, Keith Jar­rett und Brad Mehl­dau erin­nern. Das sehr dif­fe­ren­zier­te Reper­toire der drei por­tu­gie­si­schen Künst­ler besteht fast aus­schließ­lich aus eige­nen Songs.

Den Abschluss der drei Jazz-Näch­te in Estom­bar wird am Sonn­tag das Alber­to Lopez-Quin­tett machen. Die Spa­ni­er rund um den 1990 gebo­re­nen Gitar­ris­ten wol­len bewei­sen, dass Fla­men­co zwin­gend zum Jazz gehört. Die Gäs­te des Lagoa Jazz Fest sol­len die Ver­schmel­zung von tem­pe­ra­ment­vol­lem Instru­men­tal­spiel, Gesang und Tanz erle­ben.

 

Sobral bekommt Chet Baker-Azulejo geschenkt

 

Chet Baker-Fan Salvador Sobral mit Azulejo von Jazz-Maler Xicofran
ESC-Gewin­ner Sal­va­dor Sobral (r.) freut sich über das Chet Baker-Azu­le­jo des Lis­sa­bo­ner Jazz-Malers Xico­fran. Foto: Pau­lo Amo­rim

Am Ran­de des Eröff­nungs­abends des Lagoa Jazz Fest gab es noch eine gro­ße Ges­te. Der Lis­sa­bo­ner Jazz-Maler Fran­cis­co Fer­nan­des, genannt Xico­fran, über­reich­te Sal­va­dor Sobral auf einer gebrann­ten Kachel (Azu­le­jo) ein Bild von Chet Baker. Der 1988 in Ams­ter­dam ver­stor­be­ne US-Jazz­trom­pe­ter, Sän­ger und Kom­po­nist ist das gro­ße Idol des ESC-Gewin­ners. Die­ser zeig­te sich sehr gerührt und bedank­te sich herz­lich.

Xico­fran, der eini­ge Meis­ter­stü­cke sei­ner Mal­kunst im Sítio das Fon­tes aus­stellt und zum Kauf anbie­tet, beein­druckt durch schwung­vol­len Pin­sel­strich, durch Reich­tum an Far­ben und Nuan­cen. Dem mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten Künst­ler gelingt es in sei­nen Por­träts von Jazz-Legen­den, deren Bewe­gun­gen beim Musi­zie­ren und das Vibrie­ren der Instru­men­te gewis­ser­ma­ßen mit­er­le­ben und nach­emp­fin­den zu las­sen; die Lein­wand scheint zu swin­gen.

Auf Xico­frans oft groß­for­ma­ti­gen Bil­dern sind neben Chet Baker auch ande­re berühm­te Jazz-Grö­ßen prä­sent, etwa Earl Hines, Son­ny Rol­lings, John Col­tra­ne, Char­lie Par­ker, Charles Min­gus und Miles Davis prä­sent, aber auch Lou­is Amstrong mit Ella Fitz­ge­rald sowie Bet­ty Car­ter. Sogar T‑Shirts und Ohren­ses­sel bemalt der in Ango­la gebo­re­ne Künst­ler mit Jazz-Moti­ven, wie Aus­stel­lung und Kata­log bewei­sen. Sehens­wert!

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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