Was­ser­knapp­heit: Sind die Gol­fer schuld?

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Für Por­tu­gals Umwelt­mi­nis­ter Duar­te Cor­dei­ro (Foto) steht fest: "In Por­tu­gal ist die Dür­re nicht zyklisch, son­dern struk­tu­rell bedingt". Der Minis­ter weist dar­auf hin, dass Por­tu­gal das zweit­tro­ckens­te Jahr seit 1931 erlebt und dass die Kom­bi­na­ti­on aus gerin­gen Nie­der­schlä­gen und hohen Tem­pe­ra­tu­ren zu einem dras­ti­schen Rück­gang des in den Däm­men gespei­cher­ten und im Boden ver­füg­ba­ren Was­sers geführt hat.

Nach Ana­ly­se der Regie­rung hat sich die Dür­re­si­tua­ti­on auf dem por­tu­gie­si­schen Fest­land nach einer leich­ten Ver­bes­se­rung im März und April "im Mai und Juni 2022 deut­lich ver­schlech­tert hat, was sich nega­tiv auf die land­wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­wirkt.“ Aktu­ell befän­den sich auf dem por­tu­gie­si­schen Fest­land etwa 97,1 % des Gebiets in der Kate­go­rie der schwe­ren Tro­cken­heit und 1,4 % in der Klas­se der extre­men Tro­cken­heit. An der Algar­ve hat der Ver­band der Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men von Sil­ves, Lagoa und Por­ti­mão bereits auf die Dau­er­dür­re reagiert und den Not­fall­plan für die Was­ser­ver­sor­gung in der Land­wirt­schaft aktiviert.

Wie immer in sol­chen Kri­sen­zei­ten wer­den Sün­den­bö­cke gesucht. Der Links­block (Blo­co de Esquerda,(BE) hat jetzt den für Por­tu­gal wich­ti­gen Golf­sport ins Visier genom­men, ins­be­son­de­re an der Algar­ve. Denn von den 78 Golf­plät­zen des Lan­des befin­den sich hier allein 40. Laut Anga­ben der por­tu­gie­si­schen Umwelt­be­hör­de von 2021 ver­wen­den von den 40 Golf­plät­zen der Regi­on ledig­lich zwei auf­be­rei­te­te Abwäs­ser: San Loren­zo in Quin­ta do Lago und Sal­ga­dos bei Alb­ufei­ra. Die gro­ße Mehr­heit der Plät­ze greift auf Bohr­lö­cher und somit auf die unter­ir­di­schen Was­ser­res­sour­cen der Regi­on zurück. Ins­ge­samt wer­den pro Jahr 1,1 Mio. Kubik­me­ter für die Bewäs­se­rung der Greens benö­tigt. Die APA ver­sprach damals „Wir wer­den die Wie­der­ver­wen­dung von Was­ser aus den Klär­an­la­gen bis 2025 verachtfachten“.

BE-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Pedro Fili­pe Soares hat jetzt im Par­la­ment in Lis­sa­bon eine Geset­zes­in­itia­ti­ve vor­ge­stellt, die die Bewäs­se­rung von Golf­plät­zen aus­schließ­lich mit wie­der­ver­wen­de­tem Abwas­ser erzwin­gen soll. "Ein Golf­platz kann und soll­te Was­ser aus Klär­an­la­gen für die Bewäs­se­rung ver­wen­den. Es macht kei­nen Sinn, dass Trink­was­ser – das mög­li­cher­wei­se für die Ver­sor­gung von Men­schen oder Tie­ren ver­wen­det wird – auf Golf­plät­zen in deren Bewäs­se­rungs­sys­te­men ver­schwen­det wird", kri­ti­sier­te er und wies dar­auf hin, dass es an der Algar­ve Gebie­te gibt, in denen die Land­wir­te nur begrenzt auf Was­ser für die Bewäs­se­rung zurück­grei­fen können.“

Wasserknappheit an der Ost-Algarve ließ Brunnen austrocken und erfordert Tankwagen-Versorgung
Dür­re plagt die Ost-Algar­ve. Foto: Redcharlie

Sün­den­bock Golf?

Jetzt wehrt sich Por­tu­gals Golf­ver­band gegen die ihm zuge­dach­te Rol­le als Buh­mann. Ver­bands­prä­si­dent Miguel Fran­co de Sou­sa kri­ti­sier­te die aktu­el­le Regie­rungs­po­li­tik, die in den letz­ten Jah­ren einen "bru­ta­len Anstieg" des land­wirt­schaft­li­chen Was­ser­ver­brauchs ver­ur­sacht hat.

Sei­ner Mei­nung nach ver­füg­ten die meis­ten Golf­plät­ze bereits über "hoch­mo­der­ne Bewäs­se­rungs­sys­te­me", die es ihnen ermög­li­chen, "kei­nen ein­zi­gen Trop­fen Was­ser zu ver­schwen­den, der nicht abso­lut not­wen­dig ist". Bei den Golf­platz­eig­nern han­de­le sich aus­nahms­los um Unter­neh­men, "die ren­ta­bel arbei­ten müs­sen und daher kein Inter­es­se dar­an haben, Geld für zusätz­li­che Strom- oder Was­ser­rech­nun­gen aus­zu­ge­ben, wenn dies nicht not­wen­dig ist", sag­te er gegen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Lusa.

Wei­ter erklär­te er, dass nur ein "win­zi­ger Teil" des Golf­sek­tors sei­ne Bewäs­se­rungs­prak­ti­ken ver­bes­sern muss. "Die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit, ins­be­son­de­re an der Algar­ve, wo das Pro­blem des Was­ser­man­gels grö­ßer ist, ver­fügt bereits über sehr gute Be- und Ent­wäs­se­rungs­sys­te­me (…) Der Was­ser­ver­brauch wird auf ein Mini­mum reduziert".

Ein zusätz­li­ches Argu­ment: "Die Golf­plät­ze an der Algar­ve ver­brau­chen nur 6,4 Pro­zent des gesam­ten Was­ser­ver­brauchs in der Regi­on. Der Sek­tor, der am meis­ten Was­ser ver­braucht, ist die Land­wirt­schaft mit fast 57 Pro­zent, gefolgt vom städ­ti­schen Ver­brauch mit 28,6 Prozent".

Dar­über hin­aus, so de Sou­sa, sei es auch wich­tig, die wirt­schaft­li­che Bedeu­tung des Golf­sports in der Regi­on zu beach­ten. "Der Golf­sport macht etwa 13 % der Brut­to­wert­schöp­fung an der Algar­ve aus, was sich in einem direk­ten Ein­fluss von 500 Mil­lio­nen Euro auf die Wirt­schaft der Regi­on nie­der­schlägt. Er schafft rund 17.000 Arbeits­plät­ze, die dank des gesam­ten Golf-Öko­sys­tems das gan­ze Jahr über erhal­ten blei­ben, und er beschäf­tigt direkt 2.000 Menschen".

Die­sen Zah­len stellt er die Land­wirt­schaft gegen­über, die "nur 3 % der Brut­to­wert­schöp­fung der Regi­on aus­macht, d. h. etwa 115 Mil­lio­nen Euro ".  Gleich­zei­tig habe es im Bereich der Land­wirt­schaft zwi­schen 2012 und 2017 ein bru­ta­les Wachs­tum in der Grö­ßen­ord­nung von 50 % gege­ben, bei dem ver­schie­de­ne Pro­jek­te und Kul­tu­ren – wie z.B. Avo­ca­do-Plan­ta­gen – geneh­migt wur­den, die einen hohen Was­ser­ver­brauch erfor­dern – obwohl es kein Was­ser gibt".

Abschlie­ßend for­der­te der Golf­funk­tio­när die Regie­rung auf, kei­ne Sün­den­bö­cke für den Was­ser­man­gel zu suchen, son­dern statt­des­sen akti­ver in die Sanie­rung von Däm­men, Bewäs­se­rungs­sys­te­men sowie in den Bau von Klär­an­la­gen oder Ent­sal­zungs­an­la­gen zu inves­tie­ren. „Allein die Was­ser­ver­lus­te in den öffent­li­chen Ver­sor­gungs­net­zen wür­den aus­rei­chen, um 400 bis 500 Golf­plät­ze zu bewäs­sern“, so de Sousa.

Susanne Tenzler-Heusler
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Susanne Tenzler-Heusler

Reise-Fan, Kommunikatorin mit großer Neugierde an Menschen, Natur und Gesellschaft - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaberin

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