Wird bald Gold in der Algar­ve gefördert?

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Nach­dem in Mit­tel- und Nord­por­tu­gal seit län­ge­rem hart um den Lithi­um-Abbau gestrit­ten wird, könn­te nun auch die Algar­ve vor ähn­li­chen Debat­ten ste­hen. Ana­ly­siert zumin­dest das Por­tal Sul Infor­ma­ção in einem län­ge­ren Bei­trag. Hin­ter­grund ist ein Antrag des Unter­neh­mens Emi­sur­min Uni­pes­so­al auf Pro­spek­ti­on und Explo­ra­ti­ons­rech­te für "Mine­ral­vor­kom­men von Gold, Sil­ber, Kup­fer, Blei, Zink und damit ver­bun­de­nen Erzen" in den Gemein­den Alcou­tim und Cas­tro Marim. Die Frist zur öffent­li­chen Kon­sul­ta­ti­on ende­te am 29. April. Auf dem Por­tal Par­ti­ci­pa kann man alle Unter­la­gen einsehen.

Der Antrag bezieht sich auf ein Gebiet von 494 Qua­drat­ki­lo­me­tern in den Gemein­den Alcou­tim und Perei­ro, Mar­tim Lon­go und Vaquei­ros (Alcou­tim) sowie Azinhal und Ode­lei­te (Cas­tro Marim). Er ist zunächst kein Antrag für den direk­ten Abbau, könn­te aber die Tür zum Berg­bau öff­nen, wenn Mine­ra­li­en mit "beson­de­rem Inter­es­se für die natio­na­le oder regio­na­le Wirt­schaft" ent­deckt wer­den – befürch­ten zumin­dest Kri­ti­ker des Vor­ha­bens. Nach ihrer Ansicht wirft die­ser Antrag meh­re­re Fra­gen auf, sowohl auf der Ebe­ne der loka­len Wirt­schaft als auch auf der Ebe­ne der Umwelt, des Kul­tur­er­bes, der Kul­tur und der Gesellschaft.

Die Stadt­ver­wal­tung von Alcou­tim, die laut Gesetz vor­ab kon­sul­tiert wer­den muss­te, stellt in ihrer tech­ni­schen Stel­lung­nah­me fest, dass "das Erkun­dungs­po­ly­gon städ­ti­sche Besied­lungs­zo­nen, archäo­lo­gi­sche Stät­ten und ande­re Gebie­te umfasst, in denen es zu Beein­träch­ti­gun­gen mensch­li­cher Akti­vi­tä­ten und kul­tu­rel­ler und natür­li­cher Reich­tü­mer kom­men kann". "Je nach Stand­ort des Ein­griffs könn­te er die Lebens­qua­li­tät der Ein­woh­ner beein­träch­ti­gen, die poten­zi­el­le tou­ris­ti­sche, sozia­le und land­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät des Gebiets beein­träch­ti­gen sowie mög­li­che land‑, forst- und agro­forst­wirt­schaft­li­che Gebie­te schä­di­gen", so die Gemein­de. Den­noch sieht die Gemein­de "kei­ne Schwie­rig­kei­ten" bei der Geneh­mi­gung des Antrags, "vor­aus­ge­setzt, dass alle gel­ten­den Gebiets­plä­ne ein­ge­hal­ten wer­den, ein­schließ­lich aller spe­zi­fi­schen Beschrän­kun­gen des Explorationsgebiets".

Auch ande­re Stel­len wie die por­tu­gie­si­sche Umwelt­agen­tur APA und die Kom­mis­si­on für Koor­di­nie­rung und regio­na­le Ent­wick­lung haben der Geneh­mi­gung des Antrags kei­ne Hin­der­nis­se ent­ge­gen­ge­setzt, sofern die von ihnen in ihren Stel­lung­nah­men genann­ten Ein­schrän­kun­gen beach­tet wer­den. In ihrer Stel­lung­nah­me weist die APA dar­auf hin, dass "bei der Fest­le­gung der Stand­or­te für die Schür­fung die mit den Ober­flä­chen­was­ser­res­sour­cen ver­bun­de­nen Was­ser­quel­len, d.h. das Ein­zugs­ge­biet des Ode­lei­te-Stau­sees, geschützt wer­den sollten".

Stau­see Ode­lei­te – künf­tig durch Berg­bau gefährdet?

Schar­fe Kri­tik vom Umweltverband

Schärfs­ter Kri­ti­ker des Vor­ha­bens ist der Umwelt­ver­band der Algar­ve Almar­gem. Er weist auf meh­re­re Grün­de hin, war­um er mit der Ver­ga­be der Lizenz nicht ein­ver­stan­den ist, vor allem auf die Tat­sa­che, dass es Gebie­te gibt, die durch Kon­ven­tio­nen und natio­na­le und inter­na­tio­na­le Rechts­vor­schrif­ten zum Schutz der Natur, aber auch im Zusam­men­hang mit den Was­ser­res­sour­cen und nega­ti­ven wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen geschützt sind. In einer auf der Almar­gem-Web­site ver­öf­fent­lich­ten Erklä­rung führt der Ver­band die "stich­hal­tigs­ten Grün­de" gegen die Pro­spek­ti­on an, von denen der ers­te dar­in besteht, dass laut Gesetz "die Explo­ra­ti­ons­rech­te an das Unter­neh­men über­tra­gen wer­den, wenn in der Pro­spek­ti­on Mine­ra­li­en ent­deckt wer­den". "Daher kann sich die Bewer­tung der Aus­wir­kun­gen die­ses Pro­jekts nicht auf das Pro­spek­ti­ons­pro­jekt beschrän­ken, son­dern muss auch die Aus­wir­kun­gen einer mehr als wahr­schein­li­chen Abbaus ein­be­zie­hen“ heißt es.

Außer­dem, so die Ver­ei­ni­gung, umfasst das Gebiet, in dem die Pro­jek­te durch­ge­führt wer­den – "das sich fast voll­stän­dig auf den Bezirk Alcou­tim und einen Teil des Bezirks Cas­tro Marim erstreckt – Gebie­te, die als natio­na­le öko­lo­gi­sche Schutz­ge­bie­te, RAM­SAR-Gebie­te, beson­de­re Schutz­ge­bie­te und natür­li­che und halb­na­tür­li­che Lebens­räu­me des Sek­tor­plans für das Natu­ra-2000-Netz ein­ge­stuft sind".
"In die­sem Gebiet fin­det auch die Wie­der­an­sied­lung des ibe­ri­schen Luch­ses statt, erheb­li­che Ver­än­de­run­gen in die­sem Gebiet könn­ten die idea­len Bedin­gun­gen für sei­ne Fort­pflan­zung und sein Über­le­ben gefähr­den“, so Almargem.
Die "Wahr­schein­lich­keit phy­si­scher Ver­än­de­run­gen des Stand­orts, ins­be­son­de­re der Topo­gra­phie, der Boden­nut­zung und der Ver­än­de­rung der Gewäs­ser" ist ein wei­te­rer Grund, der ange­führt wird, wobei klar­ge­stellt wird, dass das Pro­jekt "das hydro­gra­phi­sche Ein­zugs­ge­biet des Ode­lei­te-Stroms über­schnei­det, das den Stau­see des Ode­lei­te-Stau­damms und den Fou­pa­na-Strom umfasst".

Schließ­lich wer­den "nega­ti­ve wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen auf bestehen­de Tou­ris­mus- und Land­wirt­schafts­pro­jek­te in dem Gebiet, in das ein­ge­grif­fen wer­den soll, erwar­tet". "Die in den letz­ten Jah­ren getä­tig­ten Inves­ti­tio­nen in den Natur­tou­ris­mus als Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­mal mit Schwer­punkt auf der Ein­rich­tung eines aus­ge­dehn­ten Net­zes von Wan­der­we­gen, wer­den dadurch gefähr­det, was die nor­ma­le Wirt­schafts­tä­tig­keit der tou­ris­ti­schen Unter­hal­tungs­be­trie­be, der Beher­ber­gung und des Gast­stät­ten­ge­wer­bes in Fra­ge stellt", meint der Verband.

Tipp: Seit dem Stein­zeit­al­ter wird in der Algar­ve nach­weis­bar Berg­bau betrie­ben. Vor allem im Gebiet west­lich von Alcou­tim fin­den sich vie­le archäo­lo­gi­sche Schät­ze aus der Stein­zeit, der Kup­fer- und Bron­ze­zeit und nicht zuletzt auch aus der Zeit der römi­schen Beset­zung, die auf eine inten­si­ve Berg­bau­tä­tig­keit in allen Epo­chen bis ins 19. Jahr­hun­dert hin­wie­sen. Zu erfah­ren im Berg­bau­park Cova dos Mou­ros im Dorf Vaqueiros.

Susanne Tenzler-Heusler
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Susanne Tenzler-Heusler

Reise-Fan, Kommunikatorin mit großer Neugierde an Menschen, Natur und Gesellschaft - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaberin

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