Lesetipp: „Tödliche Algarve“ von Carolina Conrad / Die Autorin im Interview


Mach mit: Tei­le die­sen Bei­trag mit Freun­den!

Sie hat es wie­der getan! Caro­li­na Con­rad, ali­as Bet­ti­na Has­kamp, schafft es auch in ihrem drit­ten Band ihrer Best­sel­ler-Algar­ve-Kri­mi-Rei­he (Roh­wolt 2020), sowohl Span­nung und Gän­se­h­aut­mo­men­te zu erzeu­gen und gleich­zei­tig die Algar­ve, die Natur, die Men­schen, die Atmo­sphä­re zum Leben zu erwe­cken. Mit einer genau­en Algar­ve-Kar­te am Anfang und einem klei­nen Regis­ter mit ver­wen­de­ten por­tu­gie­si­schen Sprich­wör­tern und Rede­wen­dun­gen am Ende des Buches ist der 330 Sei­ten lan­ge Kri­mi DAS per­fek­te Som­mer-Buch mit einer guten Por­ti­on Urlaubs­stim­mung. Wir waren jeden­falls ganz begeis­tert von „Töd­li­che Algar­ve“.

Und worum geht es?

Auf einem uralten Pil­ger­weg ver­schwin­den inner­halb kur­zer Zeit drei Wan­de­rer. Für Chef­inspek­tor João Almei­da beson­ders hei­kel: Eine der Ver­miss­ten ist sei­ne Halb­schwes­ter Lilia­na. Dann wird eine Lei­che gefun­den, von Wild­schwei­nen ver­stüm­melt. Doch es ist nicht Lilia­na. Almei­da über­nimmt die Ermitt­lun­gen, bekommt aber einen Maul­korb. Um den Tou­ris­mus in der Regi­on nicht zu gefähr­den, heißt die Devi­se: Kein Wort von Mord. Er bit­tet sei­ne Freun­din, die deut­sche Jour­na­lis­tin Ana­be­la Sil­va, um Unter­stüt­zung. Nicht ahnend, dass sie so ins Visier eines kalt­blü­ti­gen Mör­ders gerät. Hier geht es zur Les­pro­be.

 

Ich bin schwer beein­druckt von der Gelas­sen­heit und Dis­zi­plin der Por­tu­gie­sin­nen und Por­tu­gie­sen in der Kri­se.

 

"Algar­ve für Ent­de­cker" war mit der Autorin im Gespräch – u.a. über die letz­ten (Corona)Wochen, wie die Geschich­ten zu ihr kom­men und ihre Lie­be zur Algar­ve. Und eine gute Nach­richt gibt es auch: Bet­ti­na arbei­tet bereits an Ana­be­la Sil­va Band Num­mer 4. 😊

 

AE: Was für ein auf­re­gen­des ers­tes Halb­jahr. Wie ist es Dir in den letz­ten 12 Wochen, seit Beginn der Coro­na-Kri­se, ergan­gen und wie und wo hast Du die­se Zeit ver­bracht? 

B.H.: Ja, in der Tat, das war ein beson­de­res ers­tes Halb­jahr … für mich auch des­halb, weil ich die ers­ten drei Mona­te vor allem im Büro ver­bracht habe, um „Töd­li­che Algar­ve“ unter hohem Druck fer­tig zu schrei­ben. Sechs, zum Schluss sie­ben Tage die Woche. Und als ich dann end­lich fer­tig war, mich dar­auf gefreut habe, wie­der Freun­din­nen und Freun­de zu tref­fen, mal schön essen zu gehen und mit mei­nem Mann eine klei­ne Rei­se nach Mar­vão zu machen – als Beloh­nung nach dem Stress – da ging gar nichts davon. Die Fahrt nach Mar­vão – abge­sagt. Freun­de sehen – ging nicht. Natür­lich sind wir in brav Hau­se geblie­ben, haben die nötigs­ten Ein­käu­fe im klei­nen Super­markt in Alcou­tim erle­digt (von Anfang an mit Mas­ke) und ich selbst habe viel tele­fo­niert, manch­mal stun­den­lang. Wir haben uns sehr schnell an das ande­re Leben gewöhnt (für mich war es wegen der vor­an­ge­gan­ge­nen „Büro-Qua­ran­tä­ne“ kei­ne sehr gro­ße Ver­än­de­rung) und uns bewusst gemacht, wie gut wir es haben. Wir waren nicht in einer klei­nen Woh­nung eige­sperrt, konn­ten drau­ßen im eige­nen Gar­ten sein, ohne uns oder ande­re zu gefähr­den. Und zum gro­ßen Glück gab und gibt es in unse­rem Con­cel­ho kei­nen ein­zi­gen Coro­na-Fall.

Glücks­ge­füh­le beim Schrei­ben. Foto: Autorin

 

AE: Hast Du etwas Neu­es über Dich und Dei­ne Mit­men­schen gelernt? Wenn ja, was?

B.H.: Ich war und bin schwer beein­druckt von der Gelas­sen­heit und Dis­zi­plin, mit der die Por­tu­gie­sin­nen und Por­tu­gie­sen der Kri­se begeg­net sind. Kei­ne Unfreund­lich­keit, kein böses Wort beim War­ten vor der Apo­the­ke oder vor dem Super­markt, viel Lächeln und net­te Wor­te auf Abstand. Die Men­ta­li­tät der Men­schen hier war schon immer einer der Grün­de, war­um ich so gern in Por­tu­gal bin. Das hat sich noch ein­mal bestä­tigt.

AE: Vie­le Leser kön­nen es kaum erwar­ten: Dein neu­es Buch erscheint am 16. Juni. Eigent­lich ein ganz guter Zeit­punkt: Die Gren­zen öff­nen wie­der, die Buch­hand­lun­gen haben wie­der geöff­net, die Buch­mes­se wird statt­fin­den und – die Men­schen seh­nen sich nach frem­den Wel­ten, guten Geschich­ten und dem Urlaubs­fee­ling. Oder wie siehst Du das?

B.H.: Jetzt freue ich mich natür­lich über die Locke­run­gen, darf wie­der mit Freun­den am Gua­dia­na sit­zen und einen Café oder ein Glas Wein trin­ken – wun­der­bar! Und wun­der­bar ist natür­lich auch, dass die Buch­lä­den in Deutsch­land wie­der offen sind. Ich hat­te durch­aus Sor­ge, ins „Coro­na-Loch“ zu fal­len. Und ja, ich den­ke schon, dass Mit­te Juni auch des­halb ein glück­li­ches Erschei­nungs­da­tum ist, weil vie­le Men­schen Sehn­sucht nach der Algar­ve haben, aber noch nicht wie­der her­kom­men kön­nen. Da ist Rei­sen im Kopf eine gute Alter­na­ti­ve. Natür­lich hof­fe ich, dass ich vie­le Por­tu­gal-Fans mit auf die Rei­se durch die Ost­algar­ve neh­men kann und mein Mix aus Lokal­ko­lo­rit, Span­nung und lebens­ech­ten Figu­ren auch dies­mal gelun­gen ist. In „Töd­li­che Algar­ve“ steckt viel Arbeit, ich habe etwa acht Mona­te dar­an gear­bei­tet, klar, dass ich mir vie­le Lese­rin­nen und Leser wün­sche.

AE: Wie kom­men die Geschich­ten zu Dir und Du zu den Geschich­ten? 😊 Wer und was hat Dich z.B. bei dem neu­es­ten Kri­mi inspi­riert?

B.H.: Die Fra­ge nach der Idee … das ist jedes Mal anders. Es kann etwas sein, das ich hier erle­be, wie beim ers­ten Band. Da hat mich die wüten­de Reak­ti­on einer Nach­ba­rin auf den Tod ihres Man­nes auf die Geschich­te gebracht. Beim zwei­ten Band hat­te ich plötz­lich eine Sze­ne im Kopf – den Tod einer Frau im eige­nen Pfer­de­stall. Woher die­ses Bild kam? Ich weiß es nicht. Aber das The­ma Tier­schutz in Por­tu­gal beschäf­tigt mich, seit ich zum ers­ten Mal hier­her kam, übri­gens 1998. Bei „Töd­li­che Algar­ve“ woll­te ich gern die Via Algar­via­na zum Schau­platz machen und gleich­zei­tig mei­nem Chef­inspek­tor Joao Almei­da mehr Raum geben als bis­her.

Übri­gens pla­ne ich gera­de einen News­let­ter, in dem ich Lese­rin­nen und Leser das Ent­ste­hen mei­nes nächs­ten Romans mit­er­le­ben las­se. Es han­delt sich um ein Mit­glied­schafts­pro­jekt bei Steady und ich hof­fe, dass ich es sehr bald rea­li­sie­ren kann. Die ers­te Fol­ge von „(M)ein Roman ent­steht“, ist bereits geschrie­ben. Was natür­lich auch bedeu­tet, dass ich tat­säch­lich schon in der Ideen­fin­dung und Pla­nung für Ana­be­la Sil­va Band 4 bin.

Mehr als Kri­mis. Das Oeu­vre der Autorin hat vie­le Facet­ten. Foto: Bet­ti­na Has­kamp

 

AE: Wo kann man Dich hier bei Lesun­gen live erle­ben?

Lesun­gen wird es wohl erst im Herbst oder Dezem­ber geben – unter ande­rem bei den Ori­en­tal-Talks in Por­ti­mão und in der deut­schen Buch­hand­lung von Gun­nar Weiss Lda. in Lis­sa­bon (bei der man auch mei­ne Bücher bestel­len kann). Ob ich hier in der Ost­algar­ve lesen wer­de, steht noch nicht fest. Im Moment ist es mir noch zu früh für Pla­nun­gen von Ver­an­stal­tun­gen.

AE: Viel­leicht noch ein paar Fra­ge zu Dei­ner Wahl­hei­mat, der Algar­ve. Was fas­zi­niert Dich an die­sem Land­strich?

B.H.: War­um bin ich in der Algar­ve? Hier ist mei­ne Stim­mung hell – so hell, wie das Licht, das mich umgibt. Hier flie­ßen die Gedan­ken leich­ter, bin ich in wun­der­schö­ner Natur und arbei­te in völ­li­ger Ruhe. Die herr­li­chen Sand­strän­de sind nur eine hal­be Stun­de ent­fernt, Tavi­ra, mei­ne Lieb­lings­stadt, ist auch nicht weit und ich lebe in mei­nem klei­nen Dorf, abseits der Tou­ris­ten­strö­me, mit­ten­drin in der Natur. Ich kann mich nicht satt­se­hen an der Land­schaft im Hin­ter­land, selbst im Hoch­som­mer, wenn die bren­nen­de Son­ne die Umge­bung in eine sepia­far­be­ne Post­kar­te ver­wan­delt. Kaum zu beschrei­ben mein Glück­ge­fühl, wenn dann – nach dem ersehn­ten Regen – im Herbst das ers­te fri­sche Grün erscheint, die Wild­blu­men zu sprie­ßen begin­nen und die Braun­tö­ne für ein paar Mona­te Geschich­te sind. Mit ande­ren Wor­ten: Ich bin in mei­nem Her­zens­land. In Por­tu­gal. In der Algar­ve.

AE: Was wünscht Du der Algarve/ Por­tu­gal – gera­de jetzt in der Coro­na-Kri­se?

B.H.: Und für mein Her­zens­land wün­sche ich mir schnel­le wirt­schaft­li­che Erho­lung, mög­lichst nach­hal­tig. Gera­de hier bei uns fehlt es an gut bezahl­ten Arbeits­plät­zen und ich sehe dem Aus­ster­ben gan­zer Dör­fer mit Trau­er zu. Ich habe kei­ne Lösun­gen parat, wün­sche aber den­je­ni­gen Erfolg, die sie suchen und hof­fent­lich fin­den.

 

Über die Autorin:

Caro­li­na Con­rad ist das Pseud­onym der aus dem nie­der­säch­si­schen Olden­burg stam­men­den Autorin Bet­ti­na Has­kamp. Die gelern­te Jour­na­lis­tin hat ihre Basis in Ham­burg, lebt aber seit mehr als zwölf Jah­ren in Por­tu­gal. Anfangs auf einem selbst­ge­bau­ten Segel­boot, inzwi­schen in einem klei­nen Holz­haus im Hin­ter­land der Ost­algar­ve. In der zwei­ten Hei­mat ent­stan­den Best­sel­ler wie «Alles wegen Wer­ner» und «Hart aber Hil­de» und ihre Por­tu­gal-Kri­mi­rei­he um Jour­na­lis­tin Ana­be­la Sil­va.

 

 

Susanne Tenzler-Heusler
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Susanne Tenzler-Heusler

Reise-Fan, Kommunikatorin mit großer Neugierde an Menschen, Natur und Gesellschaft - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaberin

Ein Gedanke zu „Lesetipp: „Tödliche Algarve“ von Carolina Conrad / Die Autorin im Interview

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    8. Juni 2020 um 09:25
    Permalink

    Den Wor­ten der Autorin kann ich mich anschlie­ßen.
    Seit nun­mehr 20 Jah­ren berei­sen wir die Algar­ve und waren vom ers­ten Besuch an von der Men­ta­li­tät der Men­schen begeis­tert.
    Mitt­ler­wei­le im Ren­ten­al­ter erwä­gen wir ernst­haft noch einen Umzug in die­se fas­zi­nie­ren­de Regi­on.

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