Portugal: Tankwagenfahrer-Streik löst Ansturm auf Zapfsäulen aus

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Mit­ten in der Urlaubs­sai­son macht sich ganz Por­tu­gal auf einen unbe­fris­te­ten Tank­wa­gen­fah­rer-Streik gefasst, der am Mon­tag, den 12. August, begin­nen soll. Im wich­tigs­ten Tou­ris­mus­ge­biet – der Algar­ve – und andern­orts hat der bereits ein­set­zen­de Ansturm auf die Tank­stel­len zu ers­ten Eng­päs­sen geführt.

Bei einer Abstim­mung am Sams­tag will die klei­ne Gewerk­schaft SMMP ent­schei­den, ob sie den seit Wochen ange­kün­dig­ten Aus­stand tat­säch­lich durch­führt oder – wie von den Arbeit­ge­bern gefor­dert – an den Ver­hand­lungs­tisch zurück­kehrt. Die Fron­ten in der Tarif­aus­ein­an­der­set­zung mit dem Spe­di­teurs­ver­band ANTRAM schei­nen ver­här­tet. Ein kur­zer Streik der Gefahr­gut-Fah­rer hat­te das Land bereits vor Ostern an den Rand der Läh­mung gebracht.

 

Ein Ansturm auf die Tank­stel­len wegen des für Mon­tag ange­kün­dig­ten Tank­wa­gen­fah­rer-Streiks war schon am Mitt­woch­abend zu ver­zeich­nen. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Wegen Tankwagenfahrer-Streik vorsorglich Energie-Notstand ausgerufen

 

Zwei Mona­te vor den Par­la­ments­wah­len rief die Regie­rung in Lis­sa­bon am Frei­tag vor­sorg­lich den „Ener­gie-Not­stand“ aus – wegen der beson­de­ren Bedeu­tung des Ver­kehrs­sek­tors und ange­sichts vie­ler Tou­ris­ten im Land. Die Rege­lung gilt von Mit­ter­nacht bis zum 21. August.

Per Ver­ord­nung hob das Kabi­nett die Wer­te für die Min­dest­ver­sor­gung mit Kraft­stof­fen im Lan­de an. Flug­hä­fen und See­hä­fen, Poli­zei, Streit­kräf­te Feu­er­wehr und Kran­ken­häu­ser müs­sen nun zu 100 Pro­zent ver­sorgt wer­den, öffent­li­che Ver­kehrs­be­trie­be und die Ver­tei­ler von Grund­nah­rungs­mit­teln zu 75 Pro­zent. Für sons­ti­ge Trans­port­dienst­leis­ter und Tank­stel­len gilt eine Mini­mal­ver­sor­gung mit 50 Pro­zent der übli­chen Treib­stoff-Men­gen. Eine Kla­ge der Gewerk­schaft gegen die Erhö­hung der vor­ge­schrie­be­nen Min­dest­leis­tun­gen schei­ter­te am Frei­tag vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Lis­sa­bon. Die Arbeit­neh­mer-Ver­tre­tung will dage­gen Beru­fung ein­le­gen, wie sie am Frei­tag­nach­mit­tag mit­teil­te.

 

Auch bei Tankwagenfahrer-Streik wird Mindestversorgung gesichert

 

Soll­ten Gewerk­schaf­ten und Arbeit­ge­ber die Min­dest­ver­sor­gung nicht gewähr­leis­ten kön­nen oder wol­len, ste­hen spe­zi­ell trai­nier­te Sol­da­ten für die Be- und Ent­la­dung sowie das Steu­ern von Tank­wa­gen bereit. Die Regie­rung will nach Aus­sa­gen von Arbeits­mi­nis­ter Viei­ra da Sil­va mög­lichst ohne die staat­li­che Requi­rie­rung von pri­va­ten Fahr­zeu­gen für die Treib­stoff­ver­sor­gung aus­kom­men, schloss die­se aber aus­drück­lich auch nicht aus.

Der Arbeits­mi­nis­ter ver­si­cher­te, dass die Regie­rung am Wochen­en­de "stän­dig ver­füg­bar" sei, um im Kon­flikt zwi­schen den Fah­rern und Spe­di­teu­ren zu ver­mit­teln. Die Regie­rung sei der Ansicht, dass "es not­wen­dig ist, dass die Par­tei­en dem por­tu­gie­si­schen Volk zuhö­ren".

 

Regierung hat das Land für den Tankwagenfahrer-Streik gerüstet

 

Bereits in den ver­gan­ge­nen Tagen hat­ten sich vie­le Auto­fah­rer an den Tank­stel­len mit Ben­zin und Die­sel ein­ge­deckt. Die Mine­ral­öl­ge­sell­schaf­ten spra­chen von Mehr­um­sät­zen von rund 30 Pro­zent. Wir berich­te­ten ges­tern dar­über in unse­rem Bei­trag „Wegen Streiks: Tank-Tipps für Algar­ve-Fah­rer“.

Über das ein­ge­rich­te­te Netz der Not­fall-Tank­stel­len (REPA und REPA-SOS), die auch bei einem Streik auf jeden Fall belie­fert wer­den müs­sen, kön­nen Sie sich auf der Web­sei­te der natio­na­len Behör­de für den Ener­gie-Sek­tor (ENSE) infor­mie­ren. Kli­cken Sie dort auf den Men­u­punkt Rede de Emer­gên­ci­as und hier auf das pdf-Doku­ment Postos de Abas­te­ci­ment­os Exclu­si­v­os e Não Exclu­si­v­os. Sie kön­nen dort die 22 Algar­ve-Tank­stel­len fin­den, über die wir bereits mehr­fach berich­tet haben, zuletzt in unse­rem oben ver­link­ten Bei­trag mit den Tank-Tipps für Algar­ve-Fah­rer.
Tankwagenfahrer-Streik lässt viele Benzin und Diesel auf Vorrat tanken
Zapf­pis­to­le auf den Tank­stut­zen gesetzt: Vie­le Auto­fah­rer in Por­tu­gal haben sich schon vor Streik­be­ginn auf Treib­stoff-Eng­päs­se ein­ge­stellt und das "Hams­ter-Tan­ken" begon­nen. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Tankwagenfahrer-Streik dreht sich um Forderung nach 900 Euro Monatslohn ab 2022

 

In der Tarif­aus­ein­an­der­set­zung geht es um im Früh­jahr zwi­schen den Par­tei­en ver­ein­bar­te Lohn­er­hö­hun­gen ab 2020 – von bis­her 630 auf 700 Euro. Durch Zula­gen erhöht sich der Monats­lohn für Gefahr­gut-Fah­rer in Por­tu­gal meist auf 1.100 Euro. Bis 2022 ver­langt deren Gewerk­schaft nun eine wei­te­re Erhö­hung des Grund­lohns auf 900 Euro. Das lehnt der Spe­di­teurs­ver­band ANTRAM aber ab.

Por­tu­gals größ­te Gewerk­schaft der Lkw-Fah­rer, die dem Dach­ver­band CGTP ange­hört, betei­lig­te sich an den Streik­auf­ru­fen nicht, son­dern ver­han­delt wei­ter. Meh­re­re Gewerk­schafts- und zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen haben unter­des­sen ein Mani­fest der Soli­da­ri­tät mit den Fah­rern von Gefahr­gü­tern unter­zeich­net. Kri­ti­siert wer­den dar­in die nied­ri­gen Löh­ne und dass die Regie­rung das Streik­recht – so wört­lich – „gewalt­sam angreift".

 

Tankwagenfahrer-Streik wirkt sich vor Beginn schon aus – auch an der Algarve

 

An der Algar­ve ging durch Ein­woh­ner und Tou­ris­ten, die sich recht­zei­tig vor Streik­be­ginn bevor­ra­ten woll­ten, bereits eini­gen Tank­stel­len der Treib­stoff aus. Meist ist der Die­sel knapp, auch Ben­zin steht nicht unein­ge­schränkt über­all zur Ver­fü­gung. Es gibt zum Teil län­ge­re War­te­zei­ten an den Zapf­säu­len. Auf den Stra­ßen, vor allem der Natio­nal­stra­ße N 125, kommt es bereits zu Staus durch Autos, die sich in die War­te­schlan­gen vor Tank­stel­len ein­rei­hen. Auch die Tank­stel­len auf der Auto­bahn A 22 wer­den stär­ker als nor­mal genutzt.

Eine Inter­net­sei­te infor­miert durch Anga­ben der Com­mu­ni­ty „Já Não pode Para Abas­te­cer“, wel­che Tank­stel­len bereits wel­chen Sprit nicht mehr lie­fern kön­nen.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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