Luxusvillen-Versteigerung wie russisches Roulette?

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Die teu­ers­te Luxus-Vil­la der Algar­ve ohne Min­dest­ge­bot online erstei­gern kön­nen – ist das eine seriö­se Chan­ce, an ein Traum­haus zu kom­men oder ist die Luxus­vil­len-Ver­stei­ge­rung haupt­säch­lich Mar­ke­ting-Gag des Ver­käu­fers bzw. Ver­mitt­lers?

 

Versteigerung von teuerster Luxus-Villa der Algarve findet online statt - ohne Mindestgebot
So zeigt der Auk­tio­na­tor das Objekt auf sei­ner Web­sei­te an. Foto: Con­cier­ge Auc­tions

 

Wer jetzt viel­leicht denkt, er brau­che nur ein paar hun­dert, tau­send oder zehn­tau­send Euro zu bie­ten und kön­ne dann mit etwas Glück und zu einem Schnäpp­chen-Preis Besit­zer eines hoch­wer­ti­gen Anwe­sens wer­den, wie es die Schö­nen und Rei­chen besit­zen, irrt sich: Um bei der Auk­ti­on mit­ma­chen zu kön­nen, muss­ten zunächst 100.000 Euro Kau­ti­on ein­ge­zahlt wer­den. Und wenn der Höchst­bie­ten­de den Zuschlag erhält, sind zehn Pro­zent des Kauf­prei­ses als Gebühr fäl­lig, min­des­tens aber 250.000 Euro.

 

Versteigerung: 100.000 Euro Kaution, aber kein Mindestgebot

 

„Ich begrü­ße neue Mar­ke­ting-Ide­en in unse­rem Sek­tor. Wenn aber ein Ver­stei­ge­rer kein Min­dest­ge­bot ver­langt, kann das Gan­ze doch wie rus­si­sches Rou­let­te aus­ge­hen“, sagt dazu ein Immo­bi­li­en­mak­ler, der im so genann­ten Gol­de­nen Drei­eck – also zwi­schen Alman­cil, Quin­ta do Lago und Vale do Lobo – ver­mö­gen­de Inves­to­ren berät. Auch eine Kol­le­gin pflich­tet ihm bei und hält mit ihrer kla­ren Mei­nung nicht hin­term Berg: „Das ist doch total unse­ri­ös!“.

 

Versteigerung verschafft Zugang zu Luxus-Villa San Lorenzo an der Algarve
Der Höchst­bie­ten­de wird Zugang zur Luxus-Vil­la San Loren­zo bekom­men, die als "Vil­la Bal­ly­b­u­ni­on" fir­miert. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Bei­de spre­chen von dem Auf­se­hen erre­gen­den Ver­such eines US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­mens, das hoch­prei­sigs­te Objekt an der Süd­küs­te Por­tu­gals per Auk­ti­on an den Käu­fer zu brin­gen. Algar­ve für Ent­de­cker berich­te­te dar­über in sei­nem Arti­kel „Algar­ve: Teu­ers­te Luxus-Vil­la im Inter­net zu erstei­gern“.

Eine deut­sche Immo­bi­li­en-Fach­frau aus dem Rhein-Main-Gebiet sag­te uns: „Zum Bie­ter­ver­fah­ren greift man, um einen letz­ten Ver­such zu star­ten, eine Immo­bi­lie ‚an den Mann‘ zu brin­gen“. Die­se Metho­de las­se erken­nen, dass die Immo­bi­lie zu teu­er ange­bo­ten wer­de. Ihr Vor­schlag: Zunächst nach den „guten alten Regeln der Bewer­tung“ den rea­lis­ti­schen Preis fin­den und erst dann an den Markt gehen – statt zu den­ken: ‚Ein Dum­mer wird schon kom­men, der kauft!‘

 

Kaufpreisvorstellung vor Versteigerung lag bei 20 Millionen Euro

 

Mit 20 Mil­lio­nen Euro soll die Luxus-Immo­bi­lie an der Rua Tejo 21 im Resort Quin­ta do Lago bei Alman­cil zuletzt bewer­tet gewe­sen sein, gibt Con­cier­ge Auc­tions auf sei­ner Inter­net­sei­te an. Als Eigen­tü­mer ist eine „Dela­ware LLC“ ange­ben. Dem Ver­neh­men nach soll es sich nicht um eine Off­shore-Gesell­schaft, son­dern einen pri­va­ten Eigen­tü­mer han­deln.

 

Versteigerung von teuerster Luxus-Villa an der Algarve mit riesigem Mehrzweckraum
Mehr­zweck­raum in der Luxus-Vil­la San Loren­zo. Foto: Con­cier­ge Auc­tions

 

„Real schät­ze ich den Wert nur mit etwa sie­ben Mil­lio­nen Euro ein“, befin­det ein wei­te­rer Ken­ner des Objekts, den wir befra­gen, der aber eben­falls unge­nannt sein möch­te. Schließ­lich müs­se man die Vil­la Loren­zo, die an ihrem Ein­gangs­tor den Namen „Vil­la Bal­ly­b­u­ni­on“ pran­gen hat, mit ande­ren hoch­prei­si­gen Immo­bi­li­en vor Ort ver­glei­chen. „Kürz­lich woll­te ein Ire hier sein wun­der­schö­nes Objekt für rund 14 Mil­lio­nen Euro ver­kau­fen. Dem Ver­neh­men nach hat er es aber nur zu einem ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag los­wer­den kön­nen“, weiß einer der Mak­ler aus der Regi­on.

Der Fach­mann ist nicht der ein­zi­ge, von dem wir bei unse­ren Recher­chen hören, man habe „Bauch­weh“ – sowohl bei dem nach außen hin nicht trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren als auch bei der Preis­vor­stel­lung. „Wenn doch schon ein Chagall-Gemäl­de von einem inter­na­tio­na­len Auk­ti­ons­haus nie­mals ohne Min­dest­ge­bot ver­stei­gert wird und dies aus­schließ­lich in öffent­li­cher Sit­zung, soll­te das erst recht bei einer Luxus-Vil­la der Fall sein“, ver­langt der Kri­ti­ker. Und fügt hin­zu: „Für mich hat das ein Geschmäck­le!“

 

Wer bei Versteigerung Zuschlag erhält, muss tüchtig berappen

 

Eine Kol­le­gin von ihm wagt fol­gen­de Pro­gno­se: „Wer das hier erwirbt, wird weit­aus weni­ger zah­len als die frag­li­chen 20 Mil­lio­nen Euro, viel­leicht etwa sechs Mil­lio­nen“. Sie meint, die Preis­an­ga­be sei „eine abso­lu­te Luft­num­mer“. Zudem gel­te die Innen­ein­rich­tung des Objekts auf dem „tie­risch gro­ßen Grund­stück“ am Ran­de des Natur­parks Ria For­mo­sa für man­chen als zu „old fashio­ned“. Hier müs­se ein mög­li­cher Erwer­ber hohe Inves­ti­tio­nen ein­kal­ku­lie­ren.

 

Versteigerung von Luxus-Villa San Lorenzo an der Algarve übers Internet ohne Mindestgebot
Blick ins Inne­re der Luxus-Vil­la Loren­zo in Quin­ta do Lago an der Algar­ve. Foto: Con­cier­ge Auc­tions

 

Unter­des­sen scheint der ört­li­che Reprä­sen­tant von Con­cier­ge Auc­tions an der Algar­ve den einen oder ande­ren Immo­bi­li­en­mak­ler der Regi­on ange­spro­chen zu haben – in der Hoff­nung, dass die Ver­mitt­ler ihre ver­mö­gen­den Kun­den ani­mier­ten, sich noch als Bie­ter regis­trie­ren zu las­sen. Dafür win­ken den Mak­lern zwei Pro­zent Kom­mis­si­on.

Wer sich bis zum 6. Mai mit einem Eröff­nungs­an­ge­bot anmel­de­te, dem wur­de ein „Incen­ti­ve“ von zehn Pro­zent ange­bo­ten, so eine Infor­ma­ti­on, die „Algar­ve für Ent­de­cker“ vor­liegt. Das Incen­ti­ve soll die „Prä­mie“ von eben­falls zehn Pro­zent bzw. min­des­tens 250.000 Euro kom­pen­sie­ren, die der Käu­fer, der den Zuschlag erhält, zu zah­len hat. Wir spra­chen am 4. Mai die beuf­trag­te PR-Agen­tur des Auk­tio­na­tors an, um wei­te­re Aspek­te zu klä­ren und meh­re­re Fra­gen beant­wor­tet zu bekom­men. Bis zum Diens­tag­mit­tag, 7.5., gab es aber kei­ne Ant­wort von dort.

Die regis­trier­ten Bie­ter kön­nen ihre Offer­ten nun vom 8. Mai an abge­ben, ab 12 Uhr nord­ame­ri­ka­ni­scher Ost­küs­ten-Som­mer­zeit, also 18 Uhr mit­tel­eu­ro­päi­scher Som­mer­zeit.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

Ein Gedanke zu „Luxusvillen-Versteigerung wie russisches Roulette?

  • 12. Mai 2019 um 15:10
    Permalink

    Wer so etwas kauft, muß nicht ganz rich­tig im Kopf sein. Wer so etwas bau­en läßt, hat Kom­ple­xe.

    Wie pot­ten­häß­lich! Nach dem Kauf muß man min­des­tens hun­der­te von Bil­dern dazu kau­fen, um innen eini­ger­ma­ßen annehm­bar zu deko­rie­ren.

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