Portugal – ein Dritte-Welt-Land?

Mach mit: Tei­le die­sen Bei­trag mit Freun­den!

„Por­tu­gal? Das ist doch voll das Drit­te-Welt-Land!“ Die­sen Satz hör­te unse­re an der Algar­ve auf­ge­wach­se­ne Autorin Jana von der Heyde (22), Stu­den­tin der Eth­no­lo­gie und Kunst­ge­schich­te, als sie kürz­lich in der Hei­del­ber­ger Men­sa ein Gespräch belausch­te. Lesen Sie, wel­che ande­ren frag­wür­di­gen Sprü­che sie sonst noch auf­schnapp­te. Und schrei­ben Sie uns, wel­che Vor­ur­tei­le über Por­tu­gal und die Algar­ve Sie selbst schon ein­mal gehört bzw. gele­sen haben.

Es war ein schö­ner son­ni­ger Tag, als ich mich in die Men­sa der Hei­del­ber­ger Uni setz­te, gemüt­lich an mei­nem hei­ßen Kaf­fee nipp­te und an nichts Böses dach­te. Ich schau­te den Kin­dern beim Spie­len auf der Wie­se zu und freu­te mich des Lebens. Doch plötz­lich wur­de ich durch einen Kom­men­tar mei­ner Tisch­nach­barn aus mei­nem Tag­traum her­aus­ge­ris­sen:

„Was? Nach Por­tu­gal wollt ihr? Das ist doch voll das Drit­te-Welt-Land! Die haben da anschei­nend nicht mal Stra­ßen.“

Bevor ich die­sen Satz ver­dau­en konn­te, lief das Gespräch wei­ter: „Ja, das dach­te ich auch! Das habe ich auch schon gehört.“ „Ja, eben, wir auch. Des­halb trau­en wir uns jetzt auch nicht dort in den Urlaub zu gehen.“ Ent­setzt dreh­te ich mich um, sodass ich die Grup­pe, die sich unter­hielt, erbli­cken konn­te. Es han­del­te sich um jun­ge Men­schen, ver­mut­lich Stu­den­ten wie ich.

Dann dach­te ich dar­über nach, wie sich ein sol­ches Welt­bild bzw. eine sol­che Betrach­tung der Welt bei ver­mut­lich doch gebil­de­ten Men­schen eta­blie­ren kann. Die gefähr­lichs­te Welt­an­schau­ung ist ja bekannt­lich die sol­cher Leu­te, wel­che die Welt noch nie gese­hen haben.

 

Im Dritte-Welt-Land wird fließend Spanisch gesprochen…

 

Dritte-Welt-Land Portugal muss Aufklärungsarbeit für ein besseres Image leisten
Stu­den­tin Jana von der Heyde. Foto: pri­vat

Aller­dings ist es ja nicht so, als läge Por­tu­gal auf der ande­ren Sei­te der Erde. Als ich immer noch wütend war über den Satz, Por­tu­gal sei ein Drit­te-Welt-Land, fie­len mir ähn­li­che Situa­tio­nen und Kom­men­ta­re ein, die ich in der Ver­gan­gen­heit gehört hat­te.

Vor ein paar Wochen saß ich beim Fri­sör und kam mit der Fri­sö­rin ins Gespräch. Ihr erzähl­te ich, dass ich in Por­tu­gal auf­ge­wach­sen bin. Dar­auf­hin sag­te sie: „Ach, das ist aber schön! Dann kannst du ja auch flie­ßend Spa­nisch spre­chen!“

Ich habe auf­ge­hört zu zäh­len, wie oft ich das schon gehört habe. Ich erklär­te ihr nett, dass es sich bei Spa­nisch und Por­tu­gie­sisch um unter­schied­li­che Spra­chen han­de­le. Doch am liebs­ten hät­te ich sie gefragt, ob sie auch Hol­län­disch oder Fran­zö­sisch oder viel­leicht auch flie­ßend Pol­nisch spre­chen kann, weil sie in Deutsch­land auf­wuchs.

 

Verständigt man sich im Dritte-Welt-Land auf Portugalisch?

 

Vor ein paar Jah­ren wur­de ich sogar gefragt, ob ich denn „Por­tu­ga­lisch“ spre­chen kann. Damals schwank­te ich, so wie auch heu­te noch, zwi­schen Zorn über sol­che Kom­men­ta­re und etwas Mit­leid. Manch­mal gelingt es mir sogar, ein wenig Ver­ständ­nis für die Men­schen auf­zu­brin­gen, die es nicht bes­ser wis­sen. Ein­fach des­we­gen, weil ich aus eige­ner Erfah­rung weiß, dass das klei­ne Land am süd­west­li­chen Ende Euro­pas in Medi­en und Schu­le nicht viel Auf­merk­sam­keit genießt.

 

Dritte-Welt-Land Portugal zieht viele Kreuzfahrtschiffe an
Für die einen ein Drit­te-Welt-Land, für die ande­ren z.B. ein attrak­ti­ves Kreuz­fahrt-Ziel. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

In der Schu­le wur­de kei­ner der See­fah­rer ange­spro­chen, kei­ne poli­ti­schen und geschicht­li­chen Ereig­nis­se und auch kei­ne Nel­ken­re­vo­lu­ti­on. Auch im Fern­se­hen, zum Bei­spiel in Wet­ter­be­rich­ten, wird meis­tens nur von Spa­ni­en gespro­chen oder im bes­ten Fal­le von der ibe­ri­schen Halb­in­sel. So mag es dazu kom­men, dass manch einer Por­tu­gal für eine Pro­vinz Spa­ni­ens hal­ten mag. Ich habe das jeden­falls schon ein­mal per­sön­lich so gehört…

Wäh­rend ich noch in der Men­sa vor mei­nem inzwi­schen kal­ten Kaf­fee saß und mitt­ler­wei­le etwas frus­trier­ten Gemüts war, bemerk­te ich, dass die Grup­pe, die mich mit dem Spruch vom Drit­te-Welt-Land so erschreckt hat­t­ze, ver­schwun­den war. Trotz­dem mach­te ich mir wei­ter Gedan­ken, um die­se Ambi­gui­tät zu ver­ste­hen. Einer­seits wird Por­tu­gal immer popu­lä­rer. In fast allen Rei­se­bü­ros schmückt die Küs­te der Algar­ve Pos­ter und Cover und wird als Top-Rei­se­ziel gehan­delt. Außer­dem sieht man Por­tu­gal in vie­len Wer­be­spots und Musik­vi­de­os. Aber ande­rer­seits besteht bei vie­len Men­schen stets gro­ße Unwis­sen­heit über das Land. Um nicht noch schlech­te­re Lau­ne zu bekom­men, trank ich schnell den letz­ten Schluck Kaf­fee aus, pack­te mei­ne Sachen und mach­te mich auf den Heim­weg. "Por­tu­gal, du hast noch viel Auf­klä­rungs­ar­beit zu leis­ten", ging mir durch den Sinn.

 

Leser-Aktion: Welche Vorurteile über Portugal kennen Sie?

 

Algar­ve für Ent­de­cker fragt sei­ne Nut­zer:

Wel­che merk­wür­di­gen Vor­ur­tei­le haben Sie selbst schon ein­mal über Por­tu­gal ver­nom­men? Wer hat sie geäu­ßert? Wel­che Vor­ur­tei­le gibt es spe­zi­ell zu Por­tu­gals wich­tigs­ter Tou­ris­mus­re­gi­on, der Algar­ve? Wer soll­te wel­chen Vor­ur­tei­len wie ent­ge­gen­wir­ken?

Schrei­ben Sie uns, was Sie per­sön­lich wahr­ge­nom­men haben. Nut­zen Sie dafür die Kom­men­tar­funk­ti­on "Hin­ter­las­se eine Ant­wort" unter­halb die­ses Arti­kels. Die Redak­ti­on ist gespannt auf Ihre Reak­tio­nen. Wir wer­den dar­über berich­ten.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

2 Gedanken zu „Portugal – ein Dritte-Welt-Land?

  • 9. Mai 2019 um 09:31
    Permalink

    Ich den­ke auch, die Autorin zitiert absicht­lich Dumm­köp­fe, damit ihr Kom­men­tar als Kon­trast beson­ders gut ankommt und wich­tig wird. Den Vor­kom­men­tar kann ich in allen Punk­ten bestä­ti­gen, auch die 20° Atlan­tik­was­ser­tem­pe­ra­tur, was aber ver­mut­lich in 2018 eine Aus­nah­me war. Ich lie­be die Erd­er­wär­mung!
    Es ist gut, daß Por­tu­gal rela­tiv zu Spa­ni­en unbe­kann­ter ist, weil dadurch die häß­li­chen Ent­wick­lun­gen wie in Spa­ni­en nicht ein­ge­tre­ten sind, abge­se­hen von Arm­a­cao-Alb­ufei­ra-Vil­a­mou­ra-Port­i­mao-Lagoa-Umge­bung. Wo Tou­ris­ten­mas­sen hin­strö­men, ist/wird die "Gegend ver­saut", etwas ver­kürzt for­mu­liert.
    Ich ken­ne Por­tu­gal von Nor­den bis Süden seit 25 Jah­ren, und es ist mein Lieb­lings­ur­laubs­land gewor­den. Das soll auch so blei­ben, und des­halb nur behut­sam wei­te­re Tou­ris­ten ange­lockt wer­den. Das mag zwar nicht im Inter­es­se der Hotel- und Tou­ris­mus­ver­bän­de sein, ist aber lang­fris­tig für das Land und die Leu­te bes­ser. Reich­tü­mer kann man dann natür­lich nicht schef­feln.

    Antwort
  • 23. Januar 2019 um 15:02
    Permalink

    Hal­lo, alles Mist, was da steht, lie­be Autorin. Wir flie­gen seit 16 Jah­ren in die­ses wun­der­ba­re Land – für den Urlaub mit Kin­dern, Freun­den und Enkel. Wir dür­fen ein ein­fa­ches Bau­ern­haus bewoh­nen und haben dort viel saniert – und jetzt ist das gan­ze Anwe­sen ein Para­dies für die som­mer­li­chen Mona­te. Wir begeg­nen gast­freund­li­chen Men­schen und arbeits­tä­ti­gen Ein­hei­mi­schen, wel­che immer für uns Feri­en­gäs­te in Stim­mung sind.
    PS: Auch zur Haupt­sai­son im Som­mer wenig Men­schen am Strand und sehr sau­be­res Meer­was­ser – nun dank der Erd­er­wär­mung ist der Atlan­tik bei­nah 20 Grad. Super !

    Antwort

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *