Algarve-Hotellerie: Personalprobleme?

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Im Algar­ve-Tou­ris­mus ist der Man­gel an gut qua­li­fi­zier­ten Arbeits­kräf­ten das größ­te Struk­tur­pro­blem. Die­se Mei­nung ver­tritt der regio­na­le Hotel­ver­band AHETA. Prä­si­dent Eli­dé­ri­co Vie­gas, obers­ter Inter­es­sens­ver­tre­ter der Algar­ve-Hotel­le­rie, for­dert in einer Art Hil­fe­ruf jetzt staat­li­che Unter­stüt­zungs­maß­nah­men. Die Uni­on der Algar­ve-Gewerk­schaf­ten hält dage­gen. Ihr zufol­ge sind zu nied­ri­ge Löh­ne und mise­ra­ble Arbeits­be­din­gun­gen die Haupt­ur­sa­che für den Fach­kräf­te­man­gel.

„Die Tat­sa­che, dass der Tou­ris­mus durch die Bezie­hung von Mensch zu Mensch geprägt ist, bedeu­tet, dass der Fak­tor Per­sön­lich­keit in die­sem Wirt­schafts­sek­tor eine viel ent­schei­den­de­re Rol­le spielt als in ande­ren Berei­chen“, unter­streicht Vie­gas. Das gel­te ins­be­son­de­re in Bezug auf die Qua­li­tät der erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen.

 

Algarve-Hotellerie fordert mehr qualifizierte Fachkräfte für Tourismus-Dienstleistungen
In Hotel­le­rie und Tou­ris­mus kommt es auf den per­sön­li­chen Kun­den­kon­takt an. An qua­li­fi­zier­ten Fach­kräf­ten man­gelt es an der Algar­ve, sagt der Hotel-Ver­band AHETA. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Algarve-Hotellerie: Mehr bezahlbarer Wohnraum

 

Für sei­nen Hotel-Ver­band AHETA sind die aktu­el­len Eng­päs­se größ­ten­teils dadurch ver­ur­sacht, dass vie­le Tou­ris­mus-Beschäf­tig­te aus den dicht besie­del­ten Städ­ten des Lan­des stam­men, ihren Arbeits­platz aber außer­halb die­ser Zen­tren an der Algar­ve-Küs­te haben. Des­halb for­dert der Ver­bands­prä­si­dent der Algar­ve-Hotel­le­rie von den Kom­mu­nen in der Regi­on eine akti­ve Woh­nungs­bau-Poli­tik, die mehr bezahl­ba­ren Wohn­raum schafft. Das soll Arbeits­kräf­te aus ande­ren Regio­nen Por­tu­gals, aber auch Ein­wan­de­rer aus Dritt­län­dern anlo­cken, ist die Hoff­nung.

„Hotels und Tou­ris­mus­un­ter­neh­men haben in den letz­ten Jah­ren in die­ser Hin­sicht gro­ße Anstren­gun­gen unter­nom­men, um den Bedürf­nis­sen gerecht zu wer­den, indem wir den Arbeit­neh­mern Unter­künf­te und ande­re Ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung stel­len, wann immer dies mög­lich ist“, berich­tet der AHE­TA-Prä­si­dent. Die­se Anstren­gun­gen reich­ten jedoch nicht aus, um die gro­ßen struk­tu­rel­len Lücken in der Regi­on zu besei­ti­gen.

Vie­gas spricht sich in sei­nem Hil­fe­ruf zudem für Part­ner­schaf­ten zwi­schen öffent­li­chem und pri­va­tem Sek­tor aus, um ein­mal gewon­ne­ne Beschäf­tig­te auch im Tou­ris­mus zu hal­ten. Das soll nach Vor­stel­lun­gen der Algar­ve-Hotel­le­rie ins­be­son­de­re durch Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men wäh­rend der Neben­sai­son erreicht wer­den. Ziel: sta­bi­le und nach­hal­tig wir­ken­de Teams wäh­rend des gesam­ten Jah­res, ver­bes­ser­te Qua­li­tät der erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen und Stei­ge­rung der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät und somit der Unter­neh­mens-Ren­ta­bi­li­tät.

 

Algarve-Hotellerie fordert mehr Zuwanderung

 

Algarve-Hotellerie fordert Unterstützung beim Finden von mehr qualifiziertem Personal
AHE­TA-Prä­si­dent Eli­der­i­co Vie­gas ® auf einer Ver­an­stal­tung zu Sicher­heits­fra­gen in Faro. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

„Das Arbeits­recht allei­ne löst das Struk­tur­pro­blem des Arbeits­kräf­te­man­gels nicht“, betont Vie­gas. Eine Rück­kehr zu pro­tek­tio­nis­ti­schen Maß­nah­men, wie sie eini­ge poli­ti­sche und gewerk­schaft­li­che Reprä­sen­tan­ten for­der­ten, lehnt er des­halb ab. Der AHE­TA-Prä­si­dent sieht den Staat in der Pflicht, „Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung des Geschäfts­um­felds im Tou­ris­mus­sek­tor zu ergrei­fen und ande­rer­seits die sozia­len Pro­ble­me zu lösen sowie das Wohl­erge­hen der ansäs­si­gen Bevöl­ke­rung sicher­zu­stel­len“.

In die­sem Sin­ne sei es wich­tig, für mehr lega­le Ein­wan­de­rer nach Por­tu­gal zu sor­gen. Außer­dem möch­ten die Inter­es­sens­ver­tre­ter der Algar­ve-Hotel­le­rie, dass der kon­trol­lier­te Zustrom aus­län­di­scher Arbeits­kräf­te ratio­nel­ler und fle­xi­bler gestal­tet wird. „Für AHETA ist der Man­gel an Arbeits­kräf­ten eines der drän­gends­ten Pro­ble­me der por­tu­gie­si­schen Wirt­schaft, ins­be­son­de­re in der größ­ten und wich­tigs­ten por­tu­gie­si­schen Tou­ris­mus­re­gi­on des Lan­des, der Algar­ve“, beschließt Vie­gas sei­nen Hil­fe­ruf.

 

Gewerkschaft gibt der Algarve-Hotellerie kontra

 

Der viel beklag­te Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Arbeits­kräf­ten im Bereich von Hotels und Restau­rants sei im Gegen­satz zu den von den Arbeit­ge­bern genann­ten Grün­den vor allem eine Fol­ge der nied­ri­gen Löh­ne und  der "bru­ta­len Ver­schlech­te­rung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Arbeit­neh­mer in der Bran­che". Mit die­ser Aus­sa­ge kon­tert Tia­go Jac­in­to vom "Sin­di­ca­to dos tra­bal­ha­do­res da indús­tria de hotel­aria, turis­mo, restau­ran­tes e simi­la­res do Algar­ve".  Er kri­ti­siert, dass die Hotel­ma­na­ger die schwie­ri­ge Rea­li­tät, mit der die Beschäf­tig­ten kon­fron­tiert sind, leug­ne­ten. Das sei ver­ant­wor­tungs­los.

Trotz auf­ein­an­der fol­gen­der Tou­ris­mus-Rekor­de gebe es an der Algar­ve immer mehr pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se. Die Arbeits­zei­ten wür­den immer län­ger und die Schicht­plä­ne immer unre­gel­mä­ßi­ger, so Jac­in­to. Arbeit­neh­mer­rech­te wer­den nach sei­ner Beob­ach­tung immer stär­ker in Fra­ge gestellt. Die Bran­che wer­de von den Beschäf­tig­ten zuneh­mend für eine vor­über­ge­hen­de Beschäf­ti­gung genutzt, bis man die Aus­sicht habe, in einem ande­ren Sek­tor oder in einem ande­ren Land etwas Bes­se­res zu fin­den. Der Gewerk­schafts­funk­tio­när beklagt vor allem, dass die hohe Fluk­tua­ti­on und der zuneh­men­de Ein­satz von Leih­ar­beit­neh­mern und Aus­zu­bil­den­den für Ser­vices die Dienst­leis­tungs­qua­li­tät beein­träch­ti­ge. "Und das, obwohl die den Kun­den in Rech­nung gestell­ten Prei­se wei­ter stei­gen", fügt Jac­in­to hin­zu.

Sei­ne Gewerk­schaft beob­ach­tet zudem Behin­de­run­gen ihres Ein­sat­zes für Arbeit­neh­mer­inter­es­sen. Ver­su­che, Gewerk­schafts­ar­beit zu kri­mi­na­li­sie­ren, will Jac­in­to nament­lich unter ande­rem im Hotel Tivo­li Car­voei­ro, im Pine Cliff Resort in Alb­ufei­ra und im Hotel Crow­ne Pla­za in Vil­a­mou­ra vor­ge­fun­den haben.

 

Algarve-Hotellerie
Kaum qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu fin­den, bekla­gen Hote­liers der Algar­ve. Foto: Pesta­na

 

"Algarve-Hotellerie sollte Beschäftigte wertschätzen"

 

Um die Situa­ti­on zu ver­bes­sern, for­dern die Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter Lohn­er­hö­hun­gen, die Sicher­stel­lung sta­bi­ler Arbeits­ver­hält­nis­se, Arbeits­zei­ten, wel­che die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Pri­vat­le­ben för­dern, beque­me­re Trans­port­mög­lich­kei­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­platz, ver­mehr­te Qua­li­fi­zie­rung für den Job und mehr Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten. "Für Qua­li­täts­tou­ris­mus ist es wich­tig, die Arbeit­neh­mer wert­zu­schät­zen, den geschaf­fe­nen Reich­tum mit ihnen zu tei­len und ihnen bes­se­re Lebens­be­din­gun­gen zu bie­ten", fasst Jac­in­to sei­nen Appell zusam­men.

In der For­de­rung der Arbeit­ge­ber nach mehr staat­li­cher Unter­stüt­zung sieht der Gewerk­schaft­ler den Ver­such, "zur Bekämp­fung von Unsi­cher­heit und Sai­so­na­li­tät mehr Euro-Mil­lio­nen aus dem Staats­haus­halt in die Taschen der Bos­se zu kana­li­sie­ren". Auch die Rekru­tie­rung von "leich­ter aus­zu­beu­ten­den aus­län­di­schen Arbeits­kräf­ten, ein­schließ­lich Flücht­lin­gen, die nach bes­se­ren Lebens­be­din­gun­gen als in ihren Her­kunfts­län­dern suchen", lehnt er kate­go­risch ab.

Jungsozialisten: Algarve-Hotellerie beschäftigt vor allem Jugendliche prekär

 

Die regio­na­le Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Sozia­lis­ti­schen Par­tei (JS) wies in einer Stel­lung­nah­me dar­auf hin, dass ein Teil der pre­kär Beschäf­tig­ten Arbei­ter im Hotel­sek­tor in der Som­mer­sai­son zu den jün­ge­ren Men­schen gehört. Die­se ziel­ten dar­auf ab, mir dem ver­dien­ten Geld ihre Aus­bil­dungs­kos­ten zu bezah­len. Laut den Jung­so­zia­lis­ten ist eine wirk­sa­me Rege­lung der Zeit­ar­beit uner­läss­lich. Dies schlie­ße auch Geld­stra­fen bei Übe­las­tung der Beschäf­tig­ten und bei man­gel­haf­ten Arbeits­be­din­gun­gen ein. In sol­chen Fak­to­ren sieht die JS Algar­ve einen Haupt­grund für den Arbeits­kräf­te­man­gel im Algar­ve-Tou­ris­mus.

Mit der Gewerk­schaft der Beschäf­tig­ten im Dienst­leis­tungs­sek­tor, Han­del, Gast­ge­wer­be und Tou­ris­mus (SITESE) schloss der AHE­TA-Ver­band unter­des­sen ein neu­es Tarif­ab­kom­men für den Hotel- und Tou­ris­mus­sek­tor der Algar­ve ab. Der Ver­trag gilt für zwei Jah­re und tritt rück­wir­kend ab 1. Juni in Kraft. Geän­dert gegen­über dem bis­he­ri­gen Tarif­ver­trag wur­den die Gehalts­stu­fen. Für bei­de Par­tei­en spie­gel­ten die neu­en Ein­kom­mens­ta­bel­len die "Rea­li­tä­ten des aktu­el­len regio­na­len Arbeits­mark­tes wie­der", hieß es in einer Erklä­rung vom 27. Juli. Das Abkom­men gilt nur für Hotels, die im AHE­TA-Ver­band orga­ni­siert sind.

 

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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