Madeleine McCann – von Medien missbraucht

Mach mit: Tei­le die­sen Bei­trag mit Freun­den!

Vor elf Jah­ren, am 3. Mai 2007, ver­schwand im Algar­ve-Bade­ort Pra­ia da Luz in Por­tu­gal die damals fast vier­jäh­ri­ge Made­lei­ne McCann. Bis heu­te ist Mad­die, die Toch­ter des bri­ti­schen Ehe­paars Kate und Ger­ry McCann, nicht wie­der auf­ge­taucht. Den bestür­zen­den und welt­weit beach­te­ten Fall Made­lei­ne McCann nutz­te auch im elf­ten Jahr wei­ter­hin ein gro­ßer Teil der Bou­le­vard­me­di­en, nicht nur der bri­ti­schen, zur Quo­ten- und Auf­la­gen­stei­ge­rung – ein düs­te­res Medi­en-Kapi­tel.

 

Madeleine McCann verschwand im Algarve-Badeort Praia da Luz
Elf Jah­re nach dem Ver­schwin­den um Made­lei­ne McCann in Pra­ia da Luz kreist die Bericht­erstat­tung von Bou­le­vard­me­di­en per­ma­nent um Unbe­deu­ten­des oder Auf­ge­bausch­tes, lie­fert nichts Weg­wei­sen­des. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Auch im elf­ten Jahr der bei­spiel­lo­sen Suche nach der Ver­miss­ten gab es prak­tisch kei­nen ein­zi­gen Monat, in dem eini­ge Titel der „Yel­low Press“ nicht Kapi­tal zu schla­gen ver­such­ten aus noch so dün­nen und frag­wür­di­gen Infor­ma­tio­nen. Vor­ne­weg immer wie­der diver­se Online­me­di­en, auch im deutsch­spra­chi­gen Raum. Letz­te­re las­sen sich oft von Berich­ten bri­ti­scher Bou­le­vard­me­di­en ver­füh­ren, das The­ma Mad­die auf­zu­grei­fen und auf­zu­bau­schen. Schließ­lich pro­fi­tie­ren die eige­nen Klick­ra­ten davon. Man könn­te das auch als eine Art fort­ge­setz­ten media­len Miss­brauchs bezeich­nen…

Die­ses Ver­hal­ten beschrei­ben wir im Fol­gen­den für die ver­gan­ge­nen zwölf Mona­te. Ganz am Ende des Bei­trags fin­den Sie zwei Links zu unse­rer umfas­sen­den Chro­no­lo­gie des mys­te­riö­sen und rät­sel­haf­ten Falls Made­lei­ne McCann und zur Beschrei­bung der Reak­tio­nen an der Algar­ve – bei­des erschie­nen vor einem Jahr.

 

Madeleine McCann – Rückblick auf zwölf Monate Medienaktivitäten

 

27. April

Nur weni­ge Tage vor dem elf­ten Jah­res­tag des Ver­schwin­dens von Made­lei­ne McCann dreht die spa­ni­sche Zei­tung "La Voz de Gali­cia" wie­der an der Sen­sa­ti­ons­mel­dungs-Spi­ra­le. Ein Fami­li­en­va­ter habe auf einem Phan­tom­bild, das die bri­ti­sche Poli­zei von einem Ver­däch­ti­gen im Fall Mad­die anfer­tig­te, 2013 einen Mann erkannt, der 2001 in einem Hotel in Abran­tes, 150 Kilo­me­ter nord­öst­lich von Lis­sa­bon gele­gen, ver­sucht habe, nachts in den Schlaf­raum sei­ner damals fünf­jäh­ri­gen Toch­ter ein­zu­drin­gen – offen­bar in der Absicht, sie zu ent­füh­ren. Die Toch­ter habe Made­lei­ne McCann ähn­lich gese­hen. Die­se Infor­ma­ti­on sei damals an die Poli­zei in Lon­don wei­ter­ge­ge­ben wor­den, er habe aber spä­ter nichts mehr von den Beam­ten dort gehört, erzähl­te der Vater der Zei­tung. Die­se nennt aber weder sei­nen Nach­na­men noch den des Hotels. Auch bleibt sie eine Erklä­rung dafür schul­dig, wes­halb das Hotel den Namen des Man­nes nicht wei­ter­gab, der den angeb­li­chen Ent­füh­rungs­ver­such unter­nom­men haben soll, aber letzt­lich ent­wisch­te. Den­noch gehen bri­ti­sche und auch eini­ge deut­sche Bou­le­vard­me­di­en auf die selt­sa­me Sto­ry ein…

18. April 2018

Eine bri­ti­sche Bou­le­vard­zei­tung berich­tet dar­über, dass Mut­ter Kate McCann mit dem von ihr 2012 her­aus­ge­brach­ten Buch "Made­lei­ne: Das Ver­schwin­den unse­rer Toch­ter und die lan­ge Suche nach ihr" allein in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten rund 84.000 Pfund ver­dient hat. Das ent­spricht einer Sum­me von rund 96.500 Euro. Doch jeder Cent flie­ße nach wie vor in die Suche, eine Berei­che­rung der Eltern sei aus­zu­schlie­ßen, wird ver­si­chert. War­um dann die gespiel­te Empö­rung? Soll­te aber die Poli­zei die Suche nach Made­lei­ne McCann auf­ge­ben, sei noch „eine gan­ze Men­ge Geld“ da, um sie pri­vat fort­zu­set­zen, mut­maßt das Blatt. In ande­ren Medi­en ist von mehr als 800.000 Euro die Rede.

 

Madeleine McCann im 11. Jahr ihres Verschwindens Thema von Boulevardmedien
Screen­shot der Web­sei­te Tag24

 

16. April 2018

Es gebe deut­lich mehr Details, wel­che die Regie­rung absicht­lich vor der Öffent­lich­keit ver­heim­li­che, unkt die Redak­ti­on einer bun­ten deut­schen Illus­trier­ten. Und meint damit das Schwei­gen um die Höhe des zuletzt noch ein­mal frei­ge­ge­be­nen Betrags zur Finan­zie­rung der wei­te­ren Suche nach dem Kind. Ein bri­ti­sches Blatt will erfah­ren haben, dass es umge­rech­net 174.000 Euro sei­en. Das stößt in Groß­bri­tan­ni­en auf Kri­tik. Man­cher will nicht ver­ste­hen, war­um die Suche wei­ter­hin finan­ziert wird, wo es doch offen­bar kaum einen Hoff­nungs­schim­mer gibt. Medi­en des United King­dom ver­wei­sen auf die Kür­zung der Mit­tel für die bri­ti­sche Poli­zei und dar­auf, dass die Zahl der Gewalt­ver­bre­chen in Lon­don immer wei­ter stei­ge…

 

6. April 2018

Laut Mei­nung eines bri­ti­schen Online-Bou­le­vard­me­di­ums soll eine TV-Doku­men­ta­ti­on im aus­tra­li­schen Fern­se­hen „für Auf­se­hen“ sor­gen. Gezeigt wor­den sei unter ande­rem der bri­ti­sche Ex-Poli­zist Colin Sut­ton. In Made­lei­ne McCanns Fall sei er über­zeugt: „Sie wird nie­mals gefun­den wer­den.“ Vor allem eine Tat­sa­che soll das Ent­de­cken erschwe­ren oder sogar unmög­lich machen: Rund um Pra­ia da Luz lägen 600 unbe­nutz­te und schwer zugäng­li­che Brun­nen ver­teilt. In einem davon, ver­mu­te Sut­ton, kön­ne die Lei­che des Mäd­chens ver­steckt sein. Die Eltern reagie­ren mit einer offi­zi­el­len Stel­lung­nah­me dar­auf, über einen Ver­trau­ten der Fami­lie an die Medi­en lan­ciert: "Es ist nicht sehr hilf­reich und sehr schmerz­voll, wenn Ermitt­ler im Ruhe­stand oder soge­nann­te Exper­ten sagen, dass die Suche abge­bro­chen wer­den soll, weil sie nutz­los sei." Kate und Ger­ry McCann betrei­ben nach wie vor ihre Face­book­sei­te "Offi­ci­al Find Made­lei­ne Cam­pai­gn". Dort machen sie deut­lich: Sie wol­len selbst dann nicht auf­ge­ben, wenn die Poli­zei die Suche ein­stel­len soll­te.

 

28. März 2018

Für die bis­lang gut 12,5 Mil­lio­nen Euro teu­re Suche der klei­nen Made­lei­ne McCann bewil­ligt das bri­ti­sche Innen­mi­nis­te­ri­um erneut wei­te­res Geld. Ein Bou­le­vard­me­di­um in Lon­don mut­maßt, dass es eine neue „hei­ße Spur“ gewe­sen sei, die zu die­ser Ent­schei­dung geführt habe. Kon­kre­tes wird nicht gesagt. Aber die Rede ist von einem „letz­ten Ver­such“. Ähn­lich klingt auch ein zitier­tes State­ment des Anwalts der Eltern McCann: „Die­ser letz­te Anlauf gibt den bei­den (Hin­weis: gemeint sind Kate und Ger­ry McCann) eine klei­ne Hoff­nung, end­lich zu erfah­ren, was mit ihrer Toch­ter pas­siert ist“.

 

21. März 2018

Medi­en gehen auf Moi­ta Flo­res ein, einen Kri­mi­nal­ex­per­ten, der damals an den Ermitt­lun­gen betei­ligt gewe­sen sein soll. Einer por­tu­gie­si­schen Web­site gegen­über habe er gesagt, er sei sich sicher: „Made­lei­ne McCann starb in die­sem Apart­ment.“ Flo­res for­de­re eine Rekon­struk­ti­on, um zu zei­gen, dass es unmög­lich sei, mit einem Kind zusam­men durch das Fens­ter der Feri­en­ap­par­te­ment-Anla­ge zu stei­gen. „Exper­te“ Flo­res teilt damit die Mei­nung des ehe­ma­li­gen Ermitt­lers Gon­ca­lo Amaral, der dar­über ein Buch schrieb, gegen das die Ehe­leu­te McCann erfolg­los klag­ten. Ein Spre­cher des Paars weist die Theo­rie zurück, hält dar­an fest, dass Made­lei­ne McCann ent­führt wor­den ist und noch lebt.

 

Die Mama von Madeleine McCann wird 50: rührselige Stories

 

5. März 2018

In rühr­se­li­gen Sto­ries erwäh­nen Medi­en den 50. Geburts­tag der Mut­ter Kate McCann. Ihre Gedan­ken sei­en nur bei Made­lei­ne, die heu­te knapp 15 Jah­re alt wäre, ist zu lesen. Zitiert wird ein Freund der Fami­lie mit den Wor­ten: "Kates ein­zi­ger Geburts­tags­wunsch besteht dar­in, her­aus­zu­fin­den, was mit ihrem ältes­ten Kind pas­siert ist. Und sie hofft und betet, dass die Poli­zei zusätz­li­che Mit­tel erhal­ten wird, um die Suche nach Made­lei­ne McCann fort­set­zen zu kön­nen." Im Monat zuvor fei­er­ten die McCanns den drei­zehn­ten Geburts­tag ihrer Zwil­lin­ge Sean und Ame­lie – mit Gebe­ten für ihre ver­miss­te Toch­ter Made­lei­ne McCann.

 

13. Februar 2018

„Wich­ti­ge Spur im Fall Made­lei­ne McCann! Ermitt­ler wol­len neu­es Geld!“ So „schei­ne“ es zu sein, mel­den Bou­le­vard­me­di­en. Das Innen­mi­nis­te­ri­um bestä­tigt die Prü­fung eines ein­ge­gan­ge­nen Antrags der Metro­po­li­tan Poli­ce (Scot­land Yard). Es gebe noch eine „wich­ti­ge letz­te Fra­ge“, die unbe­dingt beant­wor­tet wer­den müs­se. Wel­che das ist, das wird geheim gehal­ten.

 

5. Februar 2018

Jetzt äußert sich sogar ein Exper­ten-Team aus Öster­reich zum Fall Made­lei­ne McCann – so genann­te "Cold Case"-Ermittler. Sie woll­ten mit neu­es­ten Metho­den hel­fen, das Rät­sel um Made­lei­ne McCann zu lösen, ist zu lesen. Das Team habe an dem spek­ta­ku­lä­ren Kri­mi­nal­fall um Nata­scha Kam­pusch mit­ge­ar­bei­tet und glau­be, sei­ne gesam­mel­ten Erfah­run­gen zur Ver­fü­gung stel­len zu kön­nen.

 

Madeleine McCann auch Thema in österreichischen Boulevardmedien
Scrennshot aus oe24.at

 

24. Januar 2018

Nach zunächst gro­ßer Erre­gung um einen Made­lei­ne McCann-Ermitt­ler, der Wochen zuvor blut­über­strömt in sei­nem Haus auf­ge­fun­den wor­den war, geben die Medi­en nun Ent­war­nung: „Rät­sel um Tod end­lich gelöst!“ Ursa­che für den „mys­te­riö­sen“ Tod des „umstrit­te­nen“ Pri­vat­de­tek­tivs der Fami­lie McCann sei eine Gehirn­blu­tung gewe­sen. Das habe die Obduk­ti­on erge­ben. Offen­bar lag ein Sturz vor. Der Pri­va­ter­mitt­ler habe damals „bra­chia­le“ Ermitt­lungs­me­tho­den ein­ge­setzt, wird erin­nert. Er soll ein Kind als Lock­vo­gel im Bade­ort Pra­ia da Luz an der Algar­ve benutzt haben, um den ver­meint­li­chen Ent­füh­rer von Made­lei­ne McCann aus­zu­spä­hen. Ande­re Medi­en bezeich­nen den Pri­vat­de­tek­tiv als einen „Betrü­ger“, der von den McCanns viel Geld bekom­men, aber wenig gelie­fert habe.

 

3. Januar 2018

Schon im März könn­te die Suche nach Made­lei­ne McCann wegen Geld­not ein­ge­stellt wer­den, ver­mu­ten Medi­en. Die im Sep­tem­ber vom Lon­do­ner Innen­mi­nis­te­ri­um noch ein­mal gewähr­ten Gel­der, angeb­lich etwa 173.500 Euro, sei­en von der "Ope­ra­ti­on Gran­ge" bald auf­ge­braucht, heißt es. Die Rede ist auch von angeb­li­chen „Hass­mails“, mit denen die Eltern McCann kon­fron­tiert wür­den. Die kämen von Per­so­nen, die glaub­ten, Kate und Ger­ry McCann hät­ten etwas mit Made­lei­nes Ver­schwin­den zu tun. Ande­re pran­ger­ten das Innen­mi­nis­te­ri­um an, weil es die Gel­der mit einer ihrer Mei­nung nach sinn­lo­sen Suche ver­schleu­de­re. Auf ihrer Kam­pa­gnen-Web­sei­te bit­ten die Eltern McCann die Öffent­lich­keit dar­um, ihre Toch­ter Made­lei­ne nicht auf­zu­ge­ben. Und sie bit­ten noch immer um Spen­den.

 

Weihnachten ohne Madeleine McCann – immer eine emotionale Geschichte wert

 

24. Dezember 2017

Zu Weih­nach­ten prä­sen­tie­ren meh­re­re Medi­en eine emo­tio­na­le Geschich­te und erwäh­nen einen „berüh­ren­den“ Brief der Mut­ter Kate McCann. Für ihre Toch­ter Made­lei­ne lege sie jedes Jahr ein Weih­nachts­ge­schenk unter den Tan­nen­baum und höre in der Erin­ne­rung immer noch ihre Toch­ter das Lied sin­gen, dass sie gera­de im Kin­der­gar­ten gelernt habe, als sie drei Jah­re alt war: „Rudolph the red nosed Rein­de­er“. Der ver­öf­fent­lich­te Brief ende mit einer „herz­zer­rei­ßen­den“ Bit­te: „Wäh­rend sich die Men­schen an die­sem Wochen­en­de mit ihren Fami­li­en tref­fen und zusam­men essen und Geschen­ke aus­tau­schen, möch­te ich Sie bit­ten, sich an die Ver­miss­te zu erin­nern. Wir dür­fen sie nie­mals ver­ges­sen."

 

1. Dezember 2017

Medi­en berich­ten dar­über, dass ein jetzt 32-Jäh­ri­ger aus Pra­ia da Luz, der im Ver­miss­ten­fall Made­lei­ne McCann wohl unge­recht­fer­tigt in den Kreis der Ver­däch­ti­gen gera­ten war, ein Buch ver­öf­fent­licht habe. Über­setzt lau­te der Titel "Kol­la­te­ral-Scha­den". Mit dem Werk wol­le der Com­pu­ter­ex­per­te „den Schat­ten der Ver­gan­gen­heit end­lich los wer­den“ – auch weil er bald selbst Vater wer­de und ein gere­gel­tes nor­ma­les Fami­li­en­le­ben füh­ren wol­le.

Madeleine McCann bleibt Thema von Boulevardmedien auch in Deutschland
Screen­shot aus Huf­fing­ton Post Deutsch­land

 

28. November 2017

Von meh­re­ren Medi­en wird ein Face­book-Ein­trag einer 19-jäh­ri­gen bri­ti­schen Stu­den­tin the­ma­ti­siert. Sie soll in einem Grup­pen-Chat behaup­tet haben, die ver­miss­te Made­lei­ne McCann zu sein. Zitiert wird der Post mit den Wor­ten „Ich glau­be eigent­lich nicht an Ver­schwö­rungs­theo­ri­en, aber ich glau­be ernst­haft, dass ich Made­lei­ne McCann bin.“ Als Beweis habe sie auf einen brau­nen Fleck im Auge sowie ein mar­kan­tes Mut­ter­mal am Bein ver­wie­sen – bei­des wie bei Made­lei­ne McCann. Dass dies allein schon wegen des Alters­un­ter­schieds nicht sein kann – Made­lei­ne McCann ist oder wäre heu­te erst etwa 15 Jah­re alt – erwähnt kaum jemand. Über die Stu­den­tin bricht ein Shit­s­torm her­ein.

 

19. November 2017

„Mys­te­riö­se Frau iden­ti­fi­ziert?! Fall Made­lei­ne McCann nimmt end­lich wie­der Fahrt auf“, so for­mu­lie­ren es rei­ße­ri­sche Schlag­zei­len in einem deutsch­spra­chi­gen Online­me­di­um. Es wird auf einen spa­ni­schen Kri­mi­no­lo­gen ange­spielt. Der wis­se, wer eine mys­te­riö­se Frau in lila Klei­dung sei, nach der Scot­land Yard suche: eine Ost­eu­ro­päe­rin, die mit ihrem Ehe­mann in der Tapas-Bar als Kell­ne­rin gear­bei­tet habe, in der die McCanns zu Abend aßen, als ihre allein im Appar­te­ment zurück­ge­las­se­ne Toch­ter ver­schwand. Den Berich­ten zufol­ge sind bei­de in Bul­ga­ri­en „unter­ge­taucht“. Angeb­lich wird dort nach ihnen gesucht. Spe­ku­liert wird in den Medi­en, ob der vor­he­ri­ge Mann der Gesuch­ten ein ver­ur­teil­ter Pädo­phi­ler war. Mut­ma­ßun­gen über Mut­ma­ßun­gen…

 

Madeleine McCann und das Medien-"Souvenir"

 

10. November 2017

Von geschock­ten Inter­net­nut­zern spre­chen Medi­en, weil ein „ent­setz­li­ches Made­lei­ne McCann-Sou­ve­nir“ auf der Han­dels­platt­form eBay auf­ge­taucht sei: eine Tas­se mit der Abbil­dung der klei­nen Made­lei­ne McCann in Comic-Form und mit einem Toten­kopf. Ebay lösch­te den Ein­trag nach Bekannt­wer­den.

 

31. Oktober 2017

Ein 25-jäh­ri­ger Bri­te habe sich zu Hal­lo­ween mit einem „sehr geschmack­lo­sen Gag“ den Zorn von Made­lei­ne McCanns Eltern Ger­ry und Kate zuge­zo­gen, ist in Medi­en zu lesen. Er habe eine blon­de Perü­cke auf­ge­zo­gen und ein blau­es Tri­kot ange­zo­gen, wie es Made­lei­ne McCann auf einem der Fahn­dungs­fo­tos tra­ge, heißt es. Auf Anfra­ge der Medi­en ließ ein Spre­cher der Fami­lie ver­lau­ten, die Eltern hiel­ten den Mann für einen „Idio­ten, der in sei­nem Alter bes­ser Bescheid wis­sen soll­te.“ Was er getan habe, sei „zutiefst belei­di­gend und grau­sam gewe­sen." Nach einem Shit­s­torm ent­schul­dig­te sich der Hal­lo­ween-Fan öffent­lich.

 

Madeleine McCann elf Jahre nach Verschwinden immer noch Thema in Boulevardmedien
Screen­shot aus News.de

 

16. Oktober 2017

Selbst eine obdach­lo­se Wahr­sa­ge­rin muss Medi­en her­hal­ten, um ihr „einen grau­sa­men Scherz“ zuzu­schrei­ben. Die Hell­se­he­rin wol­le auf­grund von drei Visio­nen wis­sen, wo Made­lei­ne McCann ist, dies aber nur gegen Vor­kas­se den Eltern ver­ra­ten. Die Poli­zei habe die Frau unter dem Ver­dacht der Erpres­sung von Kate und Ger­ry McCann fest­ge­nom­men, mel­den eini­ge Medi­en.

 

2. Oktober 2017

Unter Ver­weis auf eine bri­ti­sche Sonn­tags­zei­tung mut­ma­ßen deutsch­spra­chi­ge Medi­en von einem „Durch­bruch“ im Fall Made­lei­ne McCann. Scot­land Yard habe eine „ent­schei­den­de Spur“. Es bleibt offen, ob es sich um einen mög­li­chen Tat­ver­däch­ti­gen oder einen Zeu­gen han­delt. Alles bleibt im Unge­wis­sen.

 

28. September 2017

Als „brand­neue Ent­wick­lung“ ver­kau­fen deutsch­spra­chi­ge Online­me­di­en, dass die Eltern von Made­lei­ne McCann „jetzt wie­der hof­fen“ könn­ten. Die schlich­te Nach­richt dahin­ter: die bri­ti­sche Poli­zei hat wei­te­re Finan­zie­rung der Suche nach der Ver­miss­ten bean­tragt. Ermitt­ler hät­ten vor Kur­zem behaup­tet, dass sie kurz davor sei­en, „alles“ auf­zu­de­cken, wird noch nach­ge­reicht. Und – damit es noch der letz­te Nut­zer ver­steht – endet ein Bericht mit dem Hin­weis „Es bleibt extrem span­nend!“

 

Suche nach Madeleine McCann: Inszenierte Spannung ums Geld

 

25. September 2017

Eine angeb­lich „erschüt­tern­de Nach­richt für die Eltern“ geis­tert durch eini­ge deutsch­spra­chi­ge Online­me­di­en. Sie beru­fen sich auf ein bri­ti­sches Revol­ver­blatt. Dem­nach müs­se die Lon­do­ner Poli­zei die lang­jäh­ri­ge Suche nach Made­lei­ne McCann ein­stel­len, weil das Bud­get auf­ge­braucht sei. Das Innen­mi­nis­te­ri­um wird mit der Aus­sa­ge eines Spre­chers zitiert, man erwä­ge einen Antrag auf neue Finan­zie­rung bis Ende des Monats Sep­tem­ber.

 

Madeleine McCann Thema auch in deutschen Illustrierten
Screen­shot aus Bunte.de

 

15. September 2017

Made­lei­ne McCann als The­ma einer Kri­mi-Serie der Video­platt­form Net­flix? Eini­ge Medi­en wol­len erfah­ren haben, dass acht Fol­gen geplant sei­en – inklu­si­ve Inter­views mit Ermitt­lern und ande­ren Betei­lig­ten, aller­dings ohne die Eltern Kate und Ger­ry McCann. Erin­nert wird in den Mel­dun­gen an den Erfolg von Strea­ming­dienst-Seri­en wie Making Mur­de­rer oder die Ver­fil­mung des Falls Aman­da Knox: „True Crime“ als Erfolgs­for­mat.

 

28. August 2017

Das Som­mer­loch in der Feri­en­zeit muss für merk­wür­di­ge Mel­dun­gen über eine „berüh­ren­de Ges­te“ der „alten Schu­le“ von Made­lei­ne McCann her­hal­ten: Das katho­li­sche De Lis­le-Col­le­ge hal­te einen Stuhl frei – eine „über­aus schö­ne Ges­te“, die den ver­zwei­fel­ten Eltern Hoff­nung spen­den sol­le. Made­lei­ne McCann wäre jetzt in der zehn­ten Klas­se, heißt es dazu. Was kein Repor­ter erwähnt: Da Made­lei­ne McCann im Alter von knapp vier Jah­ren ver­schwun­den ist, kann sie noch gar nicht auf die­se Schu­le gegan­gen sein…

 

23. August 2017

Hoch­som­mer 2017 – das bedeu­tet eigent­lich Flau­te auf dem Nach­rich­ten­markt. Aber fin­di­ge Jour­na­lis­ten von Online­me­di­en kochen das The­ma Made­lei­ne McCann wie­der hoch. Die Eltern Kate und Ger­ry wür­den auf ihrer Web­sei­te, die sie für Hin­wei­se auf die Ver­miss­te ein­ge­rich­tet hät­ten, „übelst beschimpft“. Die Nach­richt ist: Es wur­den die Nut­zungs­re­geln für Kom­men­ta­re geän­dert, um so genann­te „Trol­le“ dar­an zu hin­dern, mit ihren emo­tio­na­len Bei­trä­gen ande­re Nut­zer zu pro­vo­zie­ren. Man sol­le Trol­len kei­ne Auf­merk­sam­keit schen­ken, wird der der Betreu­er der Web­sei­te zitiert.

 

13. August 2017

Som­mer, Son­ne, nack­te Haut: Da passt für man­ches Online-Medi­um eine Tat­too-Nach­richt bes­tens in die etwas durch­hän­gen­de Bericht­erstat­tung zum Fall Made­lei­ne McCann. Auf Twit­ter kur­sie­re das Foto eines bri­ti­schen Mal­lor­ca-Tou­ris­ten, auf des­sen Wade auf Eng­lisch die Aus­sa­ge „Ich habe Made­lei­ne McCann gestoh­len“ ein­ge­sto­chen sei. Die Bou­le­vard-Repor­ter geben sich „ent­setzt“: unglaub­lich dreist, geschmack­los und an Respekt­lo­sig­keit nicht zu über­bie­ten sei dies, wet­tern sie. Um genüss­lich dar­über zu schrei­ben…

 

Fall Madeleine McCann wird auch im Sommerloch hochgekocht

 

27. Juli 2017

Nicht eine por­tu­gie­si­sche, nein, eine bri­ti­sche Zei­tung weckt die Öffent­lich­keit aus ihrer Som­mer­schläf­rig­keit: Wie­der sei ein klei­nes bri­ti­sches Kind im dama­li­gen Feri­en­ort von Made­lei­ne McCann ver­schwun­den, angeb­lich ein acht­jäh­ri­ger Jun­ge. Ganz am Ende des alar­mie­ren­den Berichts heißt es, der Klei­ne sei, so habe sich her­aus­ge­stellt, ein­fach weg­ge­lau­fen und Stun­den spä­ter von por­tu­gie­si­schen Poli­zis­ten gefun­den wor­den. Und das soll Pra­ia da Luz „in Auf­ruhr“ ver­setzt und „Ver­schwö­rungs­theo­ri­en“ bzw. Kla­gen über feh­ler­haf­te Arbeit der ört­li­chen Poli­zei neue Nah­rung gege­ben haben?

 

Madelein McCann von Medien zur Boulevardberichterstattung missbraucht
Screen­shot aus OK!Magazin

 

30. Juni 2017

Deut­sche Online­me­di­en grei­fen wie­der bri­ti­sche Kol­le­gen­be­rich­te auf: Eine Zeu­gin habe sich zehn Jah­re nach dem Ver­schwin­den von Made­lei­ne McCann plötz­lich gemel­det. Sie wol­le das Mäd­chen am 9. Mai 2007 in Marok­ko gese­hen haben, an einer Tank­stel­le, in einem Pyja­ma. Es habe mit ihrem Beglei­ter, einem Mann in den Drei­ßi­gern, auf Eng­lisch gespro­chen und gefragt: Kön­nen wir jetzt end­lich Mami sehen? Die­se Beob­ach­tung, so die Medi­en, habe die Frau bei einer Poli­zei-Hot­line gemel­det, ohne jedoch zurück­ge­ru­fen wor­den zu sein. Ein State­ment der Poli­zei dazu: Fehl­an­zei­ge! Purer Empö­rungs­jour­na­lis­mus, eben.

 

21. Mai 2017

Deut­sche Medi­en schrei­ben, das Inter­net „tobe“ wegen eines „geschmack­lo­sen“ Auf­kle­bers. Gemeint ist ein Sti­cker auf einem Buch über das Ver­schwin­den von Made­lei­ne McCann, das in einer Son­der­ver­kaufs­ak­ti­on ver­ramscht wird. Der Auf­druck lau­tet: „When it’s gone, it’s gone“, also: „Wenn’s weg ist, ist’s weg“. Das sei „reich­lich unpas­send“ und sor­ge für viel Auf­re­gung auf Twit­ter, beob­ach­ten die eif­ri­gen Bou­le­vard­jour­na­lis­ten, denen offen­bar sub­stan­zi­el­le The­men aus­ge­gan­gen zu sein schei­nen.

 

Fall Madeleine McCann: Fazit zur Medienberichterstattung

 

Weil es in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten seit dem zehn­ten Jah­res­tag des Ver­schwin­dens wie­der weder wirk­lich gute, noch schlech­te Nach­rich­ten in dem Ver­miss­ten­fall Made­lei­ne McCann gab, nutz­ten vor­nehm­lich Bou­le­vard­me­di­en die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit, um Klei­nig­kei­ten auf­zu­bla­sen und damit Leser zu ködern. Im deutsch­spra­chi­gen Raum waren zum Bei­spiel die Web­sei­ten von Bun­te, Gala, Tag24, Huf­fing­ton Post Deutsch­land, News.de, OK!Magazin, oe24.at und HNA.de ver­gleichs­wei­se oft betei­ligt.

Unfass­bar bleibt aller­dings, wes­halb elf Jah­re dau­ern­de Ermitt­lun­gen von zeit­wei­se bis zu 30 Beam­ten allein auf bri­ti­scher Sei­te nicht mehr Licht in das Dun­kel um das Gesche­hen am 3. Mai 2007 und danach in Pra­ia da Luz an der Algar­ve brin­gen konn­ten. Viel Geld wur­de aus­ge­ge­ben – für weni­ge Erkennt­nis­se. Immer wie­der ließ sich die bri­ti­sche Regie­rung bewe­gen, Geld nach­zu­schie­ßen. Doch zum Schluss klang es so, als sol­le es ein letz­tes Mal sein. Der zuneh­men­de Druck eini­ger Tei­le der bri­ti­schen Öffent­lich­keit zeigt offen­bar Wir­kung.

Für die Fami­lie ist das alles ent­setz­lich. Es bleibt abzu­war­ten, ob die Eltern Kate und Ger­ry McCann noch pri­vat gesam­mel­tes Geld ein­set­zen kön­nen und wer­den, um die elf Jah­re lang ergeb­nis­lo­se Suche nach ihrer Toch­ter fort­set­zen zu las­sen. Mög­li­cher­wei­se ist wegen vie­ler kost­spie­li­ger Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Kam­pa­gnen und juris­ti­scher Maß­nah­men gar nicht mehr so viel Bud­get vor­han­den.

Für alle Betei­lig­ten wäre es wohl die bes­te Klä­rung der Situa­ti­on, dass bald einer von zwei Fäl­len ein­tritt: Made­lei­ne McCann ist tot und ihre Lei­che wird ent­deckt und die Ursa­che ihres Todes ermit­telt, oder – und das wün­schen wir von Her­zen – Mad­die taucht lebend als 15-jäh­ri­ge wie­der auf. Dann dürf­ten von uns aus auch die Bou­le­vard­me­di­en wie­der jubeln. Denn das wäre eine groß­ar­ti­ge, ech­te Nach­richt: fast unglaub­lich, dafür aber wahr!

 

Madeleine McCann: Was wir bereits berichteten – vor einem Jahr

 

Schon vor dem zehn­ten Jah­res­tag des Ver­schwin­dens von Made­lei­ne McCann an der Algar­ve ver­such­ten vor allem eng­lisch­spra­chi­ge Medi­en, den Fall noch ein­mal zur Auf­la­gen- und Nutzer­quo­ten-Stei­ge­rung zu miss­brau­chen. Sen­sa­ti­ons­lüs­tern wur­den angeb­lich weg­wei­sen­de neue Erkennt­nis­se ver­spro­chen. Doch die Bericht­erstat­tung in Aus­tra­li­en und Groß­bri­tan­ni­en blieb ziem­lich vage und zum Teil wider­sprüch­lich. Man­che Medi­en aus ande­ren Län­dern grei­fen die­se Arti­kel und Sen­dun­gen auf; die Spi­ra­le der Spe­ku­la­tio­nen dreht sich wei­ter. Wie sich dabei die Men­schen am Tat­ort des Gesche­hens vom 3. Mai 2007 fühl­ten, wie die Bevöl­ke­rung in Pra­ia da Luz mit den Ereig­nis­sen von damals bis 2017 umge­gan­gen ist, haben wir in unse­rem Bericht „Mad­die zehn Jah­re ver­schwun­den: Pra­ia da Luz will zur Ruhe kom­men“ ana­ly­siert.

Eine sorg­fäl­ti­ge Auf­lis­tung der wich­tigs­ten Gescheh­nis­se der Jah­re 2007 bis 2017 im Fall Made­lei­ne McCann kön­nen Sie in unse­rem Arti­kel „10 Jah­re Made­lei­ne McCann ver­misst – Chro­no­lo­gie eines mys­te­riö­sen Falls“ nach­le­sen.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

Ein Gedanke zu „Madeleine McCann – von Medien missbraucht

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