ARD: Schummelei bei Lissabon-Krimi

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Weitere Schummelei beim Lissabon-Krimi: Im ersten Film „Der Tote in der Brandung“ spielten die Strand-Szenen gar nicht in der portugiesischen Hauptstadt! Und auch nicht an der Fels-Algarve. Von „Algarve für Entdecker“ befragt, gab die Produktionsfirma jetzt zu, die Film-Leiche an einem völlig anderen Ort aufgenommen zu haben. Schon vorher hatte Hauptdarstellerin Vidina Popov (25) gebeichtet, dass die Filmcrew eine Striptease-Szene kurzerhand in eine ganz normale Lissaboner Bar verlegt hatte.

Ursprünglich war der erste Lissabon-Krimi unter dem Arbeitstitel „Der Tote am Tejo“ angekündigt worden. Jetzt ist der Grund für die Umbenennung in „Der Tote in der Brandung“ (Ausstrahlung am 5. April) klar: Anders als in der 50 Sekunden dauernden Anfangs-Sequenz des ersten Krimis suggeriert, hat der Fundort einer an einem felsigen Sonnenstrand entdeckten Leiche nichts mit dem Schauplatz Lissabon zu tun.

Vielmehr liegt der an die Algarve erinnernde Felsenabschnitt rund 40 Kilometer nordwestlich der Metropole, etwa 60 Autominuten entfernt. Ganz in der Nähe, wo die von Regisseurin Sibylle Tafel geführte Filmcrew offenbar eine Drohne aufsteigen ließ, um eindrucksvolle Bilder von Felsen und Meer einzufangen, liegt das Cabo da Roca.

 

Schummelei im Lissabon-Krimi der ARD "Der Tote in der Brandung"
Schummelei bei Strand-Szene: Keine Tejo-Brandung, sondern der Praia da Ursa. Screenshot: ARD

 

„In der Tat ist die Felsenstrand-Szene am Praia da Ursa gedreht worden“, räumte auf unsere Anfrage zur vermuteten Schummelei Produzentin Sabine Tettenborn von Polyphon Pictures aus Baden-Baden ein. Unter Portugal-Kennern galt der Strand lange Zeit als Geheimtipp. Nur ein sehr abenteuerlicher Pfad führt zu ihm hinunter. Dem Team von Polyphon Picutres, das im Auftrag von ARD Degeto drehte, gehört also allein schon für die logistische Leistung Respekt gezollt.

 

Schummelei: ARD-Drehort erlangte im März traurige Berühmtheit

 

Allerdings hat der Strand dort mittlerweile traurige Berühmtheit erlangt: Mitte März dieses Jahres wurden dort am Praia da Ursa fünf wild zeltende junge Leute von einem Steinschlag überrascht. Ein 23-jähriger Brasilianer starb, eine 18-jährige Deutsche wurde schwer verletzt und mit einem Hubschrauber ins Lissaboner Krankenhaus Hospital de São José geflogen. Wir berichteten damals in unserer wöchentlichen News-Übersicht darüber. Die Gruppe hatte trotz schwerer, stürmischer Regenfälle und hohen Wellengangs an dem gefährlichen Küstenabschnitt campiert. Laut portugiesischer Zeitung Expresso ist er „kein offizieller Badestrand“. Über eine mögliche Sperrung hat die portugiesische Umweltbehörde APA zu befinden.

Auf die Tatsache angesprochen, dass der durchschnittliche Fernsehzuschauer den Eindruck gewonnen habe, die Szene spiele an einem Strand des Flusses Tejo, schrieb uns die Produzentin: „Wir machen keine Dokumentation und müssen uns bei der fiktionalen Umsetzung manchmal diese Freiheiten nehmen. Das Wichtigste für uns ist der für diese Reihe titelgebende Schauplatz Lissabon und diese Stadt ist in beiden Filmen ja sehr schön in ihrem Facettenreichtum dargestellt worden.“

 

Schummelei im Lissabon-Krimi der ARD, vielleicht auch bei "Alte Rechnungen"
Vielleicht noch mehr Meer-Schummelei? In “Alte Rechnungen” wollte sich der Lissaboner Anwalt Eduardo Silva (Jürgen Tarrach) an Unterweltboss Tiago Zarco (André Gago) rächen. Foto: ARD Degeto/Armando Claro

 

Es sei üblich bei Dreharbeiten, dass man für den Film besonders attraktive Locations auswähle. „Und auch die gesamte Drehlogistik – die häufig sehr kompliziert ist – spielt bei der Suche nach den entsprechenden Drehorten eine wichtige Rolle“, so Tettenborn. Alles müsse hier miteinander verzahnt werden. Warum der Tejo keine vergleichbar guten Bilder hergegeben hätte, dazu sagte Tettenborn nichts. Die Schummelei hätte zudem ja auch mit einer kleinen Einblendung „In der Nähe von Lissabon“ offen sichtlich gemacht werden können. Dieses Mittel wird selbst bei fiktionalen Stoffen eingesetzt, etwa bei Rückblenden mit Hinweisen wie „Wenige Tage zuvor“.

 

Schummelei auch bei einer Striptease-Szene

 

Vidina Popov bekommt es im Lissabon-Krimi mit der Polizei zu tun
Gesteht Schummelei: Vidina Popov, Hauptdarstellerin in den Lissabon-Krimis der ARD, hier von der Film-Polizei in Handschellen gelegt. Foto: ARD Degeto/Armando Claro

 

Eine weitere Schummelei hatten die Macher der Donnerstags-Krimis in der ARD bereits eingestanden. Es geht um die Striptease-Szene im selben Film „Der Tote in der Brandung“. Der Zuschauer gewinnt aus dem visuellen Zusammenhang den Eindruck, sie spiele in der Lissaboner Bar „Viking“. Doch da räkeln sich junge, spärlich bekleidete Damen gar nicht an Stangen, wie es der Film suggerierte. Das augenzwinkernde Eingeständnis der Schummelei kommt von Vidina Popov (25), die in den Lissabon-Krimis die Assistentin Marcia Amaya des ermittelnden Anwalts Eduardo Silva (verkörpert von Jürgen Tarrach) spielt. Ihre Beichte kann in unserem Artikel „Vidina Popov lüftet Lissaboner Striptease-Geheimnis“ abgenommen werden.

Die beiden Krimis können bis 7. bzw. 14. Juli 2018 noch in der ARD-Mediathek angeschaut werden:

“Der Tote in der Brandung”: http://www.ardmediathek.de/tv/Filme/Der-Lissabon-Krimi-Der-Tote-in-der-Bran/ONE/Video?bcastId=27258646&documentId=51456014

“Alte Rechnungen”: http://www.ardmediathek.de/tv/Filme/Der-Lissabon-Krimi-Alte-Rechnungen/ONE/Video?bcastId=27258646&documentId=51643794

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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