Silva: Algarve konkurriert nicht mit Türkei

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Desi­dé­rio Sil­va, Prä­si­dent des regio­na­len Ver­bands „Turis­mo do Algar­ve“ (RTA), hat der Redak­ti­on „Algar­ve für Ent­de­cker“ auf der Inter­na­tio­na­len Tou­ris­mus­bör­se ITB 2018 in Ber­lin ein aus­führ­li­ches Exklu­siv-Inter­view gege­ben. Dabei blieb Sil­va auch auf heik­le Fra­gen rund um die Ver­kehrs- und Gesund­heits-Infra­struk­tur sowie zu den umstrit­te­nen Ölbohr­plä­nen kei­ne Ant­wort schul­dig. Klar­text sprach Sil­va zudem zu den The­men Kon­kur­renz und Prei­se.

Fra­ge: Das Image der Algar­ve ist gut. Es wird ja auch stark bewor­ben. Urlau­ber kau­fen aber kein Image, son­dern ein Pro­dukt. Hat die Algar­ve genü­gend gut defi­nier­te Pro­dukt-Pake­te, die ein rei­se­wil­li­ger Tou­rist erwer­ben kann?

Sil­va: Gegen­wär­tig bie­tet die Algar­ve eine Viel­zahl von Packa­ges an, die neben dem Auf­ent­halt auch Akti­vi­tä­ten in der Regi­on beinhal­ten. Zu den Ange­bo­ten, wel­che die blo­ße Unter­kunft ergän­zen, zäh­len u.a. Unter­neh­mun­gen in der Natur, Rad- und Wan­der­pro­gram­me, Kul­tur­rou­ten sowie Well­ness­pro­gram­me. Beson­ders hin­wei­sen möch­te ich auf unser Pro­jekt “Algar­ve Coo­king Vaca­ti­ons”: Es beruht auf aus­ge­ar­bei­te­ten drei- bis sie­ben­tä­gi­gen Gour­met- und Wein­rei­sen, bei denen Koch­kur­se, der Besuch von Wein­kel­le­rei­en und Wein­gü­tern, Ver­kos­tun­gen und ande­re Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten auf dem Pro­gramm ste­hen.

Fra­ge: Die Zahl aller Urlaubs­gäs­te und Über­nach­tun­gen an der Algar­ve nahm 2017 um jeweils gut fünf Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr zu. Die Ein­nah­men wuch­sen aber um gut 13 Pro­zent und über­schrit­ten die Sum­me von einer Mil­li­ar­de Euro. Das deu­tet auf deut­li­che Preis­er­hö­hun­gen hin. Kann sich die Algar­ve ange­sichts der Wett­be­werbs­si­tua­ti­on sol­che Preis­er­hö­hun­gen auf Dau­er leis­ten?

 

Silva ist der Präsident des Tourismusverbands RTA der Algarve
Desi­dé­rio Sil­va, Prä­si­dent des regio­na­len Ver­bands „Turis­mo do Algar­ve“ (RTA). Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Silva: Algarve punktet mit Qualität und Sicherheit

 

Sil­va: Im Ver­gleich mit ande­ren Kon­kur­renz­des­ti­na­tio­nen wie bei­spiels­wei­se der Tür­kei, Ägyp­ten oder Tune­si­en wird die Algar­ve nie mit­hal­ten kön­nen, was das Preis­ni­veau anbe­trifft. Dafür punk­tet die Regi­on mit ande­ren, sehr wich­ti­gen Vor­zü­gen, die eine gro­ße Anzie­hungs­kraft auf Tou­ris­ten aus­üben, wie z.B. Qua­li­tät und Sicher­heit. Aus die­sem Grund hal­te ich eine sol­che Preis­stei­ge­rung mit­tel- und lang­fris­tig für ver­tret­bar.

Fra­ge: Auf die Algar­ve ent­fie­len 2017 rund 30 Pro­zent der Gesamt­um­sät­ze des Tou­ris­mus in Por­tu­gal bei nur zwan­zig Pro­zent Anteil an den Gäs­ten. Wie beur­tei­len Sie die­ses Ver­hält­nis?

Sil­va: Wir spre­chen hier von zwei Indi­ka­to­ren, die völ­lig unter­schied­li­che Berei­che umfas­sen. Der ers­te bezieht sich auf die Über­nach­tungs­zah­len. Die Algar­ve ver­zeich­ne­te im ver­gan­ge­nen Jahr 19 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen, was einem Markt­an­teil von 33,1 Pro­zent an der Gesamt­über­nach­tungs­zahl in Por­tu­gal ent­spricht. Dem gegen­über ste­hen 4,1 Mil­lio­nen Gäs­te, die die Algar­ve besucht haben und einen Anteil von 20 Pro­zent an der Gesamt­be­su­cher­zahl auf natio­na­ler Ebe­ne aus­ma­chen. Die­se Zah­len unter­mau­ern die Rol­le der Algar­ve als Urlaubs­re­gi­on Num­mer eins in Por­tu­gal.

Fra­ge: 79 Pro­zent aller Über­nach­tun­gen an der Algar­ve sind auf Aus­län­der zurück­zu­füh­ren. Wie bewer­ten Sie die beson­de­re Bedeu­tung der Urlau­ber aus dem Nach­bar­land Spa­ni­en?

Sil­va: 2017 lag Spa­ni­en als Ent­sen­der­markt auf Platz 7, was die Algar­ve betrifft. Unse­re Regi­on regis­trier­te 890.000 Über­nach­tun­gen von spa­ni­schen Besu­chern; das bedeu­tet einen Zuwachs von 6,9 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr. Auf­grund sei­ner Nähe stellt Spa­ni­en für die Algar­ve einen stra­te­gi­schen Markt dar, der eher für Kurz­auf­ent­hal­te außer­halb der Hoch­sai­son und für spe­zi­el­le Ver­an­stal­tun­gen wie etwa die Algar­ve Natu­re Week gewon­nen wer­den kann.

 

Silva und Godinho repräsentieren den Algarve- und Portugal-Tourismus
RTA-Prä­si­dent Desi­dé­rio Sil­va (2.v.l) mit Tou­ris­mus-Staats­se­kre­tä­rin Ana Godin­ho auf einer Tagung von Hotel­di­rek­to­ren. Foto: Nau

 

Fra­ge: Wan­dern und Rad­fah­ren sind zwei Fel­der, auf denen die Algar­ve mehr Aktiv-Urlau­ber anzie­hen will. Das hat auch mit der Ent­zer­rung der Hoch­sai­son zu tun. Wel­che Ver­bes­se­run­gen am Netz von Wan­der- und Rad­fahr­we­gen sind Ihrer Mei­nung nach noch not­wen­dig und wann sind sie zu erwar­ten?

 

Silva: Investieren verstärkt in Rad- und Wanderwege

 

Sil­va: Rad­fah­ren und Wan­dern sind zwei Markt­seg­men­te, die für die Algar­ve von stra­te­gi­scher Bedeu­tung sind, bie­tet die Regi­on doch alle Vor­aus­set­zun­gen, um mit dem Rad oder zu Fuß erkun­det zu wer­den. Beson­ders seit 2016 ist deut­lich zu bemer­ken, dass die Algar­ve ver­stärkt in die Ver­bes­se­rung der Weg­stre­cken inves­tiert, bei­spiels­wei­se mit­tels neu­er Mar­kie­run­gen und der Erstel­lung von neu­em Kar­ten­ma­te­ri­al. Vor kur­zem wur­den eini­ge wich­ti­ge Arbei­ten am Küs­ten­rad­weg (Eco­via do Lito­ral) durch­ge­führt, ande­re sind geplant. Die Regi­on setzt dar­auf, die Unter­neh­men dabei zu unter­stüt­zen, rad­fah­rer- und wan­de­rer­freund­lich zu wer­den. Ein Bei­spiel dafür ist der Flug­ha­fen Faro, an dem eine Rad­werk­statt ein­ge­rich­tet wur­de, um den Rad­fah­rern den best­mög­li­chen Ser­vice bie­ten zu kön­nen.

Fra­ge: Von der neu­en Lei­te­rin des Kul­tur­pro­gramms 365 Algar­ve ist zu lesen, dass sie künf­tig auch mehr aus­län­di­sche Resi­den­ten und Urlau­ber anspre­chen will. Wel­chen Cha­rak­ter müss­ten Ihrer Mei­nung nach Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen an der Algar­ve haben, um ver­stärkt auch aus­län­di­sche Urlau­ber zu Kurz­ur­lau­ben in die Regi­on zu locken? Wie vie­le sol­cher Events soll­te es geben und wie wich­tig ist Ihnen Wir­kung in aus­län­di­schen Medi­en?

Sil­va: Vor­ran­gi­ges Ziel des Pro­gramms 365 Algar­ve ist es, das bereits bestehen­de tou­ris­ti­sche Ange­bot in der Regi­on zu ver­bes­sern und das Gebiet auf­zu­wer­ten. 365 Algar­ve stellt eine her­vor­ra­gen­de Mög­lich­keit dar, das künst­le­ri­sche und kul­tu­rel­le Schaf­fen an der Algar­ve wäh­rend der Neben­sai­son anzu­re­gen und zu för­dern und so ein neu­es Publi­kum zu gewin­nen, das sich sowohl aus der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung als auch aus natio­na­len und inter­na­tio­na­len Tou­ris­ten zusam­men­setzt, die die Regi­on besu­chen. Statt ande­re Ver­an­stal­tungs­ar­ten zu för­dern, besteht unse­re Maß­nah­me dar­in, in ande­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le zu inves­tie­ren, mit denen die aus­län­di­schen Tou­ris­ten bes­ser erreicht wer­den kön­nen, und gezielt auf die Anspra­che spe­zi­ell die­ses Publi­kums zu set­zen. Wir sind dabei, eini­ge Ände­run­gen vor­zu­neh­men, die es uns ermög­li­chen wer­den, die Sicht­bar­keit und die Klicks im Publi­kum zu erhö­hen.

 

Silva: TAP muss mehr Algarve-Direktflüge anbieten

 

Silva kritisiert TAP wegen schlechter Faro-Verbindungen an die Algarve
TAP misst dem Faro-Anflug zu wenig Bedeu­tung bei, sagt Desi­de­rio Sil­va. Foto: ANA/CCDR

 

Fra­ge: Der Flug­ha­fen der Algar­ve, Faro, wird von der por­tu­gie­si­schen Flug­ge­sell­schaft TAP rela­tiv schlecht bedient. Glau­ben Sie, dass sich unter dem neu­en Top-Manage­ment dar­an bald etwas ändern wird?

Sil­va: TAP hat es bis­lang ver­säumt, der Algar­ve die stra­te­gi­sche Bedeu­tung bei­zu­mes­sen, die sie mit ihrem Anteil von annä­hernd 40 Pro­zent an den Tou­ris­mus­ein­nah­men des Lan­des für die por­tu­gie­si­sche Tou­ris­mus- und Wirt­schafts­bran­che hat. 2017 zähl­te der Flug­ha­fen Faro 8,7 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re, aber TAP hat­te nur einen Anteil von drei Pro­zent am Gesamt­auf­kom­men. Was die Regi­on benö­tigt, sind mehr Direkt­flü­ge und eine Ver­kür­zung der War­te­zei­ten bei den Zwi­schen­stopps in Lis­sa­bon. Es ist Auf­ga­be von TAP, die Maß­nah­men zu ergrei­fen, die not­wen­dig sind, um die­se Zie­le zu ver­wirk­li­chen und die Bedeu­tung der Regi­on und ihrer Wirt­schafts­kraft end­lich so zu wür­di­gen, wie es ihr zusteht.

Fra­ge: 2017 war über­schat­tet von der Plei­te der Flug­ge­sell­schaf­ten Mon­arch (ein wich­ti­ger Car­ri­er für die Algar­ve) und Air­ber­lin. Rech­nen Sie mit Schwie­rig­kei­ten wei­te­rer Bil­lig-Air­lines, die Faro anflie­gen?

Sil­va: Wir hof­fen, dass die Insol­ven­zen der Flug­ge­sell­schaf­ten Mon­arch und Air Ber­lin Ein­zel­fäl­le blei­ben.

 

Silva: Bahnverbindungen verbessern sich bis 2021

 

Silva kritisiert mangelnde Bahnanbindung des Algarve-Flughafens Faro
In wei­ter Fer­ne: Eine Bahn­an­bin­dung des Flug­ha­fens Faro ist vor­erst nicht in Sicht. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Fra­ge: Blei­ben wir kurz am Flug­ha­fen. Er ist mit dem Schie­nen­netz der Algar­ve nicht unmit­tel­bar ange­bun­den. Wann wird sich an die­sem Zustand end­lich etwas ändern?

Sil­va: Die Zug­ver­bin­dun­gen an der Algar­ve sind von gro­ßer Bedeu­tung für den Tou­ris­mus und die regio­na­le Wirt­schaft. Die Moder­ni­sie­rung der Bahn­stre­cke wird den Pas­sa­gie­ren das Rei­sen inner­halb der Algar­ve und ins Nach­bar­land erleich­tern. Hier­bei geht es um die Elek­tri­fi­zie­rung der gesam­ten Stre­cke sowie die drin­gend benö­tig­te Anbin­dung an den Flug­ha­fen Faro, wodurch der Trans­port von Waren bis an den Flug­ha­fen und die Beför­de­rung der vie­len Tau­send Tou­ris­ten, die per Flug­zeug anrei­sen, sicher­ge­stellt wer­den. Die Arbei­ten an der Bahn­li­nie sol­len bis 2021 abge­schlos­sen sein; war­ten wir also ab.

Fra­ge: Ein ande­res Ärger­nis für Urlau­ber ist das sehr kom­pli­zier­te Maut­sys­tem auf der A 22. Zwar waren die Gebüh­ren zunächst etwas gesenkt wor­den, sind aber jetzt auf bestimm­ten Teil­stre­cken wie­der ange­ho­ben wor­den. Eini­ge Poli­ti­ker befür­wor­ten die Abschaf­fung der Maut. Was ist Ihre Hal­tung?

 

Silva: Mautsystem und Gebühren überarbeiten!

 

Sil­va: Seit mei­nem Amts­an­tritt im Jahr 2012 habe ich mich stark gemacht für die Abschaf­fung der Maut­ge­büh­ren auf unse­rer Auto­bahn A22, wel­che die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Regi­on als Tou­ris­mus­de­sti­na­ti­on stark behin­dert haben. Die gute Erreich­bar­keit einer Desti­na­ti­on zählt zu den grund­le­gen­den Vor­aus­set­zun­gen für deren tou­ris­ti­sche Attrak­ti­vi­tät. Nie­mand will sei­nen Urlaub in einem Feri­en­ge­biet ver­brin­gen, in dem er vor der Ein­rei­se dadurch auf­ge­hal­ten wird, dass er sich erst über die Zah­lungs­mo­da­li­tä­ten für die Ent­rich­tung der elek­tro­ni­schen Maut infor­mie­ren muss, weil die ent­spre­chen­den Hin­weis­schil­der an der Gren­ze unver­ständ­lich sind. Das Maut­sys­tem und die Gebüh­ren müs­sen über­ar­bei­tet wer­den, damit der Tou­ris­mus­strom unge­hin­dert flie­ßen kann und die Zufrie­den­heit unse­rer Gäs­te gewähr­leis­tet ist.

Fra­ge: Das Jahr 2017 war geprägt durch viel Son­nen­schein, aber auch durch eine extre­me Tro­cken­heit. Wie wird es 2018 mit der Was­ser­ver­sor­gung an der Algar­ve aus­se­hen? Wie wird der Was­ser­ver­schwen­dung ent­ge­gen­ge­tre­ten?

Sil­va: Die Tro­cken­heit hat das gan­ze Land heim­ge­sucht, aber das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Águ­as do Algar­ve hat kürz­lich ver­laut­ba­ren las­sen, dass die Ver­sor­gung der Bewoh­ner und Besu­cher der Algar­ve mit Was­ser im lau­fen­den Jahr sicher­ge­stellt ist. Das bedeu­tet aller­dings nicht, dass wir dem ver­schwen­de­ri­schen Umgang und dem erhöh­ten Ver­brauch die­ses kost­ba­ren Gutes Vor­schub leis­ten kön­nen. Es ist viel­mehr uner­läss­lich, dass wir alle mit die­ser auch für den Tou­ris­mus so wert­vol­len Res­sour­ce ver­ant­wor­tungs­voll und spar­sam umge­hen. In die­sem Sin­ne müs­sen Beher­ber­gungs­be­trie­be, Ver­an­stal­ter, Ein­hei­mi­sche und Tou­ris­ten für ein bewuss­tes Ver­brauchs­ver­hal­ten und den spar­sa­men Was­ser­kon­sum sen­si­bi­li­siert wer­den.

Silva: Dringender Handlungsbedarf im Gesundheitssystem

 

Fra­ge: In Spit­zen­zei­ten des Tou­ris­mus gibt es offen­bar immer wie­der beson­ders gro­ße Pro­ble­me mit dem Ret­tungs­dienst und der Gesund­heits­ver­sor­gung an der Algar­ve. Es man­gelt an Ärz­ten, Kran­ken­schwes­tern und ande­rem Per­so­nal und Aus­rüs­tung. Wie soll­te das Ver­trau­en der Urlau­ber in eine funk­tio­nie­ren­de Not­fall-Ver­sor­gung gestärkt wer­den?

Sil­va: Das Ver­trau­en der Tou­ris­ten lässt sich auf­bau­en, indem man die Qua­li­tät und Effi­zi­enz der Gesund­heits­ein­rich­tun­gen unter Beweis stellt. Feh­len­de Qua­li­tät löst bei Resi­den­ten und Tou­ris­ten Besorg­nis aus und stellt eine Bedro­hung für die Desti­na­ti­on dar; aus die­sem Grund ist es drin­gend erfor­der­lich, dass sich die Regie­rung mit der Situa­ti­on der regio­na­len Gesund­heits­ein­rich­tun­gen befasst und sofor­ti­ge Maß­nah­men ergreift, um die Kran­ken­häu­ser und Gesund­heits­zen­tren mit den not­wen­di­gen Gerä­ten und aus­rei­chen­dem Per­so­nal aus­zu­stat­ten, damit die Pati­en­ten ange­mes­sen behan­delt wer­den kön­nen. Aber nicht nur die Tou­ris­mus­wirt­schaft hat einen Anspruch auf eine leis­tungs­fä­hi­ge und huma­ne medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung; in ers­ter Linie stellt sie ein Grund­recht der Bewoh­ner und Besu­cher der Algar­ve dar.

Silva betont Rolle der Gastronomie und des Weins für Algarve
RTA-Prä­si­dent Desi­de­rio Sil­va setzt auf Gas­tro­no­mie und Wein als zusätz­li­che Besu­cher­ma­gne­ten für die Algar­ve. Foto: CVA

Fra­ge: Müs­sen Gäs­te, wel­che 2018 die West­küs­te der Algar­ve und des Alen­te­jo besu­chen wol­len, damit rech­nen, dass es 45 Kilo­me­ter vor Alje­zur zu Test­boh­run­gen auf der Suche nach Öl kom­men wird?

Sil­va: Ich hof­fe ernst­haft, dass die Regie­rung die Ver­trä­ge über Ölboh­run­gen und die För­de­rung von Öl in der Regi­on kün­digt und damit die­sem Vor­ha­ben an der Cos­ta Vicen­ti­na eine end­gül­ti­ge Absa­ge erteilt. Die Algar­ve ist ein Rei­se­ziel, in dem Natur und Öko­lo­gie eine sehr gro­ße Rol­le spie­len, und sol­che Ein­grif­fe, die die Umwelt schä­di­gen und ver­schmut­zen, könn­ten die Zukunft und die Nach­hal­tig­keit der Desti­na­ti­on gefähr­den.

Fra­ge: Die Algar­ve ist mit ihrem Golf-Pro­dukt erfolg­rei­cher als die meis­ten ande­ren Golf-Desti­na­tio­nen der Welt. Golf-Spie­ler stre­ben zu Zei­ten an die Algar­ve, in denen die Bade­gäs­te sie ver­las­sen. Wel­che ande­ren Mit­tel gibt es, um die Schul­ter- und Neben-Sai­son zu stär­ken?

Sil­va: Die Algar­ve hat unzäh­li­ge tou­ris­ti­sche Rei­ze zu bie­ten – ange­fan­gen bei den Pro­duk­ten “Son­ne und Meer” und “Gas­tro­no­mie und Wei­ne” über die brei­te Palet­te an Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten im Frei­en bis hin zum rei­chen Kul­tur­er­be, der Natur, den Wan­der- und Rad­we­gen und vie­lem mehr. Und es gibt unzäh­li­ge Grün­de, war­um Tou­ris­ten aus dem In- und Aus­land die Algar­ve besu­chen und sich für die Regi­on begeis­tern soll­ten.

Fra­ge: Wenn aber im Dezem­ber und Janu­ar nur rund die Hälf­te der Bet­ten­ka­pa­zi­tät von Hotels bereit­steht, ist die Aus­wahl für Tou­ris­ten stark ein­ge­schränkt. Wel­chen Anreiz brau­chen Hotels, um mög­lichst durch­ge­hend geöff­net zu haben? Das ist ja auch für die Beschäf­tig­ten wich­tig.

 

Silva: Algarve wird ganzjähriges Reiseziel

 

Sil­va: Glück­li­cher­wei­se voll­zieht sich gera­de ein Wan­del: Immer mehr Hotels blei­ben auch wäh­rend der Win­ter­mo­na­te geöff­net. Und nur so wird es mög­lich sein, die Algar­ve als ganz­jäh­ri­ges Rei­se­ziel zu eta­blie­ren. Wenn wir den Tou­ris­mus außer­halb der Hoch­sai­son ankur­beln wol­len, müs­sen wir garan­tie­ren kön­nen, dass den Rei­sen­den auch Hotels, Restau­rants, Aus­flugs­an­bie­ter usw. in aus­rei­chen­dem Maß zur Ver­fü­gung ste­hen.

Fra­ge: Hotel­le­rie und Gas­tro­no­mie an der Algar­ve kön­nen schon jetzt kaum den Bedarf an Arbeits­kräf­ten decken. Was muss aus Ihrer Sicht gesche­hen?

Sil­va: Im gan­zen Land gibt es eine gro­ße Nach­fra­ge nach qua­li­fi­zier­tem Hotel­per­so­nal. Wir müs­sen die Beru­fe im Gas­tro­no­mie­ge­wer­be auf­wer­ten, für ange­mes­se­ne Aus­bil­dungstan­dards sor­gen und auf die Requa­li­fi­zie­rung von Arbeits­lo­sen set­zen.

Fra­ge: Die Algar­ve-Hotels stei­gern ihre Durch­schnitts­er­trä­ge pro ver­füg­ba­rem Zim­mer Jahr für Jahr stark. Sie haben etwa das Niveau des Jah­res 2000 erreicht. Besteht die Gefahr, dass die Hotels zu stark die Prei­se erhö­hen?

 

Silva stellt Türkei nicht als Preis-Konkurrent der Algarve dar
Mit der Tür­kei kon­kur­rie­ren wir preis­lich nicht, sagt der Prä­si­dent des Algar­ve-Tou­ris­mus­ver­bands auf der ITB Ber­lin. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

 

Sil­va: Ich den­ke, dass das zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt kein Pro­blem dar­stellt. Der Zim­mer­preis ent­spricht der ange­bo­te­nen Qua­li­tät. In Por­tu­gal wur­den lan­ge Zeit Prei­se ver­langt, die weit unter einem für Euro­pa rea­lis­ti­schen Niveau lagen. Und ich beto­ne noch ein­mal: die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Algar­ve basiert nicht auf dem Preis, son­dern auf der Qua­li­tät.

Fra­ge: Spie­len wir ein Sze­na­rio durch: Die Bri­ten und die Deut­schen keh­ren 2018 wie­der ver­stärkt zu Bil­lig­zie­len in Nord­afri­ka und in die Tür­kei zurück. Was pas­siert dann hier an der Algar­ve? Für wie rea­lis­tisch oder unrea­lis­tisch hal­ten Sie solch ein Sze­na­rio?

Sil­va: Wie bereits erwähnt kann die Algar­ve, was den Preis betrifft, mit gewis­sen ande­ren Desti­na­tio­nen wie Nord­afri­ka oder der Tür­kei nicht kon­kur­rie­ren. Aber zur Zeit sind den Tou­ris­ten ande­re Fak­to­ren, z.B. Qua­li­tät und Sicher­heit, wich­ti­ger. Und die Algar­ve kann bei­des gewähr­leis­ten.

 

Hin­weis der Redak­ti­on: In Kür­ze brin­gen wir ein Gespräch mit der Geschäfts­füh­re­rin der Aus­lands­pro­mo­ti­on-Agen­tur der Algar­ve, Dora Coel­ho, das wir eben­falls auf der ITB 2018 in Ber­lin führ­ten. In meh­re­ren wei­te­ren Bei­trä­gen haben wir bereits von der Inter­na­tio­na­len Tou­ris­mus­bör­se berich­tet:

Lesen Sie zum Bei­spiel unser Inter­view mit Tou­ris­mus-Staats­se­kre­tä­rin Ana Godin­ho unter dem Titel "Por­tu­gal bleibt für Urlau­ber aus Deutsch­land inter­es­sant".

Wel­che Mei­nung die Hotel­ver­bands-Prä­si­dent Eli­dé­ri­co Vie­gas zum Algar­ve-Tou­ris­mus und sei­ner Zukunft haben, kön­nen sie im Arti­kel "ITB: Algar­ve-Hote­liers froh und besorgt" nach­le­sen.

 

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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