Notfall am Algarve-Flughafen – als Übung

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Algarve-Reisende sollten sich am frühen Morgen des 20. März nicht über viele Feuerwehr-, Polizei- und Rettungs-Wagen am Flughafen Faro wundern: Der Airport führt am letzten Tag des Winters eine umfassende Sicherheitsübung durch. Der simulierte Notfall ist ein Flugzeugabsturz. Zum gewählten Zeitpunkt der Übung starten und landen in Wirklichkeit jedoch gar keine Flieger…

Denn los geht es zu nachtschlafender Zeit um 0:15 Uhr. Bis um 3 Uhr sollen im Bereich des Flughafens die planmäßigen Rettungsmaßnahmen in einem solchen schlimmen Notfall geprobt werden. Beteiligt sind mehrere Organisationen. Dazu gehören alle Flughafendienste, die Sicherheitskräfte und die Bodenabfertigung genauso wie die verschiedenen externen Organisationen des kommunalen und regionalen Zivilschutzes. Ebenso sind die Feuerwehr, die öffentlichen Gesundheitsdienste und weitere zivile und militärische Behörden einbezogen.

 

Notfall Übung nachts auf dem Algarve-Flughafen Faro
Notfall-Übung am letzten Wintertag kurz nach Mitternacht: Der Flughafen Faro will keine Medien dabei haben. Foto: FB

 

Notfall wird geübt, wenn Flughafen völlig leer ist

 

„Die Durchführung dieser Art von Übung ist obligatorisch für die Aufrechterhaltung der Flughafen-Zulassung. Sie hat eine Mindesthäufigkeit von zwei Jahren und wird von der nationalen Zivilluftfahrtbehörde ANAC überwacht“, schreibt die Flughafenverwaltung in einer Mitteilung. Anschließend soll die Wirksamkeit aller lebensrettenden Maßnahmen bei einem Notfall mit einem Flugzeugunglück dieser Dimension bewertet werden.

„Die Übung steht den Medien nicht offen“, heißt es zum Abschluss der Mitteilung. Damit soll offenbar verhindert werden, dass realistisch wirkende Bilder von der Notfall-Übung verbreitet werden. Kritiker weisen darauf hin, dass eine Übung im verkehrsschwachen Winter, an einem flugarmen Wochentag und im Zeitfenster von Mitternacht bis drei Uhr morgens kaum realistische Ergebnisse liefern kann. Der Flughafen und seine Zufahrtstraßen sind dann praktisch nicht frequentiert: Zum Zeitpunkt des simulierten Notfalls kommt laut Plan weder ein Flug in Faro an, noch startet einer…

Dies sind laut heute auf der Webseite veröffentlichtem Flugplan die letzten beiden Ankünfte am 19. März und die ersten am 20. März auf dem Flughafen Faro:

Notfall Übung am Algarve-Flughafen von Faro
Quelle: ANA

Und das sind die letzten beiden Starts am 19. März und die ersten am 20. März:

Notfall Übung am Algarve-Flughafen Faro ohne Verkehr
Quelle: ANA

Gleichzeitig, und das ist verständlich, dürfte der Zeitraum der Übung für den Notfall Flugzeugabsturz so gewählt worden sein, dass es möglichst wenig Behinderungen im Reiseverkehr gibt. Dass die Aktion nicht gerade am Vormittag eines Ferienwochenendes durchgeführt wird, leuchtet ein. Aber etwas mehr Alltagsnähe hätten schon sein können.

 

Der Notfall wird ohne Medienbeteiligung geübt

 

Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Algarve-Flughafen unter starker Beobachtung durch die Medien sein neues Terminal eingeweiht. Wir berichteten darüber in unserem Artikel „Damit überrascht der Flughafen Faro jetzt Algarve-Urlauber“. Das für fast 33 Millionen Euro renovierte Terminal ist nun größer. Die Abfertigung kann schneller stattfinden. Zudem gibt es einen erweiterten und modernisierten Bereich für Läden und Gastronomie. Hier hatte es sieben Jahre lang praktisch keine Veränderungen gegeben.

Das waren die wesentlichen Neuerungen:

  • Neuer Bereich für Sicherheitskontrollen im 1. Stock, der vom Check-in-Sektor abgetrennt ist
  • Verdreifachte Fläche für Sicherheitskontrollen, 17 statt 11 Stationen für Sicherheits-Checks
  • Ein neues Abfertigungssystem ermöglicht statt 2.400 nun 3.000 Personen pro Stunde das Ein- und Aussteigen
  • Die Kapazitätserweiterung erlaubt es, statt bislang 24 nun bis zu 30 Starts und Landungen pro Stunde abzuwickeln. Das Vorfeld hat jetzt 37 statt 30 Parkpositionen

 

Flughafen Faro: Nach wie vor Baustelle

 

Bei der Eröffnung ging Flughafendirektor Alberto Mota Borges noch davon aus, dass „bis August noch ein paar Arbeiten an den Gewerbeflächen zu erledigen sind“. Aber selbst im März 2018 laufen noch einige Bauarbeiten, wie jeder sehen kann, der den Algarve-Airport nutzt.

Nach wie vor gibt es mindestens acht Unzulänglichkeiten des Flughafens Faro, die aus Sicht der Fluggäste ärgerlich sind:

Notfall Übung am Algarve-Flughafen Faro mit seinen Schildern in schlechtem Deutsch
Hier ist kein Flugzeug verunglückt, sondern die Übersetzung ins Deutsche… Foto: Hans-Joachim Allgaier
  1. Es wird neun Monate nach der Eröffnung immer noch an Zugängen zum Terminal gearbeitet. Zumindest hat aber seit einigen Wochen schon das geplante Restaurant auf dem Vorplatz geöffnet.
  2. Auch im Inneren des Terminals wird bei laufendem Betrieb an einigen Stellen immer noch weiter gebaut.
  3. Das Online-Buchungssystem der Flughäfen-Parkplätze akzeptiert Reservierungen für P3 selbst dann, wenn die gewünschte preiswerteste Stellfläche bereits voll ist. Der Fluggast muss umständliche Dialoge an der Funksäule der Schranke oder am Kiosk der Parkplatzverwaltung führen, bis er das Auto abstellen oder mit ihm den Parkplatz verlassen kann.
  4. Nach dem Einchecken bei Billigfliegern (70 Prozent des Verkehrsaufkommens von Faro) müssen Passagiere weite Wege, zum Teil hinter Abfertigungsschaltern entlang, zurücklegen und mit Rolltreppe und Lift in die erste Etage fahren, um dort zu den Sicherheitskontrollen zu gelangen. Später geht es auf dem Weg zu den Abfluggates wieder eine Etage nach unten und – ja nach Warteraum – erneut noch einmal nach oben – ein ziemlicher Hürdenlauf, vor allem mit Handgepäck.
  5. Mangels guter Wegweiser wissen unerfahrene Fluggäste nach der Trennung in Schengen- und Nicht-Schengen-Flüge oft nicht, wie sie zu den Abfluggates der Nicht-Schengen-Flüge gelangen sollen. Manche irren am Restaurant vor der Rolltreppe zum Abgang orientierungslos hin und her.
  6. Selbst bei geringem Passagiervolumen lassen Sicherheitskräfte vor den Kontrollstationen die Gäste oft einen „Slalom“ laufen, statt die Wege durch direkten, schnellen Zugang zu verkürzen.
  7. Ankommende Passagiere werden beim Verlassen des Terminals nach der Gepäckabholung mit einem Schild verabschiedet, dessen deutsche Aufschrift lächerlich ist. Statt „Nach Verlassen dieser Halle ist keine Rückkehr hierhin möglich“, steht dort wörtlich: „Die passagiere, die den gepäckhalle verlassen haben, dürfen nicht wierder hinein“.
  8. Wann endlich der Flughafen direkt ans Eisenbahnsystem der Algarve angeschlossen wird, ist nicht herauszubekommen. Bis dahin muss, wer keinen Wagen mieten will, mit Bus oder Taxi erst in die Innenstadt von Faro fahren und dann dort umsteigen.

 

Für Algarve-Urlauber, die mit dem Flugzeug nach Faro anreisen, hat „Algarve für Entdecker“ bereits zahlreiche Tipps veröffentlicht. Hier sind einige davon:

Wie Sie „Auf Algarve-Flügen Handgepäck maximieren!“, dieser Beitrag dürfte Passagiere von Billigfluglinien interessieren.

Viele Fluggäste mieten nach der Ankunft ein Auto. Ihnen verrät unser Beitrag „Algarve-Mietwagen: Ärger und Abzocke vermeiden“, wie sie sich Nachteile ersparen.

Vom Flughafen Faro zur Unterkunft: Welches Verkehrsmittel?“ – diese Frage beantworten wir in einem weiteren Artikel mit Tipps und Tricks.

Warum der Anflug des Flughafens Faro selbst für erfahrene Piloten immer ein besonders eindrucksvolles Erlebnis verrät in unserem Beitrag „Eurowings-Flottenchef liebt Faro“ der Pilot Erwin Weixler.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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