Top-Jahr für Body­board-Welt­meis­te­rin Schen­ker

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Joana Schenker wurde 2017 Weltmeisterin auf dem Bodyboard
Welt­meis­te­rin Joana Schen­ker macht auch auf dem Body­board eine gute Figur. Foto: FB/privat

2017 war für die deutsch­stäm­mi­ge Joana Schen­ker von der Algar­ve ein Top-Jahr: Anfang Okto­ber surf­te die 30-Jäh­ri­ge aus Sag­res (Kreis Vila do Bis­po) auf ihrem Body­board zum Welt­meis­ter-Titel. Das Maga­zin Sur­fer Today ernann­te Schen­ker soeben zu einem von vier „Ath­le­tes of the Year”. Und die por­tu­gie­si­sche Aus­ga­be der Zeit­schrift GQ hob die hüb­sche Blon­de aufs Titel­blatt. Wir spra­chen mit der Sport­le­rin über ihr Erfolgs­ge­heim­nis und ihre Plä­ne.

Wer sie zum ers­ten Mal trifft, ist spon­tan geneigt, sie für ein schwe­di­sches Foto­mo­dell zu hal­ten: Schlan­ke, ath­le­ti­sche Figur, lan­ge blon­de Haa­re, weiß blit­zen­de Zäh­ne, strah­len­des Lachen. Doch Joana hat sich schon im zar­ten Alter von 13 Jah­ren ganz dem Sur­fen mit dem Body­board ver­schrie­ben. Seit­dem bestim­men das Meer und das schwim­men­de Brett ihr noch jun­ges Leben.

Ihr Freund Fran­cis­co, mit dem sie seit ihrem 15. Lebens­jahr zusam­men ist, wur­de sogar ihr Trai­ner und ist es bis heu­te. Gemein­sam sind sie nun zur Welt­spit­ze vor­ge­drun­gen. „So ein groß­ar­ti­ges Jahr wird schwer zu top­pen sein”, weiß Schen­ker. In 2017 habe sie gelernt, dass dem nichts unmög­lich sei, der sich ein Ziel set­ze, sein Bes­tes tue und sei­nem Instinkt traue: „Dann folgt der Rest von selbst”, so die Welt­meis­te­rin, die neben dem por­tu­gie­si­schen auch den deut­schen Pass besitzt.

 

Fami­lie Schen­ker kam aus Wiehl an die Algar­ve

 

1987 erblick­te sie im Kran­ken­haus von Faro als ers­te von vier Töch­tern der Fami­lie Schen­ker das Licht der Welt. Ihre Eltern, pas­sio­nier­te Welt­rei­sen­de aus Wiehl im Ber­gi­schen Land, hat­ten in einem klei­nen Dorf zwi­schen Vila do Bis­po und Carra­pa­tei­ra ein preis­wer­tes Grund­stück gefun­den und sich dort, in Pedral­va, nie­der­ge­las­sen.

„Ich konn­te in der Kind­heit zusam­men mit mei­nen Schwes­tern vie­les anstel­len in der Natur. Das war ein beson­de­res Geschenk, so auf­zu­wach­sen. Aber als ich ein wenig älter wur­de, kam schon das Gefühl, dass dies ein etwas abge­le­ge­ner Ort war“, bekennt die 30-jäh­ri­ge. Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel gab es damals nicht, die Eltern muss­ten die Mädels immer über­all hin­fah­ren, sogar zum Strand und zu jeder Par­ty.

Im Hau­se Schen­ker wur­de wei­ter Deutsch gespro­chen, obwohl vie­le por­tu­gie­si­sche Bekann­te ein und aus gin­gen. Die Lan­des­spra­che lern­te Joana dann auf der Grund­schu­le. Spä­ter wech­sel­te sie auf das Gym­na­si­um in Lagos. Mit 13 Jah­ren kam sie über den ört­li­chen Ver­ein in Sag­res zum Body­boar­ding.

 

Joana Schenker surft als Bodyboard-Weltmeisterin vor der heimischen Algarve-Küste
In ihrem Ele­ment: Body­board-Welt­meis­te­rin Joana Schen­ker vor der Algar­ve-Küs­te. Foto: Fran­cis­co Pin­hei­ro

Joana Schen­ker star­te­te mit 14 als Body­board-Wett­kämp­fe­rin

 

„Es gab einen klei­nen Mini­bus, der hat alle zu den Wett­kämp­fen gefah­ren“, erin­nert sich die Welt­meis­te­rin an ihre ers­ten sport­li­chen Her­aus­for­de­run­gen. Obwohl sie noch gar nicht gut genug war, um selbst bei den Wett­kämp­fen mit­zu­ma­chen, fuhr Joana mit, um ein­fach dabei zu sein. Im Alter von 14 Jah­ren star­te­te sie bei ers­ten Wett­be­wer­ben, ver­bes­ser­te sich stän­dig und konn­te schließ­lich drei­mal por­tu­gie­si­sche Jugend­meis­te­rin wer­den.

Joana Schenker nutzt als Bodyboard-Weltmeisterin eine besondere Ausrüstung
Eine Wis­sen­schaft für sich: Welt­meis­te­rin Joana Schen­ker hat sich ihr Body­board maß­an­fer­ti­gen las­sen. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Die Strän­de an Por­tu­gals Küs­te kennt sie mitt­ler­wei­le alle in- und aus­wen­dig. „Das Inland ist mir hin­ge­gen so gut wie über­haupt nicht ver­traut. Da bin ich ein biss­chen ein­sei­tig,“ gesteht Schen­ker lächelnd. Ehe sie sich ver­sah, ver­brach­te sie prak­tisch die gan­ze freie Zeit nur noch mit Body­boar­ding. „Ich habe sogar ziem­lich oft die Schu­le geschwänzt, wenn die Wel­len toll waren“, ver­rät sie. Die Mama ent­schul­dig­te die Fehl­stun­den ihrer Toch­ter und die schloss das Abitur nach 12 Jah­ren Gym­na­si­um in Lagos sogar mit 15 von 20 mög­li­chen Punk­ten ab.

„Ich hät­te damit ohne Pro­ble­me gut auf die Uni gehen kön­nen“, weiß Schen­ker. Trotz kri­ti­scher Nach­fra­gen aus ihrem Umfeld ent­schied sie sich statt­des­sen, das Body­boar­ding pro­fes­sio­nell betrei­ben zu wol­len. Eine Ent­schei­dung gegen das gro­ße Geld, denn der Sport fris­tet eine Art Nischen-Dasein in den Medi­en. Das höchs­te Preis­geld, das die amtie­ren­de Welt­meis­te­rin jemals gewann, waren 3.000 US-Dol­lar. Eine Mar­ke für alko­hol­frei­es Bier und die Stadt­ver­wal­tung von Vila do Bis­po unter­stüt­zen die erfolg­rei­che Sport­le­rin als Spon­so­ren. Die Hob­by­kö­chin und Hun­de­hal­te­rin fährt einen älte­ren Klein­wa­gen, wohnt in einem klei­nen Apart­ment über dem Surf­shop der Schwes­ter ihres Freun­des in Sag­res.

 

Welt­meis­te­rin Schen­ker über ihren magi­schen Sehn­suchts­ort

 

Joana Schenker war als Bodyboard-Weltmeisterin auf dem Titel von GQ
Cover-Girl: Body­board-Welt­meis­te­rin Joana Schen­ker. Foto: GQ Por­tu­gal

Joana hat in der Nähe ihrer Woh­nung einen magi­schen Sehn­suchts­ort, zu dem es sie immer wie­der hin­zieht. „Das ist eine Klip­pe in Sag­res, zu der ich jeden Mor­gen fah­re, um die Wel­len anzu­gu­cken“, berich­tet sie. Wenn man sich gut aus­ken­ne und wis­se, wie der Wind ste­he, kön­ne man vor­aus­sa­gen, wie es mit den Wel­len an ande­ren Stel­len der Küs­te aus­se­he. Manch­mal fah­re sie auch rund zwan­zig­mal an die­se Stel­le und schaue immer wie­der nue, ob die auf einem Wind­por­tal im Inter­net ange­kün­dig­ten Wel­len schon ange­kom­men sei­en.

Ihr Lieb­lings­strand ist der von Zavi­al. Es gibt Fotos, die sie schon als vier­jäh­ri­ges Mädel dort zei­gen. „Dort gibt es nicht immer Wel­len, aber wenn sie sie da sind, dann sind das mei­ne Lieb­lings­wel­len“, erzählt Schen­ker. Gute Freun­de von ihr betrei­ben dort ein Restau­rant mit einer schö­nen Ter­ras­se. „Dort ver­brin­ge ich jede Men­ge Zeit“, plau­dert sie frei­mü­tig aus.

In ihrem Hei­mat­ort Sag­res hat Body­boar­ding eine gro­ße Tra­di­ti­on. „Wir haben hier schon seit vie­len Jah­ren zahl­rei­che gute Body­boar­der. Und im Win­ter haben wir hier wirk­lich sehr gute Wel­len, die bes­ten von Euro­pa“, sagt Schen­ker stolz. Die Küs­te sei so aus­ge­schnit­ten, dass die Wel­len zunächst an die Fel­sen pral­len und in der rich­ti­gen Form an den Strand kom­men, um ide­al fürs Body­boar­ding zu sein.

Schen­ker gerät kurz ins Dozie­ren. Sie erläu­tert: „Die Wel­len, die für Body­boar­der und Sur­fer ide­al sind, unter­schei­den sich grund­sätz­lich. Wir Body­boar­der möch­ten ger­ne stei­le­re Wel­len, weil wir ja anders als die Sur­fer nicht auf­ste­hen müs­sen“.

Jeden Tag ist die aus­dau­ern­de Sport­le­rin im Was­ser, liest das Meer der Atlan­tik-Küs­te, surft auf den Wel­len, übt Tricks, die in der Body­boar­der-Spra­che „Moves” hei­ßen.

 

Body­board-Cham­pi­on Schen­ker zum Geheim­nis ihres Erfolgs

 

Weltmeisterin im Bodyboarding Joana Schenker wird gratuliert
Freund und Bekann­te gra­tu­lie­ren im Okto­ber 2017 zum Welt­meis­ter­ti­tel für Joana Schen­ker. Foto: Joao Arau­jo

Was sie so erfolg­reich macht? „Eine schwe­re Fra­ge“, meint die Welt­meis­te­rin. Dann erwähnt sie ihren Trai­nings­ehr­geiz, die guten Übungs­mög­lich­kei­ten, die gro­ße Unter­stüt­zung von Fami­lie und Freun­den.  Schließ­lich platzt es aus ihr her­aus: „Ich will ein­fach rich­tig gut sur­fen. Ich bin super ehr­gei­zig. Das steckt als Dri­ve, als Antriebs­kraft in mir. Ich bin Per­fek­tio­nis­tin in Sachen Body­board. Vor allem im Bereich Tech­nik.“ Wenn sie im Was­ser sei, manch­mal bis zu fünf Stun­den lang, ach­te sie auf klei­ne Details, aufs rich­ti­ge Machen, auf schö­nes Sur­fen. „So als wäre ich eine Bal­le­ri­na, denn Body­boar­ding ist ein ästhe­ti­scher Sport. Der Stil auf dem Brett, auf den kommt es mir an“, unter­streicht die Welt­meis­te­rin.

Seit ihrem zehn­ten Lebens­jahr ist Schen­ker Vege­ta­rie­rin. Seit fünf Jah­ren ernährt sie sich „sogar ziem­lich vegan, eigent­lich“. Das sei ziem­lich gut für ihren Sport, brin­ge Vor­tei­le durch „schö­ne, aus­ge­gli­che­ne Ener­gie und bes­se­re Rege­ne­ra­ti­on”. Beim Trai­ning ste­hen Beweg­lich­keit und Deh­nen oben auf dem Pro­gramm, „um die Moves auf dem Board rich­tig schön machen zu kön­nen. Aber auch, um sich nicht weh zu tun“. Man kön­ne ziem­lich schmerz­haf­te Pro­ble­me bekom­men, wenn man zu steif sei.

 

Schen­ker: Wer zu steif ist, kann sich weh­tun

 

Wie gefähr­lich Body­boar­ding denn sein kön­ne, wol­len wir wis­sen. Schen­ker gibt zu: „Ich war sicher schon in eini­gen Situa­tio­nen, bei denen mir gar nicht bewusst war, wie gefähr­lich die sind. Da haben mich die ande­ren gewarnt und zur Vor­sicht ermahnt“, räumt sie ein. Wenn man aber „eini­ger­ma­ßen weiß, was man beim Body­boar­ding tut, ist es nicht gefähr­lich“, erklärt die 30-Jäh­ri­ge. Aber sie hat bereits Gehirn­er­schüt­te­run­gen erlit­ten, ver­knacks­te sich Rücken­wir­bel, schlug mit dem Gesicht auf den Sand oder gegen eine ande­re Per­son. „Doch ich erlitt kei­ne Brü­che, bekam höchs­tens einen stei­fen Nacken und muss­te eine Man­schet­te tra­gen. Also nichts Schlim­mes. Nach ein paar Tagen war alles wie­der gut“, winkt sie ab.

 

Joana Schenker trainiert Moves vor der Atlantik-Küste der Algarve
Für schö­ne „Moves” beim Body­boar­ding trai­niert Welt­meis­te­rin Joana Schen­ker an der Algar­ve vor allem Beweg­lich­keit. Foto: pri­vat

 

Schen­ker wech­selt zum Posi­ti­ven. Das Meer habe ihr im Leben alle guten Momen­te geschenkt: „Über die gan­zen Jah­re habe ich eine enge Bezie­hung zum Meer auf­ge­baut. Ich habe oft das Gefühl, dass das Meer für mich so etwas ist wie eine Schwes­ter.“ Dann wie­der­um ver­gleicht die Welt­klas­se-Sport­le­rin, die auch in den sozia­len Netz­wer­ken aktiv ist, den Oze­an mit einem Leh­rer: „Er bringt einem wirk­lich sehr vie­le Sachen bei. Das Meer för­dert Mut, Demut, Durch­hal­te­ver­mö­gen, Bestän­dig­keit und vor allem Geduld. Man kann dem Meer nichts sagen. Es macht, was es will. Man kann sich nur anpas­sen und ver­su­chen, es zu lesen.“

In Kür­ze wird Welt­meis­te­rin Joana Schen­ker den Lesern von ” Algar­ve für Ent­de­cker” ver­ra­ten, wor­auf es beim Kauf einer Body­boar­ding-Aus­stat­tung ankommt und wo und wie man an der Algar­ve den Sport erler­nen kann.

Hin­wei­se zum siche­ren Ver­hal­ten an den Küs­ten der Algar­ve haben wir in einem sepa­ra­ten Bei­trag ver­öf­fent­licht.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

2 Gedanken zu „Top-Jahr für Body­board-Welt­meis­te­rin Schen­ker

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