Bundesliga übt Algarve-Abstinenz

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Mitte Dezember haben sich nun alle Mannschaften der ersten Fußball-Bundesliga in Sachen Wintertrainingslager festgelegt. Klar ist: Die Algarve wird diesmal völlig leer ausgehen. Einer der Gründe ist, dass die Hälfte der deutschen Erstliga-Vereine neuerdings das Nachbarland Spanien bevorzugt. Acht weitere Teams bereiten sich daheim auf die Rückrunde vor. Vier von denen hatten noch im vergangenen Winter ebenfalls in Spanien trainiert. Die Türkei scheint weiter von deutschen Profi-Clubs gemieden zu werden, im Gegensatz etwa zu schweizerischen. Auch Florida ist für Bundesligisten „out“.

Beispielsweise gehört RB Leipzig zu den Bundesliga-Mannschaften, die zuhause bleiben wollen. Der Verein hatte noch im Januar im Cascade Resort in Lagos an der West-Algarve trainiert (wir berichteten). Der VfB Stuttgart bestätigte auf Anfrage, nicht nach Lagos zu kommen, wo sich im Januar das damalige Team der zweiten Bundesliga – ebenfalls im Cascade Resort – auf die zweite Saisonhälfte vorbereitet hatte. Stattdessen kicken die Schwaben in der bevorstehenden kurzen Winterpause im spanischen La Manga.

 

Spanien im Januar Hauptreiseziel der Bundesliga-Top Teams

 

Die Bundesliga bevorzugt im Winter 2018 Trainingslager in Spanien
Grafik: Hans-Joachim Allgaier

 

Auch für andere Bundesligisten, die ihr Winter-Trainingslager 2018 im Ausland abhalten, ist Spanien wieder das Hauptreiseziel. Eintracht Frankfurt kündigte bereits an, in Alicante zu üben, der SV Werder Bremen bereitet sich ganz in der Nähe, im benachbarten Algorfa, vor und der FC Schalke 04 wird erneut in Benidorm trainieren. Der VfL Wolfsburg bestätigte, sein Trainingslager im Marbella Football Center abzuhalten. Der FC Augsburg ließ verlauten, auf Teneriffa zu trainieren. Der Hamburger SV wird in Jerez de la Frontera zu finden sein und der SC Freiburg in Sotogrande. Laut einer Fußball-Webseite wird wohl auch Borussia Dortmund wieder nach Andalusien reisen, wie schon im zurückliegenden Winter.

Rekordmeister FC Bayern München fliegt nach eigenen Angabenwieder nach Doha an den Arabischen Golf. Dort will er sich in der Aspire Academy für die zweite Hälfte der Saison präparieren.

 

Im Bundesliga-Winter gibt’s mehr Stalldrang

 

Stalldrang statt Reiselust herrscht dagegen bei acht Bundesligisten. Etwa bei Hannover 96: Die Niedersachsen hatten im vergangenen Winter noch im andalusischen Jerez de la Frontera in Andalusien gekickt. Ebenso der 1. FSV Mainz 05 – im Januar 2017 zu Gast im spanischen Marbella – trainiert diesmal zuhause. Gleiches gilt für die TSG Hoffenheim und den 1. FC Köln, die bereits im Januar auf eigenem Platz in Zuzenhausen und in Köln-Müngersdorf geblieben waren, sowie Nachbar Bayer 04 Leverkusen. Die Werkself war im Januar 2017 noch in Orlando (Florida) gewesen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland bringt es mit sich, dass die Wintertrainingslager auch diesmal nicht gerade leicht zu planen sind. Die Hinrunde der Bundesliga endet Mitte Dezember. Dann herrscht rund vier Wochen lang Winterpause. Anders als zum Beispiel in England und Spanien wird in Deutschland rund ums Weihnachtsfest traditionell kein Profi-Fußball gespielt. Die Rückrunde startet am 12. Januar. Weil die WM naht, will die erste deutsche Liga bereits sehr früh ihre Saison beenden – am 12. Mai.

 

Der Winterfahrplan 2018 der Bundesliga (Stand: 13. Dezember)

 

  • FC Bayern München: 2. bis 7. Januar 2018 in Doha (Katar, wie 2017)

Trainingslager in Spanien halten diese neun Teams der Bundesliga ab:

  • FC Schalke 04: 1. bis 7. Januar in Benidorm (wie 2017)
  • FC Augsburg: 2. bis 7. Januar auf Teneriffa, 2017: Marbella
  • Borussia Dortmund: offiziell noch keine Angaben – inoffiziell: Marbella (wie 2017)
  • Eintracht Frankfurt: 2. bis 7. Januar in Alicante, 2017: Abu Dhabi
  • VfL Wolfsburg: 2. bis 7. Januar in Marbella, 2017: Orlando
  • VfB Stuttgart: 3. bis 9. Januar in La Manga, 2017: Lagos/Algarve
  • Hamburger SV: 1. bis 8. Januar in Jerez de la Frontera, 2017: Dubai
  • SC Freiburg: 2. bis 8. Januar in Sotogrande (wie 2017)
  • SV Werder Bremen: 1. bis 8. Januar in Algorfa (bei Alicante), 2017: Alhaurin el Grande

Kein Trainingslager im Ausland wollen diese acht Bundesliga-Vereine abhalten:

  • RB Leipzig: 2017 Lagos/Algarve
  • Borussia Mönchengladbach: 2017 Marbella
  • Bayer 04 Leverkusen: 2017 Orlando
  • TSG 1899 Hoffenheim: wie 2017
  • Hannover 96*: 2017 Jerez de la Frontera
  • Hertha BSC*: 2017 Mallorca
  • 1. FSV Mainz 05: 2017 Marbella
  • 1. FC Köln*: wie 2017

*haben sich für ein Turnier am 6. Januar in Bielefeld angesagt

 

Algarve-Abstinenz der Bundesliga: Schweigende Verantwortliche

 

Die Reaktionen an der Algarve auf diese 0:9-Niederlage gegen die Sportmarketing-Profis aus Spanien sind entsprechend. João Casimiro, Marketing-Manager des Cascade Wellness & Lifestyle Resort in Lagos, bestätigte, dass weder das Team aus Leipzig noch das aus Stuttgart wieder dort trainieren werden. Obwohl es einige Kontakte zu anderen deutschen Vereinen gegeben habe, sei keine Vereinbarung zustande gekommen. „Aber eins der Teams, die wir haben werden, kommt aus den Niederlanden“, tröstet sich Casimiro.

Auf die deutsche Fußball-Flaute an der Algarve angesprochen, wollten sich weder die Auslandspromotion-Agentur ATA, noch Turismo do Portugal in Lissabon äußern. Beide ließen schriftliche Anfragen von „Algarve für Entdecker“ einfach unbeantwortet… Zum Abschluss eines erneuten Rekordjahrs im Tourismus scheint man sich damit abzugeben, dass es auf ein paar hundert deutsche Top-Sportler und Fans nicht ankommt. Obwohl ansonsten stets betont wird, wie wichtig es sei, mehr Touristen auch in den Wintermonaten an die Algarve zu bekommen, damit die starke Konzentration auf die Hochsaison vermindert wird.

Daniel Fischer, Direktor Fußball bei der deutschen Agentur Match IQ, bestätigte uns gegenüber, dass Spanien derzeit von Bundesliga-Teams bevorzugt werde: „In Spanien liegen mehrere Standorte ziemlich eng beieinander. Das bietet die Möglichkeit, schnell viele und qualitativ gute Testspiele zu organisieren. Weiter haben sich zudem viele Standorte darauf spezialisiert, eine außergewöhnlich hohe Platzqualität zu erreichen“.

 

Bundesliga erfordert hohe Infrastruktur-Qualität der Anlagen

 

Bundesliga-Experten fordern mehr Investitionen in Algarve-Fußballplätze
Deutsche Fußball-Experten fordern mehr Investitionen in gute Algarve-Plätze. Foto: Hans-Joachim Allgaier

 

Warum die Algarve nicht mehr so stark als Ziel für Wintertrainingslager gefragt sei wie z.B. noch in den 90er Jahren, fragen wir. „Es gibt in Portugal ein paar Standorte, die eine gute Rasenqualität haben, jedoch leider auch sehr, sehr viele Anlagen, deren Qualität einfach mangelhaft ist. Hier gilt es in den kommenden Jahren, wieder stärker zu werden und mehr Plätze in unmittelbarer Umgebung zu den Top-Hotels zu bauen“, erklärt der Experte aus Hamburg. Ein Kollege aus Rosenheim ergänzt um den Eindruck, dass wohl die richtigen Investitionen ausgeblieben seien: „Auf jeden Fall ist festzustellen, dass die portugiesischen Destinationen nicht mehr mithalten können“.

Dieter Burdenski, einst Torwart beim SV Werder Bremen und nun Geschäftsführer einer Sportevent-Agentur im benachbarten Stuhr, hat beobachtet, dass Agenturen, die den Vereinen Trainingslager anbieten, Spanien bevorzugen. Ob Portugals Nachbar als Ziel bei Fußballbundesliga-Teams vielleicht einfach „in“ und die Algarve „out“ sei, fragen wir ihn. „Das lässt sich schlecht beantworten“, meint er, aber verweist auf die Spanien-Neigung der Vermittler. „Zum Teil liegt es wohl auch an der Erreichbarkeit, da es nur wenige Zubringer-Flüge nach Faro gibt“, ergänzt Burdenski.

 

Für Türkei hält Erdogan-Effekt an – Schadet Florida Trump-Trauma?

 

Wie sein Match IQ-Kollege bestätigt Burdenski, dass die Türkei von Bundesliga-Mannschaften nach wie vor „wegen der politischen Situation“ bewusst gemieden wird. Und Marcus Häusler, Geschäftsführer des auf Amateurvereine bis hin zur dritten Liga spezialisierten Unternehmens Soccatours hat sogar registriert, dass sich die Buchungszahlen für die Türkei „um rund 80 Prozent reduziert“ haben – zugunsten von Spanien, Portugal und Zypern.

Was die Türkei-Aversion anbetrifft, so Daniel Fischer, sei das schon in der Schweiz etwas anders. Wie ein Boulevardblatt der Eidgenossenschaft erfahren haben will, sollen die beiden Zürcher Clubs aus der Schweizer Super League nach Belek bei Antalya reisen.

In die Röhre guckt hingegen die Wintertrainingslager-Destination Florida. Wegen des Problems mit der Zeitumstellung und der langen Anreise will angesichts der kommenden kurzen Winterpause kein Bundesligist ins US-Rentnerparadies jetten. Aber vielleicht gibt es ja neben dem Erdogan-Effekt für die Türkei auch so etwas wie ein Trump-Trauma für die USA…

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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