Online-Betrug im Tourismus: Die Tricks

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Je mehr die son­ni­ge Algar­ve, Por­tu­gals Tou­ris­mus­re­gi­on Num­mer 1, von Urlau­bern besucht wird, des­to stär­ker zieht sie auch das Inter­es­se von Kri­mi­nel­len auf sich. Das mach­te jetzt eine Exper­ten-Kon­fe­renz zum The­ma Online-Betrug in Faro deut­lich. „Algar­ve für Ent­de­cker“ zeigt Ihnen, mit wel­chen Tricks Schwind­ler Sie vor allem beim Mie­ten einer Feri­en­im­mo­bi­lie her­ein­le­gen wol­len. Wir geben Ihnen Tipps, wie sich wirk­sam dage­gen schüt­zen kön­nen.

Eigent­lich scheint die gene­rel­le Ent­wick­lung posi­tiv zu sein. Die por­tu­gie­si­sche Poli­zei ver­zeich­ne­te bei den gemel­de­ten Straf­ta­ten gegen das Eigen­tum von Bür­gern seit 2011, als die Zahl noch bei 103.000 lag, einen ste­ten Rück­gang. 2016 lag der Wert bei 67.000. Rund zehn Pro­zent der Eigen­tums­de­lik­te sind Betrugs­fäl­le. Doch die­se, und das ist das Pro­blem, hat­ten eine gegen­läu­fi­ge Ten­denz. Sie nah­men an der Algar­ve seit 2011, als gut 2.900 Fäl­le bear­bei­tet wur­den, auf 4.700 im Jahr 2016 zu.

 

Online-Betrug nimmt zu, obwohl Eigentumsdelikte eigentlich zurückgehen

 

Online-Betrug wachsendes Problem im Algarve-Tourismus
Online-Betrug ist im Algar­ve-Tou­ris­mus ein wach­sen­des Pro­blem, stell­ten die­se Sicher­heits­ex­per­ten in Faro besorgt fest. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Am häu­figs­ten von Betrug betrof­fe­ne Berei­che sind laut prä­sen­tier­ter Poli­zei­sta­tis­tik der Algar­ve Kauf- und Ver­kaufs­pro­zes­se (1.207), Bank­ge­schäf­te (790), E-Mai­ling (339), Web­sei­ten (318) und Bar­geld (243). Unmit­tel­bar dahin­ter ran­gier­ten 2016 bereits Betrugs­fäl­le mit Feri­en­woh­nun­gen und -Häu­sern (199) an der Süd­küs­te Por­tu­gals.

Die Scha­dens­hö­he bei den Opfern der Betrü­ge­rei­en schätzt die Algar­ve-Poli­zei auf 7,7 Mil­lio­nen Euro pro Jahr. In den weit­aus meis­ten Fäl­len kon­tak­tie­ren die Täter die Opfer übers Inter­net. Das bestä­tig­te Kom­mis­sar João Manu­el Braz da Pal­ma von der Kri­mi­nal­po­li­zei PSP der Algar­ve. „Betrug ist Rea­li­tät und im Inter­net nimmt der Schwin­del immer mehr zu“, sag­te er auf der Kon­fe­renz in Faro. Ver­an­stal­tet wur­de sie von der Orga­ni­sa­ti­on "Safe Com­mu­nities Por­tu­gal". Die­se fei­er­te ihr fünf­jäh­ri­ges Bestehen.

 

Online-Betrug: Algarve in Portugal am meisten betroffen

 

Laut GNR-Oberst­leut­nant Luis Manu­el Gon­cal­ves Sequei­ra lagen 2016 die­se Bezir­ke Por­tu­gals an der Spit­ze der Rang­lis­te von Betrugs­fäl­len:

BezirkZahl der Betrugs-Straf­ta­ten
Faro (Algar­ve)769
Setu­bal683
Lis­sa­bon539
Por­to503

 

An der Algar­ve regis­triert die repu­bli­ka­ni­sche Natio­nal­gar­de GNR die meis­ten Betrugs­fäl­le in den Städ­ten Alb­ufei­ra (250) und Lou­lé (238). Ande­re por­tu­gie­si­sche Städ­te fol­gen in der Poli­zei­sta­tis­tik mit wei­tem Abstand, etwa Alma­da (180), Mafra (121) und Vila Nova de Gaia (109).

 

Von Online-Betrug besonders betroffen: Kreise Albufeira und Loulé

 

Online-Betrug beschäftigt Experten-Konferenz der Algarve in Faro
David Tho­mas, Prä­si­dent von Safe Com­mu­nities Por­tu­gal. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Was Feri­en­un­ter­künf­te an der Süd­küs­te Por­tu­gals anbe­trifft, wur­den bei der GNR 2016 fast 200 Betrugs­fäl­le ange­zeigt – 146 davon in den Mona­ten Juni bis August. In die­sem Jahr sind bereits 95 Betrü­ge­rei­en berich­tet wor­den. 78 davon kon­zen­trier­ten sie auf die Kri­mi­na­li­täts­zen­tren Alb­ufei­ra und Lou­lé.

Eine Ver­tre­te­rin der Aus­län­der­be­hör­de SEF berich­te­te davon, dass ihrer Insti­tu­ti­on im ver­gan­ge­nen Jahr mit 4,38 Mil­lio­nen mehr als dop­pelt so vie­le Unter­kunfts­nach­wei­se vor­ge­legt wur­den wie 2015. Das sei­en 43 Pro­zent des gesam­ten Auf­kom­mens in Por­tu­gal.

Vor allem ist der Anstieg wohl auf die zuneh­men­de Beliebt­heit pri­va­ter Feri­en-Woh­nun­gen und -Häu­ser zurück­zu­füh­ren, deren Ver­mie­ter eine Lizenz für die Betriebs­art „Alo­ja­men­to Local“ (AL) besit­zen.

Wie auf der Kon­fe­renz in Faro zu erfah­ren war, meh­ren sich aber die Fäl­le, in denen Tou­ris­ten auf gefälsch­te Ange­bo­te für Feri­en­im­mo­bi­li­en her­ein­fal­len. Sie zah­len vor­ab einen nen­nens­wer­ten Betrag an, stel­len aber bei Ankunft an der Algar­ve fest, dass ent­we­der das Objekt gar nicht exis­tiert oder dem Besit­zer kein Miet­ver­trag bekannt ist oder die Unter­kunft bereits an ande­re Mie­ter ver­ge­ben wor­den ist.

 

So gehen die Täter beim Online-Betrug vor

 

Und so gehen die Betrü­ger laut Poli­zei meis­tens vor:

  1. Die Täter schal­ten fal­sche Wer­be­an­zei­gen auf Immo­bi­li­en-Web­sei­ten und in sozia­len Netz­wer­ken.
  2. Ver­wen­det wer­den Bil­der aus ech­ten Anzei­gen im Inter­net, ver­bun­den mit beson­ders attrak­ti­ven Prei­sen.
  3. Die Täter ver­su­chen Kon­takt übers Tele­fon oder per­sön­li­che Begeg­nun­gen zu ver­mei­den, schla­gen den Aus­tausch von E-Mails oder SMS vor.
  4. Nach Aus­füh­rung der Buchung bit­ten die Betrü­ger um eine Anzah­lung von meis­tens der Hälf­te der Gesamt­sum­me. Es wird Zeit­druck vor­ge­gau­kelt, da es angeb­lich wei­te­re Inter­es­sen­ten gibt.
  5. Nach Zah­lung errei­chen die Opfer die Täter meis­tens nicht mehr – das Mobil­te­le­fon ist aus­ge­schal­tet, E-Mails wer­den nicht beant­wor­tet. Das ist ein kla­res Anzei­chen dafür, dass man auf einen Betrü­ger her­ein­ge­fal­len ist.

 

Das sollten Opfer von Online-Betrug tun

 

In sol­chen Fäl­len rät die por­tu­gie­si­sche Poli­zei, drei Schrit­te zu unter­neh­men:

  • Wen­den Sie sich mit Ihrem Fall an irgend­ei­ne Poli­zei-Dienst­stel­le. Selbst wenn die­se im kon­kre­ten Fall nicht zustän­dig sein soll­te, lei­tet sie Ihre Anzei­ge wei­ter.
  • Kopie­ren Sie den kom­plet­ten Link der Web­sei­te oder die Sei­te der irre­füh­ren­den Publi­ka­ti­on. Das ist uner­läss­lich, wenn die Poli­zei die IP-Adres­se ermit­teln muss, unter der der Com­pu­ter des Betrü­gers erreich­bar ist.
  • Bewah­ren Sie alle Auf­zeich­nun­gen über Kon­tak­te mit dem Betrü­ger auf (Tele­fo­na­te, E-Mails, SMS, per­sön­li­che Gesprä­che), um sie bei einem mög­li­chen Pro­zess als Beweis­mit­tel vor­zu­le­gen.

 

So vor Online-Betrug schützen

 

Aber wie kann man von vorn­her­ein das Risi­ko ver­min­dern, Opfer eines Betrugs­falls in Zusam­men­hang mit Feri­en­im­mo­bi­li­en zu wer­den? Die por­tu­gie­si­sche Poli­zei gibt gleich meh­re­re Tipps:

  • Die meis­ten Online-Kri­mi­nel­len sind Mehr­fach­tä­ter, beschrän­ken sich nicht auf eine ein­zi­ge vor­ge­täusch­te Feri­en­im­mo­bi­lie. Recher­chie­ren Sie des­halb im Inter­net, ob es viel­leicht Hin­wei­se auf frü­he­re Betrugs­ver­su­che in Zusam­men­hang mit dem aus­ge­wähl­ten Objekt gibt.
  • Sei­en Sie zunächst beson­ders vor­sich­tig bei Anzei­gen, die in sozia­len Netz­wer­ken und auf wenig bekann­ten Inter­net­sei­ten zu fin­den sind. Bevor­zu­gen Sie lie­ber ver­trau­ens­wür­di­ge, auf Feri­en­im­mo­bi­li­en spe­zia­li­sier­te Platt­for­men wie AirB­nB, Boo­king usw. Die bes­ten arbei­ten mit einem Iden­ti­ty-Check.
  • Schau­en Sie danach, ob Kun­den­be­wer­tun­gen auf­ge­führt wer­den und wie die­se lau­ten.
  • Miss­trau­en ist ange­zeigt bei Prei­sen, die deut­lich unter Markt­ni­veau lie­gen – selbst dann, wenn plau­si­ble Grün­de ange­ge­ben wer­den wie Geld­man­gel, Aus­wan­de­rung oder Ähn­li­ches.
  • Sei­en Sie skep­tisch, wenn die Offer­te zu schön ist, um wahr zu sein.
  • Ach­ten Sie auf das Ver­öf­fent­li­chungs­da­tum der Anzei­gen. Oft ste­hen die mit betrü­ge­ri­scher Absicht erst seit sehr kur­zer Zeit im Netz.
  • Bit­ten Sie einen ver­trau­ens­wür­di­gen Bekann­ten dar­um, sich zum Schein für die­sel­be Feri­en­im­mo­bi­lie zu inter­es­sie­ren. So bekom­men Sie her­aus, ob ein Betrü­ger das Objekt zwei­mal ver­mie­ten will.
  • Vor­sicht ist gebo­ten, wenn Sie zur schnel­len Über­wei­sung per Geld­trans­fer durch Dienst­leis­ter wie Wes­tern Uni­on, zur pos­ta­li­schen Zusen­dung von Bar­geld oder Scheck oder zum Trans­fer per IBAN-Kon­to­num­mer gedrängt wer­den. Ver­mei­den Sie sol­che Zah­lun­gen, set­zen Sie lie­ber Ihre Kre­dit­kar­te ein und ver­wen­den Sie das Sys­tem der ver­trau­ens­wür­di­gen Platt­form.

 

Fazit der Kon­fe­renz in Faro: Die Sicher­heits­be­hör­den der Algar­ve beob­ach­ten die Ent­wick­lung des Online-Betrugs im Tou­ris­mus sehr sorg­fäl­tig und ver­stär­ken ihre Auf­klä­rungs­maß­nah­men. Denn Miss­trau­en und Unsi­cher­heit scha­den sowohl Anbie­tern wie auch Kun­den. Nie­mand will, dass sich eine kon­kur­rie­ren­de Par­al­lel­wirt­schaft ent­wi­ckelt und wächst. Und jeder Akteur möch­te sich ger­ne Kos­ten für erhöh­te Sicher­heits­maß­nah­men erspa­ren. Schließ­lich steht auch das gute Image der boo­men­den Tou­ris­mus­re­gi­on Algar­ve auf dem Spiel.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

2 Gedanken zu „Online-Betrug im Tourismus: Die Tricks

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