Protest vor Osterfest: Tourismus-Beschäftigte fordern bessere Bedingungen

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Laut­star­ke Kri­tik an den Arbeits­ver­hält­nis­sen in Hotel­le­rie, Gas­tro­no­mie und ähn­li­chen Tou­ris­mus­sek­to­ren an der Algar­ve ist am Grün­don­ners­tag, 13. April 2017, geübt wor­den: Die zustän­di­ge Gewerk­schaft hat­te ihre Mit­glie­der zu einer Pro­test-Kund­ge­bung in Vil­a­mou­ra auf­ge­ru­fen. Sie begann um 18:30 Uhr vor dem Hotel Crow­ne Pla­za (Rua do Ocea­no Atlân­ti­co). Von dort aus zogen die Gewerk­schaft­ler durch das Stadt­zen­trum bis zum Hotel Luna Olym­pus (Ave­ni­da da Mari­na, Lote H1). Anwe­send war auch Armé­nio Car­los, Gene­ral­se­kre­tär des Lis­sa­bo­ner Dach­ver­bands CGTP-IN.

Nach Anga­ben der Gast­ge­wer­be-Gewerk­schaft wur­de Vil­a­mou­ra für die Pro­test-Akti­on aus­ge­wählt, weil das dor­ti­ge Crow­ne Pla­za-Hotel im ver­gan­ge­nen Jahr drei Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter ent­las­sen habe, die sich für höhe­re Löh­ne und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen ein­ge­setzt hät­ten. Gefor­dert wird die Wie­der­ein­stel­lung der betrof­fe­nen Gewerk­schafts­mit­glie­der.

Mit ihrer Akti­on woll­te die Gewerk­schaft vor allem aber auch Auf­merk­sam­keit auf die schwie­ri­ge sozia­le Situa­ti­on von Beschäf­tig­ten in tou­ris­ti­schen Betrie­ben len­ken. Obwohl der Rei­se­sek­tor an der Algar­ve Jahr für Jahr neue Rekor­de ver­zeich­ne, sän­ken die ver­füg­ba­ren Ein­kom­men wei­ter und der Arbeits­druck stei­ge, so das “Sin­di­ca­to dos Tra­bal­ha­do­res da Indús­tria de Hotel­aria, Turis­mo, Restau­ran­tes e Simi­la­res do Algar­ve” (STIHTRSA).

Protestkundgebung Algarve Hotellerie
Rund 70 Demons­tran­ten zogen laut Gewerk­schaft durch Vil­a­mou­ra. Foto: STIHTRSA

“Die Arbei­ter sind die ein­zi­gen, die nicht von den her­vor­ra­gen­den Ergeb­nis­sen pro­fi­tie­ren, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren erreicht wur­den”, sagt Tia­go Jac­in­to von der STIHTRSA in Faro. Hotels, Restau­rants und ande­re Tou­ris­mus-Betrieb hät­ten 2016 ihre Ein­nah­men allein um 17 Pro­zent erhö­hen kön­nen und star­ke Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wäch­se erzielt. Die Löh­ne hin­ge­gen sei­en auf glei­chem Niveau geblie­ben. Jac­in­to sprach von Kauf­kraft­ver­lus­ten in Höhe von neun Pro­zent, wel­che die Beschäf­tig­ten seit 2010 durch die Infla­ti­on erlit­ten hät­ten.

Die Bran­chen-Gewerk­schaft kri­ti­siert in die­sem Zusam­men­hang auch die Poli­tik der frü­he­ren Regie­rungs­ko­ali­ti­on der Par­tei­en PS, PSD und CDS, die zu Ein­kom­mens­ein­bu­ßen und zu mehr pre­kä­ren Arbeits­ver­hält­nis­sen geführt habe. Unter ande­rem waren Steu­ern erhöht und Über­stun­den- und Fei­er­tags­ver­gü­tun­gen gesenkt wor­den. “Ange­sichts die­ser Situa­ti­on gibt es kei­ne ande­re Alter­na­ti­ve, als für bes­se­re Löh­ne und Arbeits­be­din­gun­gen zu kämp­fen, um das Grund­recht auf ein wür­di­ges Leben ein­zu­lö­sen”, heißt es bei der STIHTRSA. Wenn sich die Situa­ti­on der Beschäf­tig­ten nicht schnell ver­bes­se­re, sei "der sozia­le Frie­den in der Regi­on beein­träch­tigt", stellt die Gewerk­schaft fest.

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Pro­test-Akti­on in Alvor im Febru­ar 2017. Foto: STIHTRSA

Ende Febru­ar hat­te die Gast­ge­wer­be-Gewerk­schaft bereits eine Pro­test-Akti­on vor den Pesta­na-Hotels Dom João II und Alvor Pra­ia in der Nähe von Por­timão durch­ge­führt. Dabei ging es um die For­de­rung, dass der Kar­ne­vals­diens­tag in den Algar­ve-Hotels die­ser Grup­pe genau­so als Fei­er­tag aner­kannt wer­den sol­le, wie in den übri­gen Hotels im gan­zen Land.

Für Mit­ar­bei­ter der MGM Hotels & Resorts Grup­pe hat­te die STIHTRSA im Janu­ar eine Lohn­er­hö­hung um drei Pro­zent und min­des­tens 30 Euro aus­han­deln kön­nen. Die­se folg­te einer Anhe­bung um zwei Pro­zent und min­des­tens 30 Euro im Som­mer 2016. Die Erhö­hung war nach Arbeits­kampf­maß­nah­men des Rei­ni­gungs­per­so­nals im Clube Pra­ia da Oura zuge­stan­den wor­den.

Im Bemü­hen dar­um, das Abrut­schen brei­te­rer Schich­ten in pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se zu ver­hin­dern, hat­ten Gewerk­schaft­ler des Dach­ver­bands CGTP-IN im Rah­men eines lan­des­wei­ten Pro­tests am 14. März am Post­ver­teil­zen­trum Guia, am Flug­ha­fen Faro und meh­re­ren Stel­len in der Innen­stadt sowie in Por­timão am Jupi­ter Hotel, dem Casi­no Hotel Algar­ve und am Hotel Pra­ia da Rocha auf die Situa­ti­on auf­merk­sam gemacht. Vor allem wen­den sich die Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter mit ihrer Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne dage­gen, dass Arbeits­plät­ze oft nicht dau­er­haft ver­ge­ben wer­den und die Belas­tung über­hand neh­me.

 

Die Branche wächst, aber die Löhne bleiben niedrig

 

In den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten hat­ten die Beher­ber­gungs­be­trie­be an der Süd­küs­te Por­tu­gals ihre Bet­ten­ka­pa­zi­tät mas­siv erhöht. Der­zeit sind laut Bran­chen­ex­per­te Sérgio Pal­ma Bri­to gut 110.000 Bet­ten in regis­trier­ten Unter­künf­ten ver­füg­bar. Die Bran­che kämpft aber sowohl mit gro­ßen Aus­las­tungs­un­ter­schie­den im Ver­lauf eines Jah­res als auch mit der Kon­kur­renz pri­va­ter Ver­mie­ter.

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Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Im Win­ter schlie­ßen nicht weni­ge Algar­ve-Hotels meh­re­re Wochen oder gar Mona­te lang. Das wird, weil eine anlass­lo­se Schlie­ßung gesetz­lich nicht erlaubt ist, meist mit Betriebs­fe­ri­en oder Reno­vie­rungs­ar­bei­ten begrün­det.

Gele­gent­lich wer­den auf die­se Art und Wei­se aber schlicht Kos­ten gespart. Das Per­so­nal steht in die­ser Zeit "auf der Stra­ße". An den Ein­gangs­tü­ren der Hotels wei­sen Zet­tel dar­auf hin, dass kein Ser­vice gebo­ten wer­den kön­ne, weil Reser­vie­rungs­maß­nah­men durch­ge­führt wer­den. Aber schaut und hört man, ob von außen etwas spür­bar ist von bau­li­chen Ver­än­de­run­gen, stellt man nicht sel­ten fest, dass sich über­haupt nichts rührt. Die Auf­sichts­be­hör­den schei­nen offen­bar ein Auge zuzu­drü­cken…

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Hotel­bet­ten­ka­pa­zi­tät (in Tau­send) in regis­trier­ten Unter­künf­ten an der Algar­ve. Gra­fik: Ser­gio Pal­ma Bri­to

Die Anbie­ter tei­len sich prak­tisch in zwei Grup­pen auf. Auf der einen Sei­te gibt es die wett­be­werbs­fä­hi­gen Betrie­be, wel­che die qua­li­fi­zier­ten Anfor­de­run­gen des Mark­tes erfül­len. Sie sind gut gepflegt und wer­den regel­mä­ßig reno­viert. Hier zah­len sich die Inves­ti­tio­nen gut aus.

Auf der ande­ren Sei­te kämp­fen Betrie­be für weni­ger anspruchs­vol­le Gäs­te mit der sta­gnie­ren­den oder sin­ken­den Nach­fra­ge nach sol­chen Ange­bo­ten. Die Unter­künf­te, die nicht sel­ten unmit­tel­bar an der Küs­te lie­gen, wur­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht gewar­tet und reno­viert; sie sind ver­al­tet. Vie­le Unter­neh­men haben nicht das Per­so­nal, um Inno­va­tio­nen im Pro­dukt­be­reich umzu­set­zen.

Vie­le zeit­lich befris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se, außer­ge­wöhn­li­che und lan­ge Arbeits­zei­ten, gerin­ge Bezah­lung – all das sind Fak­to­ren, die bei den Tou­ris­mus-Beschäf­tig­ten an der Algar­ve immer mehr auf Kri­tik sto­ßen, vor allem auch ange­sichts des Bran­chen-Booms der ver­gan­ge­nen Jah­re. Sogar lan­des- und sek­to­ren­weit ist die Zufrie­den­heit der Por­tu­gie­sen mit den wirt­schaft­li­chen Bedin­gun­gen noch immer ein­ge­trübt. Wie die Lis­sa­bo­ner Sta­tis­tik-Behör­de INE im ver­gan­ge­nen Jahr mit­teil­te (wir berich­te­ten), ist der ent­spre­chen­de Index nach sei­nem Tiefst­stand 2013 nur wie­der leicht erhöht – bis 2015 auf knapp 90 Pro­zent des Werts von 2004. Zum Ver­gleich: Die Zufrie­den­heit mit der Lebens­qua­li­tät im Lan­de liegt – gemes­sen an 2004 – bei gut 130 Pro­zent.

Der umfas­sen­de, so genann­te „Well-Being Index“ (WBI) ran­giert in Por­tu­gal ein Stück dahin­ter – bei 118,4 Pro­zent. Um ihn zu ermit­teln, wer­den zehn Berei­che abge­fragt. Bil­dung, Umwelt sowie Bür­ger­be­tei­li­gung und Regie­rungs­füh­rung gehör­ten bei den Por­tu­gie­sen zuletzt zu den am bes­ten bewer­te­ten Aspek­ten gewe­sen. Erwerbs­ar­beit, die Ent­wick­lung des per­sön­li­chen Ein­kom­mens und die wirt­schaft­li­che Ver­wund­bar­keit wur­den aber am nega­tivs­ten beur­teilt.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

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