Algarve atmet auf: Ölförderpläne dicht vor vollständigem Aus

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Star­ke Pro­tes­te aus den Rat­häu­sern der Algar­ve, der Tou­ris­mus­wirt­schaft und Tei­len der Bevöl­ke­rung schei­nen Wir­kung zu zei­gen: Die por­tu­gie­si­sche Regie­rung ist laut Medi­en­be­rich­ten dabei, drei Ver­trä­ge zu kün­di­gen, wel­che die Erkun­dung und För­de­rung von Ölvor­kom­men an Land und vor der Süd­küs­te der Algar­ve erlaub­ten. Noch offen bleibt der­zeit, wie die Zukunft eines Pro­jekts 50 Kilo­me­ter vor der West­küs­te in Höhe von Alje­zur sein wird. Wäh­rend AMAL, die Ver­ei­ni­gung der 16 Algar­ve-Städ­te, die Nach­richt begrüß­te, hiel­ten sich fast alle betrof­fe­nen Gesell­schaf­ten bzw. Unter­neh­mens­kon­sor­ti­en zunächst mit Stel­lung­nah­men zurück.

Die Zei­tung Diá­rio de Notíci­as hat­te am 14. Dezem­ber unter Beru­fung auf Regie­rungs­krei­se gemel­det, der Ver­trag mit dem Unter­neh­men Port­fu­el (Inha­ber: Sou­sa Cin­tra, Ex-Prä­si­dent des Fuß­ball­ver­eins Spor­ting Lis­sa­bon) wer­de gekün­digt. Die Vor­gän­ge­rin der jet­zi­gen Regie­rung hat­te kurz vor den jüngs­ten Wah­len der Gesell­schaft das Recht ein­ge­räumt, im Groß­raum Alje­zur und Tavi­ra nach Mög­lich­kei­ten der Öl- und Gas-För­de­rung auf dem Lan­de zu suchen. Das hat­te hef­ti­ge Pro­tes­te, auch von Umwelt­schüt­zern, her­vor­ge­ru­fen.

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Freie Fahrt für Öl- und Gas-Erkun­dung an der Algar­ve gestoppt: Die Regie­rung scheint von der Ableh­nung der Plä­ne durch alle 16 Städ­te (sie­he Gra­fik) und vie­le Ver­bän­de und Initia­ti­ven beein­druckt und kün­digt die Ver­trä­ge. Gra­fik: Turis­mo de Por­tu­gal

Die Kün­di­gung wer­de damit begrün­det, dass Port­fu­el nicht die im Ver­trag ver­lang­te drei­jäh­ri­ge Erfah­rung für das Geschäft mit­brin­ge, zitiert das Blatt. Außer­dem sei die erfor­der­li­che Haft­pflicht­ver­si­che­rung nicht nach­ge­wie­sen wor­den. Da wird als kla­re Ver­let­zung des Ver­tra­ges gewer­tet, wodurch eine Ent­schä­di­gung durch die Regie­rung nicht zu erwar­ten ist.

Der Nach­rich­ten­agen­tur LUSA gegen­über zeig­te sich der Unter­neh­mer Cin­tra über­rascht. Port­fu­el habe sich streng an alle Bedin­gun­gen des Ver­tra­ges gehal­ten. Alles sei kor­rekt und feh­ler­frei ver­lau­fen. Des­halb müs­se es sich um einen Irr­tum han­deln, zitiert LUSA den Unter­neh­mens-Chef.

Den Berich­ten zufol­ge berei­tet Lis­sa­bon auch die Kün­di­gung des Ver­trags mit dem Kon­sor­ti­um Repsol/Partex vor. Hier sei der for­ma­le Grund, dass der Arbeits­plan für die­ses Jahr nicht erfüllt wor­den sei. Von unzu­läs­sig unter­las­se­nen Pro­be­boh­run­gen ist die Rede. Die Unter­neh­mens­grup­pe woll­te vor der Süd­küs­te der Algar­ve prü­fen, ob es aus­beut­ba­re Vor­kom­men gibt. Beob­ach­ter rech­nen nun damit, dass um die Fra­ge einer Ent­schä­di­gung gerun­gen wer­den wird. Es kur­siert eine Zahl von 4,5 Mio. Euro.

Unklar ist der­zeit, was mit der Kon­zes­si­on für das Kon­sor­ti­um Galp/ENI für Tief­see-Boh­run­gen rund 50 Kilo­me­ter west­lich der Algar­ve- und Alen­te­jo-Küs­te geschieht. Hier klärt die Regie­rung offen­bar noch recht­li­che Detail­fra­gen ab. José Ama­rel­in­ho, Stadt­ver­wal­tungs-Chef von Alje­zur, zeig­te sich gegen­über dem Online­ma­ga­zin Sulin­for­ma­ção hoff­nungs­voll, dass die­ses "Pro­blem" auch bald gelöst wer­de.

Por­tu­gals neu­es Kabi­nett, die seit einem Jahr regiert, hat­te alle von sei­ner Vor­gän­ge­rin im Sep­tem­ber 2015 abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge sowohl von der natio­na­len Behör­de für den Kraft­stoff­markt als auch von der Gene­ral­staats­an­walt­schaft über­prü­fen las­sen.

Zufriedenheit bei Bürgerinitiativen und Umweltschützern

 

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Vor allem Umwelt­schüt­zer hat­ten gegen die Ölplä­ne mobi­li­siert. Foto: Hans-Joa­chim All­gai­er

Zufrie­den­heit mit der Ent­schei­dung zeig­ten nicht nur die Bür­ger­meis­ter der Regi­on, son­dern auch Ver­bän­de. So sprach der Prä­si­dent der Gemein­schaft Inter­mu­ni­ci­pal Algar­ve, Jor­ge Botel­ho, von einer „guten Ent­schei­dung". João Mar­tins von der „Algar­ve frei von Öl“-Bewegung (MALP) zeig­te sich sicher, dass die „regio­na­le Mobi­li­sie­rung“ ent­schei­dend für den Aus­gang gewe­sen sei. Es sei ein „Kampf für die Zukunft der nächs­ten Genera­tio­nen und für die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung der Regi­on". Die Bewe­gung Climáxi­mo begrüß­te eben­falls die Been­di­gung von drei Ver­trä­gen durch die Regie­rung, for­der­te aber, dass die „Annul­lie­rung aller“ sofort vor­an­ge­trie­ben wer­den müs­se.

Die Furcht vor einer "Ölgar­ve" hat­te in der Regi­on wei­te Tei­le des Jah­res 2016 bestimmt. Zunächst war bekannt gewor­den, dass im Hoch­sai­son-Monat Juli weit vor der West­küs­te – außer­halb der Sicht­wei­te der Strand­ur­lau­ber – sich erst­mals Boh­rer auf einem Schiff vor Algar­ve und Alen­te­jo dre­hen soll­ten, um in meh­re­ren Hun­dert Metern Tie­fe nach Ölvor­kom­men zu suchen. Und für den Okto­ber, also unmit­tel­bar nach der Sai­son, waren Pro­be­boh­run­gen 35 Kilo­me­ter vor Por­tu­gals Süd­küs­te vor­ge­se­hen gewe­sen.

Solarstandort Portugal will weniger Energieeinfuhren

 

Das gera­de in der Nach-Kri­sen­zeit um sei­ne Finan­zen besorg­te EU-Land Por­tu­gal woll­te nach dem Wil­len der Vor­gän­ger-Regie­rung mit Unter­stüt­zung meh­re­rer Part­ner Chan­cen aus­lo­ten, die Abhän­gig­keit von Ener­gie­ein­fuh­ren ggf. durch die Aus­beu­tung eige­ner Schie­fer­öl- und ‑Gas­vor­kom­men zu ver­rin­gern. Doch eine brei­te Ableh­nungs­front aus Bür­ger­meis­tern, Ver­bän­den der Wirt­schaft und des Umwelt­schut­zes sowie Wis­sen­schaft­ler pro­tes­tier­te gegen die Plä­ne. Ver­wie­sen wur­de auf hohe Risi­ken für Tou­ris­mus, Fische­rei und Natur.

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Por­tu­gals sau­be­re Ener­gie-Reser­ve: die hohe Zahl an Son­nen­schein­stun­den.

Ener­gie­ex­per­ten bezwei­felt zudem die Not­wen­dig­keit der dama­li­gen Regie­rungs­plä­ne. Bereits 2040 wer­de Por­tu­gal sei­nen Bedarf voll­stän­dig aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en decken kön­nen, ver­wies der Solar­ener­gie-Ver­band APREN auf Pro­gno­sen. Im gesam­ten Jahr 2015 lag der Anteil der "sau­be­ren" Ener­gi­en schon bei 50 Pro­zent.

„Das geplan­te Pro­jekt wäre ein unkal­ku­lier­ba­res Risi­ko für uns hier", beton­te im Früh­jahr auch Vitor Neto, Prä­si­dent des Unter­neh­mer­ver­bands der Algar­ve (NERA). Auf einer Ver­an­stal­tung an der Algar­ve-Uni­ver­si­tät in Faro wies er in die­sem Zusam­men­hang dar­auf hin, dass fast 40 Pro­zent der aus­län­di­schen Über­nach­tun­gen in Por­tu­gal allein auf die Algar­ve ent­fal­len. Bedroht sahen die Geg­ner vor allem den Natur-Tou­ris­mus im Hin­ter­land der fel­si­gen Küs­te. Explo­ra­ti­on und För­de­rung hät­ten die Glaub­wür­dig­keit als füh­ren­des Ziel für Wan­de­rer stark ver­min­dert.

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

Hans-Joachim Allgaier

Deutscher Journalist mit Know-how in Public Relations/Marketing/Corporate Communications - Portugal-/Algarve-/Alentejo-Liebhaber

2 Gedanken zu „Algarve atmet auf: Ölförderpläne dicht vor vollständigem Aus

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