Reisetipps Algarve: Land und Leute

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"Al-Gharb" (der Wes­ten) nann­ten die Mau­ren das Land im Süd­wes­ten Euro­pas. Heu­te öff­net sich dem Besu­cher, vom Cabo de São Vicen­te bei Sag­res bis zum Rio Gua­dia­na an der spa­ni­schen Gren­ze, eine der male­rischs­ten Küs­ten Euro­pas mit his­to­ri­schen Städ­ten wie Lagos, Faro und Tavi­ra. Aber auch das abwechs­lungs­rei­che Hin­ter­land bie­tet Genuß für Natur- und Kul­tur­lieb­ha­ber und erfreut mit bezau­bern­den Orten wie Lou­lé, Sil­ves oder Alcou­tim. In unse­rer drit­ten Fol­ge der Tipps für Algar­ve-Erst­be­su­cher möch­ten wir Land und Leu­te die­ser herr­li­chen Regi­on, in der die Son­ne über­win­tert, für unse­re Leser wei­ter vor­stel­len. Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen haben wir in unser Kate­go­rie "Tipps" für Algar­ve-Rei­sen­de und Resi­den­ten zusam­men­ge­stellt.

 

Land und Leute prägt die Sonne portimao-03_b

 

Land und Leute: Das Wichtigste zur atlantischen Sonnenstube Europas

 

Die Algar­ve ist die süd­lichs­te Pro­vinz Por­tu­gals. Sie wird im Nor­den begrenzt von der Regi­on Alen­te­jo, im Wes­ten und Süden vom Atlan­tik und im Osten bil­det der Rio Gua­dia­na die Gren­ze zu Spa­ni­en.

Die Pro­vinz Algar­ve ist spär­lich besie­delt. Die Städ­te der Regi­on sind klein, sogar die Haupt­stadt Faro misst nur knapp 60.000 Ein­woh­ner. Dau­er­haft leben in der Algar­ve etwa 450.000 Per­so­nen, das sind weni­ger als 5% der Bevöl­ke­rung Por­tu­gals. Vor allem in den Som­mer­mo­na­ten, wenn die in- und aus­län­di­schen Tou­ris­ten anrei­sen, ändert sich das Bild für Land und Leu­te gewal­tig. Dann steigt die Zahl der Men­schen min­des­tens um das Vier­fa­che. In den tou­ris­ti­schen Bal­lungs­zen­tren an der Küs­te kann es daher im Juli und August etwas enger wer­den. Im Hin­ter­land fin­det sich jedoch auch in der Hoch­sai­son immer noch genü­gend Platz für erho­lungs­su­chen­de Rei­sen­de.

Wikimedia Commons: Algarve
Wiki­me­dia Com­mons: Algar­ve

Algar­ve-Daten

Ost-/West­aus­deh­nung, max: ca.155 km
Nord-/Süd­aus­deh­nung, max: ca. 50 km
Flä­che: ca. 4.990 qkm (rund 5,6% von Fest­land-Por­tu­gal)
Ein­woh­ner­zahl: ca. 450.000

Größ­te poli­ti­sche Gemein­den (Zir­ka-Anga­ben)
Faro (Haupt­stadt):       59.000
Por­timão:                     51.000
Olhão:                          42.000
Alb­ufei­ra:                     35.000
Sil­ves:                          34.000
Lagos:                          29.000
Vila Real de
San­to Antó­nio:           18.000
Lou­lé:                          25.000
Tavi­ra:                         14.000

Land und Leute: Beschauliche bis trubelige Städte

 

Wer nicht die gesam­te Urlaubs­zeit an den wun­der­schö­nen, gold­gelb-fein­san­di­gen Strän­den ver­brin­gen will (wir wer­den dar­über in einer sepa­ra­ten Fol­ge berich­ten), fin­det vor­züg­li­che Abwechs­lung in Form von Städ­te­trips, die je nach Stand­ort bequem mit einer Halb­ta­ges- bzw. Ganz­ta­ges­tour erschlos­sen wer­den kön­nen.

Wel­che Orte in der Algar­ve soll­te man gese­hen haben? Das ist natür­lich abhän­gig von Zeit und indi­vi­du­el­ler Nei­gung des Rei­sen­den. Alle Sehens­wür­dig­kei­ten sind  inner­halb einer übli­chen Urlaubs­rei­se in ihrer  Gesamt­heit kaum zu bewäl­ti­gen. Des­halb beschrän­ken wir uns hier auf ein paar Tipps. In den in der letz­ten Fol­ge prä­sen­tier­ten Rei­se­füh­rern fin­den Sie, lie­be Lese­rin, lie­ber Leser, bei Bedarf aus­führ­li­che­re  Infor­ma­tio­nen.

Als grö­ße­re Orte an der Küs­te sind natür­lich die his­to­ri­schen Städ­te Lagos im Wes­ten, Faro in der Mit­te und  Tavi­ra im Osten ers­te Wahl. Sie bie­ten Kul­tur, laden aber auch ein­fach zum ent­spann­ten Bum­meln in den schö­nen Alt­stadt­ker­nen ein. Alter­na­ti­ven dazu sind Por­timão (wich­tigs­ter Hafen der Algar­ve) viel­leicht gera­de wegen der Nor­ma­li­tät die­ser Stadt , oder auch Olhao bei Faro mit sei­nen ori­gi­nel­len ara­bisch anmu­ten­den kubi­schen Häu­sern und den  beson­ders in der wär­me­ren Jah­res­zeit leb­haf­ten Markt­hal­len.

 

Gemüsestand in der Markthalle von Olhão
Gemü­se­stand in der Markt­hal­le von Olhão

Eben­so ist die nach dem ver­hee­ren­den Erd­be­ben von 1755 inner­halb kür­zers­ter Zeit am Reiß­brett schach­brett­ar­ti­ge ent­wor­fe­ne und wie­der­auf­ge­bau­te Grenz­stadt Vila Real de San­to Antó­nio ganz im Osten lie­gend,  ein klei­nes Gesamt­kunst­werk. Von den klei­ne­ren Orten an der Küs­te bie­ten sich an der Fel­sal­gar­ve das male­ri­sche Fer­ra­gu­do und das pit­to­res­ke, bei deut­schen Urlau­bern und Resi­den­ten beson­ders belieb­te, Car­voei­ro an.

 

Fortaleza de São João do Ara in Ferragudo
For­ta­le­za de São João do Ara­de in Fer­ra­gu­do

 

Wer sich ins Hin­ter­land begibt, um dort Land und Leu­te näher ken­nen­zu­ler­nen, wird ange­nehm über­rascht sein von sehens­wer­ten klei­nen und beschau­li­chen Städ­ten wie Sil­ves mit dem möch­ti­gen mau­ri­schen Cas­te­lo und einem bemer­kens­wer­ten Kul­tur­ange­bot. Oder von Lou­lé, der Stadt des Hand­werks mit dem berühm­ten wöchent­li­chen Markt. Schließ­lich lohnt sich auch eine beschau­li­che Rei­se in das ruhi­ge Alcou­tim am idyl­li­schen Grenz­fluss Rio Gua­dia­na.

 

Blick aud Silves mit Castelo und Kathedrale Santa Misericórdia
Blick auf Sil­ves mit Cas­te­lo und Kathe­dra­le San­ta Mise­ricór­dia

Land und Leute: Abwechslungsreiche Reiseziele für jeden Geschmack

 

(Fast) jeder, der selbst noch nicht die Algar­ve bereist hat, kennt die in Zeit­schrif­ten und ande­ren Medi­en dar­ge­stell­ten Traum­fo­tos von Algar­ve-Strän­den samt den pit­to­res­ken Fels­for­ma­tio­nen. Dafür ist die Algar­ve zurecht berühmt gewor­den . Den­noch – die­ser Land­strich hat noch mehr zu bie­ten. Eine hal­be Umdre­hung weg vom Mee­res­blick, die die Augen in das nähe­re und wei­te­re Hin­ter­land schwei­fen las­sen, das lässt Lust auf­kom­men, die Algar­ve als Gan­zes zu ent­de­cken.

Die Algar­ve teilt sich in drei land­schaft­li­che Zonen, die alle sehens- und lie­bens­wert sind:
Ser­ra (Gebir­ge), nimmt etwa die Hälf­te der Algar­ve ein.
Bar­ro­cal (Vor­ge­birgs­land­schaft),  umfasst etwa ein Vier­tel der Regi­on
Lito­ral (Küs­ten­strei­fen)

Ein Aus­flug z.B. in die dünn besie­del­te Ser­ra Mon­chi­que  oder die wei­ter öst­lich lie­gen­de Ser­ra do Cal­derão ist eine Wohl­tat für Geist und See­le. Zwar ist der höchs­te Gip­fel des Mon­chi­que-Gebir­ges, Pico da Foia (902 m),  sehr von Tages­aus­flüg­lern fre­quen­tiert, dafür hat man bei schö­nem, kla­ren Wet­ter eine atem­be­rau­ben­de Fern­sicht über wei­te Tei­le der Küs­te. So etwas bleibt unver­gess­lich.

Blick von der Serra Monchique auf die Küste - copyright commons
Blick von der Ser­ra Mon­chi­que auf die Küs­te – copy­right crea­ti­ve com­mons

 

Im Bar­ro­cal bekommt der Rei­sen­de eine Vor­stel­lung des Gar­tens am Atlan­tik. Das lieb­li­che Hügel­land mit dem bereits von den Mau­ren klug instal­lier­ten Bewäs­se­rungs­sys­tem, bie­tet für die Land­wirt­schaft idea­le Vor­aus­set­zun­gen. Oran­gen- und Zitro­nen­hai­ne, Oli­ven­bäu­me, Man­del­plan­ta­gen, die im Janu­ar / Febru­ar mit ihren Blü­ten bezau­bern, Johan­nis­brot­bäu­me, Erd­beer­bäu­me und Kork­ei­chen prä­gen das Bild des Bar­ro­cal. Wer ein hüb­sches Klein­od im Bar­ro­cal sehen will, ist mit dem Dorf Alte am Süd­fuß der Ser­ra do Cal­derão bes­tens bedient.

 

Algarve_Zitronenbaum im Januar

 

Das tou­ris­ti­sche Zen­trum der Algar­ve ist ganz klar der Küs­ten­strei­fen (Lito­ral). Für die meis­ten Rei­sen­den wohl der Haupt­grund für einen Urlaub im süd­lichs­ten Teil Por­tu­gals. Die etwa 200 Kilo­me­ter lan­ge Küs­te der Pro­vinz glie­dert sich in drei land­schaft­lich, kli­ma­tisch und nach Tou­ris­mus­auf­kom­men unter­schied­li­che Zonen.

Ganz im Wes­ten und nörd­lich des Cabo São Vicen­te wird die weit­ge­hend ursprüng­li­che West­küs­te,  Cos­ta Vicen­ti­na, das idea­le Gebiet sein für Natur­lieb­ha­ber, die fri­schen Wind und mode­ra­te Tem­pe­ra­tu­ren lie­ben, sur­fen oder wan­dern wol­len. Men­schen, die kei­nen Wert auf Hul­ly Gul­ly Par­ty legen, son­dern sich an  herr­li­chen, vom Mas­sen­tou­ris­mus ver­schon­ten Strän­den, wie Pra­ia do Ama­do, Pra­ia do Cas­te­le­jo oder Pra­ia do Ode­cei­xe wohl füh­len.

Die Süd­küs­te vom Cabo São Vicen­te bis Faro trägt den Namen Fel­sal­gar­ve (port.: Bar­la­ven­to – dem Wind zuge­wandt). An die­ser Steil­küs­te fin­den sich die welt­be­kann­ten, bizarr geform­ten Klip­pen  und Grot­ten (spek­ta­ku­lär: Pon­ta da Piedade bei Lagos) und die male­ri­schen Bade­buch­ten. Wäh­rend der äußers­te Wes­ten um Sag­res, wohl auch wegen des rau­he­ren Kli­mas, eher wenig tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur bie­tet, ist der Strei­fen zwi­schen Lagos und Faro mit so unter­schied­li­chen Orten wie Por­timão, Car­voei­ro, Arm­a­cao de Pera und Alb­ufei­ra das unbe­strit­te­ne Zen­trum des Algar­ve-Tou­ris­mus.  Leu­te, die es in jeder Bezie­hung ger­ne inter­na­tio­na­ler und je nach Sai­son auch tru­beli­ger haben wol­len, sind hier an der rich­ti­gen Stel­le. Hier ist alles mög­lich: vom Strand­le­ben, Bars, Knei­pen, Restau­rants, Shop­ping­mög­lich­kei­ten bis zu Städ­te­trips mit Kul­tur­pro­gramm.

Strand bei Carvoeiro im Januar
Strand bei Car­voei­ro im Janu­ar

Rich­tung Osten, zwi­schen Faro und Vila Real de San­to Antó­nio, an der spa­ni­schen Gren­ze, wird es wie­der ruhi­ger. Dort erstreckt sich die soge­nann­te San­dal­gar­ve (port.: Sota­ven­to = dem Wind abge­wandt). Fla­che Sand­strän­de und vor­ge­la­ger­te Lagu­nen domi­nie­ren die Küs­ten­land­schaft. Die Luft- und Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren sind hier am wärms­ten und Bade­lieb­ha­ber, die es ger­ne gemüt­li­cher haben wol­len, kom­men voll auf ihre Kos­ten. Der Par­que Natu­ral da Ria For­mo­sa, eine watt­ar­ti­ge Lagu­nen­land­schaft wird Lieb­ha­ber ursprüng­li­cher Natur (Vogel­pa­ra­dies) eben­falls begeis­tern. Nicht zu ver­ges­sen die Lagu­nen­in­seln Ilha de Tavi­ra und Ilha de Cula­t­ra, wun­der­schö­ne Plät­ze ohne Hek­tik.  Einen ganz beson­de­ren Reiz wer­den man­che Besu­cher einem Aus­flug längs des ruhi­gen Grenz­flus­ses Rio Gua­dia­na von der Mün­dung bis ins ursprüng­li­che Hin­ter­land abge­win­nen.

Wer gut zu Fuß ist und Freu­de dar­an hat, wird auch von den Wan­der­mög­lich­kei­ten in der Algar­ve ange­tan sein. Von Ost nach West durch das Hin­ter­land ver­läuft die "Via Algar­via­na", eine mar­kier­te Rou­te durch z.T. ent­le­ge­ne Gebie­te. Im äußers­ten Wes­ten lockt die Rota Vicen­ti­na, die vom Cabo Sao Vicen­te bis in die Pro­vinz Alen­te­jo hin­ein­führt. Auch hier­zu gibt es spe­zi­el­le Wan­der­füh­rer, auf die wir in der letz­ten Fol­ge hin­ge­wi­sen haben.

 

Land und Leute mit guten Sitten: Die liebenswerten Bewohner

 

Algarve_Strand Menschen im Januar

Auch wenn die Algar­ve mitt­ler­wei­le zu einem Teil  „inter­na­tio­nal“ geprägt ist, gel­ten  hier wei­test­ge­hend die glei­chen Sit­ten und Regeln wie im Rest Por­tu­gals. Die ech­ten Algar­vi­os waren schließ­lich ein Volk von Fischern, Bau­ern und Hand­wer­ken, das kon­ser­va­ti­ve Tra­di­tio­nen gepflegt hat und z.T. immer noch pflegt. Trotz Tou­ris­mus ist die Algar­ve in gro­ßen Tei­len ein eher länd­li­ches und klein­räu­mi­ges Gebiet. Aller­dings sind in den tou­ris­ti­schen Ball­lungs­ge­bie­ten die Ein­hei­mi­schen wäh­rend der Sai­son eher in der Min­der­zahl. Neben den vie­len aus­län­di­schen Resi­den­ten und Urlau­bern arbei­ten vie­le Por­tu­gie­sen aus den nörd­li­chen Pro­vin­zen in Hotels, Restau­rants und Geschäf­ten. Sehr oft wird man erle­ben, dass ein Ver­käu­fer in einem Laden sich als "Nor­ten­ho" (Nord­por­tu­gie­se) "outet", sei­ne Hei­mat­re­gi­on über­schwäng­lich als das "ech­te" Por­tu­gal bezeich­net und die Algar­ve ein­fach nur als Ver­dienst­mög­lich­keit betrach­tet. Das wird der Algar­ve natür­lich nicht gerecht, aber es zeigt wie hei­mat­ver­bun­den die Por­tu­gie­sen in ihrer Gesamt­heit sind.

 

Algarve_Strassencafé im Januar

 

Höf­lich­keit im Umgang mit­ein­an­der und auch mit Frem­den wird bei den Por­tu­gie­sen gene­rell groß geschrie­ben. Wenn man die­se, eigent­lich selbst­ver­ständ­li­che Regel beach­tet, öff­nen sich Tür und Tor. Das Land der guten Sit­ten ist kei­nes­wegs nur ein Kli­schee, son­dern lebt. Mit dem fast flüs­ternd und gezischt vor­ge­tra­ge­nen Aus­druck "com lice­nça" (dt: gestat­ten Sie) schiebt man sich ele­gant durch einen Pulk von Men­schen, hebt der Kell­ner im Restau­rant eine her­un­ter­ge­fal­le­nes Mes­ser auf und legt mit dem glei­chen Spruch eine neu­es auf den Tisch, ver­ab­schie­det man sich von sei­nen Gäs­ten, bevor man die Haus­tü­re schließt.

Algarve_Kind am Strand im Januar

Man kann soll­te sich als Rei­sen­der dar­auf ein­stel­len, dass Geduld und Gelas­sen­heit bei Miss­ge­schi­cken eher wei­ter­hel­fen als recht­ha­be­ri­sches und unge­dul­di­ges Behar­ren.  Wer als Aus­län­der sei­ne Stim­me laut erhebt (z.B. bei einer Rekla­ma­ti­on) macht sich lächer­lich.  Por­tu­gie­sen klä­ren nor­ma­ler­wei­se Unstim­mig­kei­ten oder heik­le Situa­tio­nen mit bewun­derns­wer­ter Ruhe. Ein schrof­fes "nein" ist unüb­lich. Schön kann man das sehen, in welch selbst­ver­ständ­li­chem, ruhi­gem Ton z.B. por­tu­gie­si­sche Väter  ihre klei­nen Spröss­lin­ge ermah­nen, wenn die­se mal über die Strän­ge schla­gen.  Das geht alles ohne Geschrei und Geze­ter ab.

Den stän­di­gen Bes­ser­wis­ser soll­ten Algar­ver­ei­sen­de eben­falls ver­mei­den. Es kommt nicht gut an, den all­wis­sen­den und per­fek­ten Deutschen/Schweizer/Österreicher raus­hän­gen las­sen und abwer­ten­de Ver­glei­che anzu­stel­len. In Por­tu­gal gehen bei vie­len Din­gen die Uhren immer noch anders und unge­be­te­ne Rat­schlä­ge und stän­di­ge Opti­mie­rungs­vor­schlä­ge wir­ken befremd­lich arro­gant.

Die Por­tu­gie­sen wis­sen sehr wohl , dass es in Mit­tel­eu­ro­pa durch­weg „per­fek­ter“ zugeht und geben dies auch in Gesprä­chen zu erken­nen. Der Drang nach Per­fek­ti­on wird einer­seits bewun­dert, den­noch  will nie­mand gede­mü­tigt wer­den. Gera­de jetzt, in der noch nicht über­stan­de­nen Kri­se des Lan­des, die den größ­ten Teil der Bevöl­ke­rung stark beu­telt, plä­die­ren wir für Fin­ger­spit­zen­ge­fühl.

Für das eige­ne See­len­be­fin­den viel ange­neh­mer und natür­lich auch gegen­über den por­tu­gie­si­schen Men­schen ist es, ehr­li­che Begeis­te­rung und Freu­de über die schö­nen Din­ge zu zei­gen. Davon wird es vie­le geben, wenn man mit offe­nen Augen die Algar­ve bereist. Das gute Essen und Trin­ken, die wun­der­ba­re Natur, das herr­li­che Kli­ma, die groß­ar­ti­ge Geschich­te und Kul­tur – die Por­tu­gie­sen freu­en sich, wenn ein Aus­län­der dies schätzt.

Auch wenn man erst mal kei­ne Ambi­tio­nen hat, die sehr anspruchs­vol­le por­tu­gie­si­sche Spra­che zu ler­nen, zumal Eng­lisch an der Algar­ve die übli­che Zweit­spra­che ist, im Umgang mit den Ein­hei­mi­schen hel­fen ein paar por­tu­gie­si­sche Wör­ter auf jeden Fall und öff­nen die Her­zen. In den ein­schlä­gi­gen Rei­se­füh­rern, die wir in der letz­ten Fol­ge prä­sen­tiert haben, fin­det sich jeweils ein klei­ner Grund­wort­schatz, den man im All­tag gut brau­chen kann.

 

Land und Leute: Eine persönliche Note

 

Man­che aktu­el­len Stim­men in der por­tu­gie­si­schen Bevöl­ke­rung hadern, bedingt durch die Kri­se, mit der Mit­glied­schaft des Lan­des in der EU. Sie sehen die Zukunft für Land und Leu­te eher wie­der auf den Atlan­tik und die ehe­ma­li­gen Über­see­ko­lo­ni­en gerich­tet.  Die glor­rei­che Zeit der Ent­de­ckun­gen hallt eben immer noch nach, obwohl vom sagen­haf­tem Reich­tum jener Zeit nur eine klei­ne Schicht des Lan­des pro­fi­tier­te. Wir hof­fen den­noch, dass die über­wie­gen­de Mehr­heit der Por­tu­gie­sen ihre Zukunft in einem soli­da­ri­schen Euro­pa sieht. Die neue, star­ke Reform­be­we­gung "Pode­mos" im Nach­bar­land Spa­ni­en, die trotz aller Kri­tik an den bestehen­den Eli­ten, einen pro-euro­päi­schen Kurs ver­folgt, stimmt opti­mis­tisch. Viel­leicht kann sich in Por­tu­gal eine ähn­li­che Bewe­gung eta­blie­ren, die dazu bei­trägt, das Land auf einen wirt­schaft­lich und sozi­al nach­hal­ti­gen, sta­bi­len Kurs zu brin­gen.  Aus unse­rer Sicht wäre es zu wün­schen für ein Land, das Euro­pa viel gege­ben hat und das trotz sei­ner Ein­zig­ar­tig­keit zur euro­päi­schen Völ­ker­fa­mi­lie dazu­ge­hört.

 

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